Karl Heinz Johner gilt im Weinbau Großbritanniens als Ikone, denn während seiner dreizehn Jahre vor Ort etablierte er eine neue Qualität. Johner arbeitete damals bei Lamberhurst (Kent), dem größten Weingut des Landes, und beriet über zwanzig weitere Betriebe. Autor Carsten Henn sprach mit dem Winzer, der heute in Bischoffingen am Kaiserstuhl und in Wairarapa (Neuseeland) Spitzen-Weingüter besitzt.
Wie gefallen Ihnen die heutigen Weine der Insel?
Sie schmecken für mich wie Neuseeländer. Diese volle Aromatik, sie gehen voll auf Nase, allerdings nach mir die Sintflut. Man muss sich aber auch eine Reputation mit Weinen aufbauen, die nach zehn bis fünfzehn Jahren Eindruck machen. Bei der veränderten Aromatik darf man nicht vergessen, dass sich die Lese ja auch total verschoben hat. Wir haben 1975 und 1978 Mitte Oktober, Richtung November, geerntet, jetzt passiert das vier Wochen früher.
Wie war die Situation in England, als sie dort anfingen?
Da war fast noch nichts, man konnte fast niemanden fragen, eine Cidre-Firma hat fast alle Güter beraten. Es war für mich das schönste Versuchsfeld! Jeder andere wusste weniger als ich. Ich habe dann gesagt, wir müssen die Weine ein wenig mundgerechter machen. Riesling mit 37 Grad Öchsle, da konntest du jemanden mit erschießen, da war die Säure ja höher. Nur nach Moselmanier konntest du einigermaßen Wein machen.
Welche Veränderungen haben Sie bewirkt?
Die haben da im Keller mit dem größten Murks gearbeitet. Die hatten halbvolle Tanks da liegen, vieles überlagert! Ich habe dann vor allem die Kellerarbeit professionalisiert, neue Tanks eingeführt, gute Pressen, die schonende Verarbeitung, eine gekühlte Vergärung war nicht extra nötig, denn man hatte es eh saukalt. Wir mussten damals die Süßreserve einführen und Gärstopps, damit das Säure-Süße-Spiel da war. Machen Sie mal aus einer unreifen Frucht noch etwas halbwegs Gescheites!
Kann England der Champagne in Zukunft Paroli bieten?
Die Sparklings kannst du heute ja schon nicht mehr von Champagnern unterscheiden. Und zurzeit gilt auf der Insel nur noch das Einheimische, alles andere ist nichts mehr. Wer früher englischen Wein getrunken hat, der galt als jemand mit einer Meise. Die Zeiten sind vorbei, und über kurz oder lang werden die Champagner-Güter kommen - denn der Hunger nach Champagner ist ja ungebrochen. Wenn der asiatische Markt kommt, geht es los. Vom Kalkboden im moderaten Klima her gibt es kaum eine Alternative zu England. Die nächsten zwanzig Jahre werden dort eine größere Entwicklung bringen als die letzten.
(von Carsten Henn/erschienen im WEINFEDER-JOURNAL)
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