Apfelernte im Alten Land Zu Besuch in den Obstplantagen am Elbdeich

Von Claudius Lüder

"Das wird eine gute Ernte!" Zufrieden begutachtet Apfelbauer Volker Schönn die prallvollen Bäume auf seiner Plantage in Steinkirchen im Alten Land. Rubens heißt seine Spezialsorte, ein knackig saftiger und süßer Apfel, der aus einer Kreuzung von Gala und Elstar entstanden ist. "Wer den einmal gegessen hat, will keinen anderen mehr", sagt Schönn. Allerdings sei der Rubens im Anbau nicht ganz einfach. Häufiger als bei anderen Sorten muss der Obstbauer die Bäume schneiden und auf eine gute Baumgesundheit achten.

 Apfelernte im Alten Land, Foto: Diana AsbeckSchönn ist einer von rund 450 Erzeugern, die in der Region vor den Toren Hamburgs Obst anbauen. Rund 1200 Quadratkilometer groß ist das Gebiet zwischen dem Fluss Schwinge im Westen und der Süderelbe im Osten. Im größten geschlossenen Obstanbaugebiet Europas leben knapp 200 000 Einwohner, die meisten in Stade und Buxtehude. Als heimliche Hauptstadt des Alten Lands gilt Jork, wo auch die meisten Apfelbauern ihre Höfe haben.

Rund 300 000 Tonnen Äpfel ernten sie jedes Jahr, hinzu kommen Birnen, Kirschen, Pflaumen, Himbeeren und Erdbeeren. Mit diesem Angebot lockt das Alte Land immer mehr Besucher an. Zahlreiche Radwege schlängeln sich durch die Baumreihen, malerische Ecken wie die strahlend weiße Hogendiekbrücke in Steinkirchen liefern postkartenreife Motive. Dort fließt die Lühe durch die Obstbaumfelder, bevor sie in die Elbe mündet.

Durchzogen sind die Apfelplantagen von einem ausgeklügelten Be- und Entwässerungssystem, das auf die Zeit vor rund 600 Jahren zurückgeht, als die Holländer das Gebiet trockenlegten. Alle 16 Meter verlaufen Wettern genannte Gräben. "Wasser speichert Wärme, daher ließ man früher die Wettern vor dem Frost volllaufen und sorgte so für höhere Temperaturen in den Plantagen", erläutert Obstbauer Axel Schuback aus Jork. Auch heute noch sorgen die Bauern mit Wasser für den Frostschutz, aber mit speziellen Beregnungsanlagen, die in kalten Frühjahrsnächten einen feinen Eispanzer auf die Blüten zaubern.

Foto: Tourismusverein Altes Land e.V.

Die Kanäle, Seitenarme und Flüsse dienten früher als Transportwege. "Kleinere historische Häfen wie jener in Borstel an der Mühle waren damals die Hauptumschlagplätze für Waren", erläutert Jens Anderson von Elbe-Obst. Die Erzeugerorganisation vermarktet einen Großteil des Obstes und lagert die Äpfel in acht über das Alte Land verteilten Sauerstoffkammern nach der Ernte ein. Dort werden die Äpfel über Monate frisch gehalten und über das ganze Jahr hinweg an den Einzelhandel verschickt. Rund 15 Prozent gehen ins Ausland. "Unser Red Prince wird bis nach Sibirien verkauft", sagt Anderson.

 Apfelernte im Alten Land, Foto: Diana AsbeckDie Zahl der Sorten geht in die Hunderte, vor allem Elstar und Jonagold stehen ganz oben auf der Liste der meistangebauten Äpfel. "Diese beiden Sorten machen rund zwei Drittel unserer Ernte aus, insgesamt stellen zwölf Hauptsorten etwa 90 Prozent der Menge", erläutert Anderson. Das besondere Markenzeichen der Äpfel aus dem Alten Land ist ihr sattes Rot.

Wann ein Apfel letztendlich reif ist, überlassen die Obstbauern nicht dem Zufall. Neben Erfahrung und Instinkt entscheidet meist ein so genannter Jod-Stärke-Test darüber, ab wann gepflückt werden kann. Bei dieser Methode wird ein Apfel aufgeschnitten, die Schnittflächen werden mit einer Jod-Lösung besprüht. Die Dunkel-Färbung gibt Aufschluss über den Stärkegehalt und damit den Reifegrad.

Besuchern bietet das Alte Land die Äpfel in nahezu allen erdenklichen Variationen: Apfelschnapps, Marmelade und andere haltbare Apfelerzeugnisse gibt es das ganze Jahr über. Spätestens wenn die Erntezeit beginnt, stehen Apfelkuchen, Apfelaufläufe, deftige Apfelpfannen oder Apfel-Cordon-Bleu auf vielen Speisekarten regionaler Restaurants und Cafés. Daneben werden in den Hofläden Apfelchips, Apfelgummibärchen und frischer Apfelsaft angeboten. Wem das noch nicht reicht, der kann beispielsweise bei Axel Schuback eine Baumpatenschaft übernehmen: Gegen einen Festpreis pro Jahr garantiert Schuback den Paten mindestens 20 Kilo Äpfel, die im September und Oktober abgeerntet werden können.

Die Idee sei ihm gekommen, weil viele Kunden nach einem eigenen Baum fragten.Inzwischen hängt an über 1500 Apfelbäumen das Schild eines Paten."Wir haben sogar einen Baumpaten in Australien, der kommt jedes Jahr zum Pflücken nach Jork", erzählt Schuback. Zwischendurch könnten die Paten via Webcam das Wachstum ihres Baums im Internet verfolgen.

Auch Obstbauer Hein Lühs setzt auf die persönliche Apfel-Mensch-Beziehung. Eher zufällig erfand er vor mehr als zehn Jahren den Herzapfel - heute sein Markenzeichen. "Mir fiel irgendwann mal ein Apfel in die Hände, auf dem sich ein Blatt festgeklebt hatte.Als ich es abmachte, war die Form des Blatts wie aufgemalt auf dem Apfel zu sehen."

So kam er auf die Idee, Herzen auf die fast reifen Äpfel zu kleben. Nach der Ernte entfernte er die Schablonen wieder. Die Kunden waren begeistert. Lühs entwickelte die Idee weiter und bringt heute mit speziellen Lasern nahezu jede gewünschte Form oder Schrift auf die Äpfel. "Die ungewöhnlichste Anfrage kam von einem Kunden aus Dortmund: Der wollte den Text "14 schöne Jahre und was nun?" auf einem Apfel verewigt haben." Lühs erfüllte ihm den Wunsch. dpa
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