20. August 2011

Biergarten ist keine Partyzone

Biergartenbesucher dürfen ihre Brotzeit selbst mitbringen. Aber dürfen Biergärten in München zur Partyzone missbraucht werden?

Von Britta Schultejans

Sie sind der Inbegriff bayerischer Gemütlichkeit und Harmonie - die Biergärten. Genau diese Paradiese unter alten Kastanienbäumen aber sieht der Bayerische Biergartenverein gefährdet. «Die Biergärten sind zunehmend als Partyzone entdeckt worden», sagt die Präsidentin des Vereins zur Erhaltung der Biergartentradition, Ursula Seeböck-Forster.

«Da gibt es regelrechte Auswüchse. Heute ist es nicht mehr so, dass man sich einfach gemütlich in den Biergarten setzt - man macht eine Biergarten-Party.» Immer häufiger verabredeten große Gruppen sich in den Biergärten, die mit ihrem mitgebrachten Essen mehrere Tische blockierten.

«So ist das aber nicht gedacht», sagte Seeböck-Forster. «Der Biergarten soll in erster Linie eine Gelegenheit für Familien sein, bei schönem Wetter draußen zu essen - ein sommerliches Refugium.» Gerade in einer Stadt wie München hätten viele nur eine kleine Wohnung und keinen Garten. Weil die großen «Party-Gruppen», die sich «über Facebook und Twitter verabreden und dann - zack-zack - den Biergarten stürmen» aber inzwischen teilweise ganze Buffets auf den Biertischen aufbauten, werde der Platz für Familien immer begrenzter.

«In der Biergartenverordnung steht, dass man eine Brotzeit mitbringen darf», sagte Seeböck-Forster. «Was man da heute manchmal sieht, hat aber oft nicht mehr viel mit einer Brotzeit zu tun.» Wann eine Brotzeit noch Brotzeit ist? «Wenn es etwas relativ einfaches ist - und meistens auch kalt: Brezn, Radi, Obadza, Wurstsalat, Leberkäs oder ein bisschen Käse. Da muss man keine Quiche auffahren und eine Pizza gehört sicher auch nicht dazu.» Das Mitbringen von Getränken gehe «ohnehin überhaupt nicht», betonte sie. Immerhin stelle der Wirt die komplette Infrastruktur und müsse auch dafür bezahlen.

Die bayerischen Biergärten haben ihren Ursprung in den Bierkellern des 16. Jahrhundert, in denen die Münchner Brauereien von April bis September das im Winter gebraute Bier lagerten. Für den kühlenden Schatten sorgten Kastanienbäume, die über die Keller gepflanzt wurden. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im Sommer das direkt aus dem Keller frisch gezapfte Bier ausgeschenkt.

Um anderen Gaststätten das Geschäft nicht zu verhageln, wurde damals festgelegt, dass in den Biergärten kein Essen serviert werden darf - die Besucher mussten ihre Brotzeit selbst mitbringen und das dürfen sie heute noch. Für diese Tradition setzt der Biergartenverein, der auch schon für die 1999 in Kraft getretenen Bayerische Biergartenverordnung kämpfte, sich ein. «Wir wollen, dass in Bayern die Tradition beibehalten wird», sagte Seeböck-Forster. dpa

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