29. Mai 2009

Eis-Tee ist der perfekte Sommer-Drink

Aber Vorsicht: Erst das Eis und dann der Tee. Sonst verliert er sein Aroma!

Was macht ein Teehändler an Hochsommertagen, um seinen frisch aufgebrühten Tee an den Mann zu bringen? Er schnappt sich einen Krug voll Eiswürfel und verpasst seinem Heißgetränk einen Kälteschock. Die Idee klingt banal, hat aber große Kreise geschlagen: Vor gut hundert Jahren ist sie in den USA entstanden und hat Amerika zur weltgrößten Eistee-Nation gemacht.    

«Es war genau im Jahr 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis», erzählt Teefachhändler Rolf Schoffers aus Wiesbaden. Der englische Kaufmann Richard Blechhyden steckte in der schwierigen Situation, die Menschen bei über 30 Grad davon zu überzeugen, dass sein heißer Tee jetzt genau das Richtige für sie war. Der Mann ließ sich nicht entmutigen, orderte einen Haufen Eiswürfel und goss seinen frischen Schwarztee darauf. «Das war ein Geniestreich», urteilt Schoffers. Denn dabei habe der Kaufmann zugleich eine Technik entdeckt, durch die ein kalter Tee seinen frischen Geschmack behalten kann.    

«Das ist beim normalen Abkühlen nicht der Fall», sagt der Teefachhändler. Dabei geht das frische Aroma verloren, das sich beim Aufbrühen der Teeblätter oder Früchte in der Flüssigkeit entfaltet. Denn zum echten Eistee, den man mit etwas Vorbereitungszeit auch gut zu Hause hinbekommt, gehört neben einem kräftigen, frischen Teekonzentrat immer eine etwa genauso große Menge Eiswürfel, die den heißen Tee schockfrostet und so sein Aroma erhält.    

Als Faustregel für einen Liter Eistee gibt Daniel Mack, Produktentwickler bei TeeGschwendner in Meckenheim bei Bonn an, dass je nach Sorte die zwei- bis dreifache Menge an Teeblättern oder Beuteln benötigt werden. Diese dürften jedoch nur mit einem halben Liter Wasser zu einem Konzentrat aufgebrüht werden. Die anderen 500 Milliliter Wasser sollten rechtzeitig vorher zu Eiswürfeln verarbeitet worden sein und während des Aufbrühens in einen großen Krug oder in ein hohes Gefäß gefüllt werden.    

«Thermoskannen eignen sich besonders gut», rät Mack im Hinblick auf die konstante kalte Temperatur, die dabei lange erhalten bleibt. Nach der Ziehzeit wird das heiße Teekonzentrat auf die Eiswürfel gegossen. Das Aroma wird quasi konserviert und behält so auch im kalten Zustand den typischen Teegeschmack. Nach Bedarf könne nun mit Honig, Zucker oder Süßstoffen gesüßt werden.    

Bei der Auswahl der Teesorten, die man der Frostprozedur unterzieht, könne man seinem Geschmack und seiner Fantasie freien Lauf lassen, sagt Andrea Heng aus München. Sie ist ausgebildete Tee-Sommelière und gibt Seminare und Workshops rund um die Welt der aufgebrühten Blätter. Wenn es um Eistee-Kreationen aus der eigenen Küche geht, gelte für sie neben dem Grundrezept nur eine Regel: «Erlaubt ist, was gefällt.»    

Wer klassisch vorgehen möchte und in die Fußstapfen des englischen Kaufmanns von St. Louis treten will, sollte zu reinem Schwarztee greifen. «Momentan sind aber auch aromatisierte Grünteesorten stark im Kommen», sagt Heng. Für den Sommer favorisiert sie zum Beispiel eine Mischung aus grünem Sencha mit einem Schuss Limettensaft. Für Kinder eigneten sich sämtliche Früchte-, aber auch Rotbuschteesorten sehr gut. Wer Sorten mit fruchtig-süßen Aromen wie Ananas, Beeren oder Kokos wähle, habe den Vorteil, dass er oft ganz auf das Süßen verzichten könne.    

Für einen besonders fruchtigen Eistee hat Monika Beutgen, Geschäftsführerin vom Deutschen Teeverband in Hamburg, einen Tipp: «Wer die Eiswürfel aus Fruchtsaft herstellt, kann immer wieder mit neuen Geschmacksrichtungen kombinieren», sagt sie. Der jeweilige Saft könne zudem durch frische Fruchtstückchen ergänzt werden. Ganz gleich um welche Sorte es sich handelt, müsse das Mischungsverhältnis zwischen Konzentrat und Eiswürfeln mindestens eins zu eins sein. «Lieber mehr Eiswürfel als zu wenig.»    

Wer sich an einigen ersten Eisteesorten erfolgreich versucht hat, kann weiterexperimentieren. Andrea Heng schlägt zum Beispiel vor, den klassischen Eiskaffee oder die Eisschokolade zur Abwechslung mal gegen einen «Eis-Chai» zu tauschen. Anstelle von heißem Kakao oder Kaffee sollte dazu ein frischer Chai-Tee verwendet werden.    

Ein weiterer Trick für die Sommermonate ist die Kombination von Tee, Eiswürfeln und Speise-Eis. Ein doppelt stark aufgebrühter aromatisierter Früchtetee in Geschmacksrichtung Pfirsich-Vanille sollte wie gewohnt schockgefrostet und mit Akazienhonig gesüßt werden. Sobald Eiswürfel und -tee servierfertig in Gläser gefüllt wurden, kommen noch ein bis zwei Kugeln Vanilleeis obendrauf. Dieses Rezept eignet sich auch besonders gut für Gäste. dpa

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