12. April 2010

Petition und Protest gegen Moselbrücke in Berlin

International Riesling Rescue: Die Petition für den Baustopp des Hochmoselübergangs - Protest-Veranstaltung mit Renate Künast, Jancis Robinson, Hugh Johnson, Stuart Pigott, Ernst Loosen, Katharina Prüm und Joschka Fischer in Berlin. VDP fordert Tabuzonen für das aktive Weinkulturerbe Deutschlands

Es war schon eine zauberhaft zusammen gewürfelte Szenerie im China-Restaurant Hot Spot in Berlin: um die bevorstehende Zerstörung der Kulturlandschaft Mittelmosel zu verhindern und die Gefahr für die einzigartigen Rieslingweinberge durch den Bau der B50-Trasse abzuwenden, trafen sich so gegensätzliche Personen wie Renate Künast und Joschka Fischer, internationale Weinautoren wie Jancis Robinson, Hugh Johnson und Stuart Pigott, betroffene Winzer wie Ernst Loosen und Katharina Prüm - aber auch Georg Prinz zur Lippe von Schloss Proschwitz - dazu Journalisten von nTV, Welt und Welt am Sonntag und anderen Medien, außerdem Sommeliers und Starköche wie Christian Lohse und HP Wodarz.

Das kommt nicht so oft vor. Die Liebe zum Riesling ist eben weltumspannend. Und eine 04er Wehlener Sonnenuhr von JJ Prüm oder eine Ürziger Würzgarten Auslese trocken 98 von Jos. Christoffel jr vereinen doch wunderbar nicht nur zu chinesischen Spezialitäten.

Also Genuss-Protest pur. Hier einige mahnende Zitate der Experten, die sich auf Einladung der Initiative Pro-Mosel versamelt hatte:

Renate Künast: "Das ist kein respektvoller Umgang mit unserer Kulturlandschaft, wir müssen diesen Schatz bewahren. Die B50 darf nicht gebaut werden."

Katharina Prüm: "Der Wasserhaushalt in solch berühmten Lagen wie Wehlener Sonnenuhr, Ürziger Würzgarten oder Graacher Himmelreich wird gefährdet, wir fordern ein Umdenken und eine Überprüfung der Entscheidung."

Ernie Loosen: "Ich werde im Ausland ständig gefragt - 'what's going on with that fucking bridge?' Dort versteht den Bau keiner!"

Jancis Robinson: "Die Bedrohung durch die Brücke und die B50 wird im Ausland besser erkannt als in Deutschland selbst. Diese Lagen sind einzigartig und nicht ersetzbar. Viele Winzer im Ausland würden liebendgern solche Weine herstellen. Es gibt nur wenige Punkte, wo ich mir wünsche, das die Deutschen wie die Franzosen wären, aber in diesem Fall ist das so. Ich wünsche mir mehr Widerstand."

Hugh Johnson zeigte sich erbost, dass der pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering ihn "in einem Brief gebeten habe, zu diesem Thema zu schweigen". Was für Stuart Pigott einer Aufforderung zur Selbstzensur gleichkommt. Johnson bekräftigte: "Diese großen Weine mit dieser Finesse gibt es nur hier. Diese unersetzbaren Lagen müssen geschützt werden!"

Auch der Bundesverband der VDP Prädikatsweingüter fordert eine politische Neujustierung zur Sicherung hochkarätiger Weinbergslagen. VDP-Mitgliedsgüter sehen im Bereich Bernkastel, Graach, Wehlen und Zeltingen durch den Bau der B 50 die Existenz ihrer Weinberge in Gefahr. Deshalb fordern die VDP Prädikatsweingüter Tabuzonen für das aktive Weinkulturerbe Deutschlands.

Niko meint: Das ist eine richtige Forderung! Für einen Franzosen wäre es nicht vorstellbar, dass bei einer Gironde-Überquerung im Bordeaux das Terroir der Chateaux Latour, Montrose oder Beychevelle zerstört oder ihr Mikroklima beeinträchtigt würde. Ein Aufschrei ginge nicht nur durch das Bordelais. Bei uns gelten diese Werte von Terroir leider immer noch nicht, der Gesetzgeber setzt weiterhin auf Zuckergrade statt Lage. Müssen erst die EU in ihrem neuen Weinrecht und renommierte britische Autoren uns beibringen, was deutsche Appellationen, was unsere einzigartigen Spitzenlagen wert sind? Minister Hering, shame on you!

Zur Petition im Deutschen Bundestag

Protest wird international

Zur B50-Seite des Bundesministeriums für Verkehr

Zum Offenen Brief an Minister Hering

Zum TVino-Video

Fotos: DWI

Kommentare (3)

  1. Sigbert Frisch am 12.04.2010
    Klasse dokumentiert.
  2. Niko . am 13.04.2010
    jau, und jetzt alle die Petition unterzeichnen, vielleicht bringt es ja doch noch was, auch wenn die bagger schon rollen
  3. Dr. Peter Bäumler am 13.04.2010
    Wie in Dresden:

    Da bahnt sich mit Hochmoselübergang und -Brücke ein gleichartiger Eingriff und damit die Zerstörung einer Kulturlandschaft an wie in Dresden. Der Bau der Waldschlösschenbrücke dort über den Elbbogen und die Flussauen hat der Stadt/Landschaft ihre Würde in Einzigartigkeit genommen. Die Unmaßstäblichkeit der Verkehrsbauten herum, die Alleeenrodungen tun das Übrige im anschließenden Stadtraum. Folgerichtig verlor Dresden seinen Weltkulturerbe-Status, blamierte Deutschland als Kulturnation.

    Wer stoppt die Betonierwut der Infrastruktur-Technokraten, die getrieben von KFZ- und Baulobby von Entscheidern getragen wird, die sich mit lange schon überkommenen Verkehrsideologien rechtfertigen. (Bäu)

Neuen Kommentar schreiben