13. April 2010

Protest gegen Moselbrücke wird international

Der Streit um den geplanten Hochmoselübergang und die Hochmoselbrücke durch einige der besten Weinlagen Deutschlands schlägt auch international immer höhere Wellen. Wirtschaftsminister Hendrik Hering verteidigt das Projekt

Nachdem nun schon Zeitungen in den USA kritisch darüber berichtet hatten, verteidigte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) das Vorhaben als ein «Straßenbauprojekt von europäischer Bedeutung». Kurz zuvor hatten Gegner des Hochmoselübergangs mit einer Weinprobe in Berlin protestiert - unter ihnen Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und die Fraktionschefin seiner Partei im Bundestag, Renate Künast, sowie internationale Weinkritiker.

Längst jedoch haben die Bauarbeiten für die 160 Meter hohe und 1,7 Kilometer lange Brücke zwischen Ürzig und Rachtig an der Mittelmosel begonnen, längst ist der Rechtsweg bis hinauf zum Bundesverwaltungsgericht ausgeschöpft. Dennoch rief nun die Bürgerinitiative gegen den Hochmoselübergang zur Unterzeichnung einer Bundestagspetition auf. Auch die rheinland-pfälzischen Grünen forderten die SPD-Landesregierung erneut auf, bei einem der größten Brückenbauprojekte Deutschlands wegen der Gefahr für Landschaft und Wasserhaushalt, Weinbau und Tourismus im idyllischen Moseltal die Notbremse zu ziehen.

Nach der Argumentation des Mainzer Wirtschaftsministeriums werden mit dem Ausbau der vierspurigen B50neu Belgien und die Niederlande besser mit dem Rhein-Main-Gebiet und Südwestdeutschland verbunden. Die verbesserte Erreichbarkeit von Eifel, Hunsrück, Moselregion und Flughafen Hahn werde Arbeitsplätze schaffen und sichern. Mit der Führung des Fernverkehrs über das Flusstal wird laut Mitteilung die Mosel selbst von Lärm und Abgasen entlastet. Mehr als 65 Gutachten seien erstellt und die Verträglichkeit mit dem Naturschutzrecht richterlich bestätigt worden.

Das Wirtschaftsministerium, das auch als Deutschlands einziges Weinbauministerium firmiert, hält es für unbegründet angesichts des mehr als 240 Kilometer langen Weinanbaugebiets wegen eines örtlich begrenzten Projekts gleich pauschal von einer «Zerstörung der Moselregion» zu sprechen. Gerade diese Kritik könnte zu einem Imageschaden führen: «Diejenigen, die vorgeben, den Weinbau an der Mosel "retten" zu wollen, erweisen dem Moselweinbau vielmehr einen Bärendienst.» dpa/ Foto: DWI

Bericht über die Veranstaltung in Berlin und Dokumentation

Zum TVino-Video

Kommentare (2)

  1. Dr. Peter Bäumler am 13.04.2010
    Wie in Dresden:

    Da bahnt sich mit Hochmoselübergang und -Brücke ein gleichartiger Eingriff und damit die Zerstörung einer Kulturlandschaft an wie in Dresden. Der Bau der Waldschlösschenbrücke dort über den Elbbogen und die Flussauen hat der Stadt/Landschaft ihre Würde in Einzigartigkeit genommen. Die Unmaßstäblichkeit der Verkehrsbauten herum, die Alleeenrodungen tun das Übrige im anschließenden Stadtraum. Folgerichtig verlor Dresden seinen Weltkulturerbe-Status, blamierte Deutschland als Kulturnation.

    Wer stoppt die Betonierwut der Infrastruktur-Technokraten, die getrieben von KFZ- und Baulobby von Entscheidern getragen wird, die sich mit lange schon überkommenen Verkehrsideologien rechtfertigen. (Bäu)
  2. Niko . am 13.04.2010
    Genauso ist es. Jetzt blamiert sich Deutschland ein 2. Mal!

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