21. Januar 2012

Tablet-Computer zum Kochen in der Küche

iPad mit Kochbüchern von Alfons Schuhbeck oder Jamie Oliver

Eine rote Flunder für die Küche: Jean-Yves Hepp zeigt auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas einen etwas anderen Tablet-Computer. Das «Qooq» ist besonders robust gebaut, mit einem Metallgehäuse und einem Mineralglas-Display, damit es auch Fettspritzer und Küchendunst verkraften kann. Das Tablet für die Küche ist nicht der letzte Schrei der Technik, zeigt aber, wie diese Art der Computernutzung den digitalen Alltag erobert.

«Sogar der Küchenchef im Elysee nutzt schon einen Qooq», freut sich Hepp im mondänen Casino-Hotel «Venetian», wo einige der Messeneuheiten vorab präsentiert werden. Der etwas andere Tablet-Computer mit einem Linux-Betriebssystem ist im November in Frankreich eingeführt worden, zu einem Preis von 349 Euro. Jetzt drängt der Hersteller in die englischsprachigen Länder; Deutschland soll erst danach an die Reihe kommen.

Auch das iPad hat seinen Weg in die Küche gefunden. Im deutschen iTunes-Store bieten Starköche wie Alfons Schuhbeck oder Jamie Oliver ihre Kochbücher als interaktive Anwendung für das Apple-Tablet an. Sie werden zum Teil mit der Sprache gesteuert, damit das Display nicht mit teig-verschmierten Fingern berührt werden muss.

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«Die Tablet-Kategorie ist brandheiß», sagt Olof Schybergson, Gründer und Vorstandschef des Unternehmensberaters Fjord. «Tablet-Computer sind aus zwei Gründen sehr umwälzend. Erstens sind sie gleichermaßen geeignet für die drei Orte, an denen wir vorrangig unsere Zeit verbringen: zu Hause, auf der Arbeit und unterwegs. Zweitens sind sie so einfach zu benutzen, dass sie die beiden demografischen Extreme ansprechen: Kinder und alte Leute.»

So kann das Tablet auch als Spielkonsole genutzt werden. Im Hotel «Wyne» hält eine Mitarbeiterin des taiwanischen Herstellers Acer den ersten Tablet-Computer des Unternehmens mit einem Vierkernprozessor hoch und steuert ein Motorrad über eine Rennstrecke. Die Prozessorleistung stellt alles in den Schatten, was vor einigen Jahren noch für den Schreibtisch-PC der Stand der Technik war. Jetzt dient der Quadcore-Chip Tegra 3 des Grafikspezialisten Nvidia dazu, die schnellen Szenen des Computerspiels flüssig zu rendern, also auf dem Bildschirm darzustellen, der zudem mit 1920 mal 1080 Pixeln eine besonders hohe Auflösung bietet. Das Gerät aus der Modellreihe Iconia soll im zweiten Quartal auf den Markt kommen.

Tablet-Computer mit Quadcore-Prozessoren sind ein wichtiger Trend in diesem Jahr. Auch die Video-Nutzung auf dem Tablet profitiert davon. «Vor allem im Highend-Bereich ist das Thema Quadcore für mobile Geräte wichtig», sagt Gérard Cronin von ST-Ericsson, einem führenden Anbieter von Chipsätzen für mobile Geräte.

Lenovo lässt noch einen Doppelkernprozessor in seinem Tablet-Computer Idea Tab S2 werkeln, spricht damit aber auch eine andere Zielgruppe an: Dieses neue Gerät lässt sich an eine Tastatur andocken und wird so zu einer Art kleinem Laptop. Die Markteinführung ist im zweiten Quartal zu Preisen zwischen 399 und 599 Dollar (umgerechnet 314 bis 472 Euro) geplant. Mit 8,69 Millimetern ist das Lenovo-Tablet besonders dünn. Noch dünner ist mit 7,7 Millimetern das Excite X10 von Toshiba, mit dem die Japaner ihre Design-Kompetenz unter Beweis stellen wollen.

Alle Tablet-Neuheiten orientieren sich zwangsläufig am Apple-Vorbild iPad, das in den nächsten Monaten in der dritten Version erwartet wird - möglicherweise, so wird vermutet, ebenfalls mit einem besonders hochauflösenden Bildschirm. Auf der CES erinnert sich niemand gern an die großen Töne vor einem Jahr, als die Herausforderer mit dem Google-System Android zuversichtlich ihre Alternativen präsentierten. Die hohen Erwartungen konnten nämlich im Laufe des Jahres dann nicht erfüllt werden. Diesmal äußern sich die Apple-Konkurrenten zurückhaltender. Dabei macht die jüngste Android-Version «Ice Cream Sandwich» auf dem neuen Iconia-Tablet von Acer einen grafisch ebenso ansprechenden Eindruck wie in der Flüssigkeit der Bedienung.

Apple werde auch in diesem Jahr die unangefochtene Nummer 1 auf dem Tablet-Markt bleiben, erwartet die Expertin beim Marktforschungsunternehmen Gartner, Carolina Milanesi. In den USA habe Amazon mit seinem im Preis deutlich niedrigeren Kindle Fire die besten Chancen im Wettbewerb. Weltweit treffe das für Samsung zu, auch wenn die Koreaner noch nicht mit dem zugehörigen «Ökosystem» von Apps mithalten könnten.

Weil der Markt so schnell wächst, scheint ein Einstieg aber auch dann lohnend, wenn die Spitze in weiter Ferne liegt. Nach einer zur CES vorgestellten Studie des Messeveranstalters CEA werden Tablet-Computer in diesem Jahr einen Anteil von 5 Prozent am Gesamtumsatz der weltweiten Unterhaltungselektronik erreichen, bei Digitalkameras sind es nur 4 Prozent.

Im Rennen zwischen dem Apple-System iOS und Android rechnet sich auch Microsoft noch gute Chancen aus, zumindest einen Teil seiner Windows-Dominanz bei PCs in die Tablet-Welt zu retten. Hier wird mit Spannung ein Samsung-Tablet mit Windows 8 erwartet - das neue Betriebssystem soll im Herbst kommen. Ein Windows-Tablet, das sich nahtlos mit der sonstigen Windows-Welt im Betrieb versteht, könnte vor allem im Unternehmen erfolgreich sein.

«Tablets sind mittlerweile mehr als ein Lifestyle-Gerät für Privatnutzer», sagt Roman Friedrich von der Strategieberatung Booz & Company. «Durch die Digitalisierung von Prozessabläufen in Unternehmen entsteht auch ein großes Geschäft mit Business-Kunden.» dpa

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