22. Oktober 2014

VDP Weingut Koehler-Ruprecht steigt aus

Das Weingut Koehler-Ruprecht verlässt den Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter und die VDP.Die Prädikatsweingüter Pfalz

Begründung des Weinguts Koehler-Ruprecht auf den Gourmetwelten:

Als langjähriges Mitglied im "Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz" gehört das Weingut Koehler-Ruprecht seit 1926 dem heutigen VDP an. Eine Tradition, die alle Beteiligten mit Stolz erfüllt.

Diese Ära endet nun. Das Weingut verlässt die Reihen des VDP zum 31.12.2014. Geschäftsführer Dominik Sona und die Besitzerfamilie Sauvage bedauern es sehr, diesen Schritt gehen zu müssen.

Der Austritt des Weinguts steht am Ende einer langen Entwicklung, zu dessen Beginn 1997 eine gemeinsame "Erklärung zur Lage" mehrerer Weingüter, darunter auch Koehler-Ruprecht, stand. Darin wurden Kriterien für die Erzeugung hochwertiger trockener Rieslinge aus besten Lagen festgelegt.

Der Grund unseres Austritts beruht im Wesentlichen auf der Übereinkunft der Kollegen, dass künftig alle trockenen Weine nur noch als Qualitätswein bezeichnet werden sollten und damit angereichert werden dürfen.

Koehler-Ruprecht hingegen produziert aus Überzeugung Prädikatsweine, die in der ursprünglichen Tradition der Naturweinversteigerer stehen. Nicht angereicherte Moste sind für uns die Voraussetzung für authentische Weine, die ihren Jahrgang widerspiegeln.

Weiterhin sieht die neue VDP-Klassifikation mit dem Lagenverbrauch vor, dass aus einer "VDP.GROSSE LAGE" - und als diese ist unsere wichtigste Lage Kallstadter Saumagen klassifiziert - nurmehr ein trockener Rieslingwein erzeugt werden darf. Eine Einschränkung, die unserer Philosophie diametral gegenübersteht und gegen unser Credo, kompromisslose Weine zu erzeugen, verstößt.

Wir sind der festen Überzeugung, dass nicht das Bezeichnungsrecht einen großen Wein definiert, sondern nur der Wein selbst. Da die 2012 im "Neustadter Beschluss" festgelegte Klassifikation von allen VDP-Betrieben mit dem Jahrgang 2012 umgesetzt werden muss, sind wir gezwungen, die Mitgliedschaft zu beenden.

Die Rolle der trockenen Prädikatsweine für Koehler-Ruprecht

In unserer Hauslage Kallstadter Saumagen, die durch unsere Weine weltweite Bekanntheit erlangte, erreichen wir durch verschiedene Lesedurchgänge eine Vielzahl an (trockenen!) Prädikatsweinen, die aufgrund ihrer Grundverschiedenheit in puncto Alkohol, Dichte und Mineralität ihre Berechtigung haben.

Wir möchten auch weiterhin in der Tradition des Naturweins stehen. Ein Begriff, der zwar seit 1971 nicht mehr geführt werden darf, für Koehler-Ruprecht aber nach wie vor große Bedeutung besitzt.

Die Prädikate richten sich nicht streng nach den Oechslewerten, der Reifemessung, sondern vielmehr nach dem Geschmack. Sie beschreiben den Charakter der Weine: Die leichtesten und eher erfrischenden Essenbegleiter werden als Kabinett bezeichnet, die am stärksten von der Mineralität geprägten Rieslinge als Spätlese und die komplexesten als Auslese. Die Trauben mit dem feinsten Aroma sind die Grundlage für die "R" und "RR"-Rieslinge, die als Reserve erst nach bis zu 7 Jahren Reife in den Verkauf kommen.

Zu den neuesten Entwicklungen des Weinguts Koehler-Ruprecht

Mit dem seit einigen Jahren geplanten und 2009 realisierten Verkauf ging eine Familienära zu Ende. Die neuen Besitzer, die Familie Sauvage, der auch das Weingut Burn Cottage gehört, ist dem Weinbau von Herzen verbunden.

Bernd Philippi war dem Weingut auch danach noch ein wertvoller Ratgeber, die treibende und den Stil bewahrende Kraft ist jedoch seit mehr als 4 Jahren Dominik Sona. Er und sein Team führen das Weingut im Sinne von Bernd Philippi weiter.

So steht Koehler-Ruprecht auch weiterhin für: Lange Reife der Trauben am Stock und der Weine im traditionellen Holzfass sowie lange Flaschenreife bei den Top-Qualitäten und einer Klassifikation nach Prädikaten, um der Überzeugung vom einzigartigen Koehler-Ruprecht-Stil besonderen Ausdruck zu verleihen. Der Stil von Koehler-Ruprecht kennt keine Moden.

Kommentare (4)

  1. Raimund Prüm, Wehlen/Mosel am 23.10.2014
    Hut ab! Das ist konsequent und findet seine Befürworter. Ein Signal
  2. Hugo Schwang am 24.10.2014
    Antwort an Gourmetwelten zum Artikel vom Weingut Koehler-Ruprecht
    Sie sprechen mir aus der Seele, denn unsere Philosophie ist genau die gleiche.
    Es sollte auch für den Weinfreak erkennbar bleiben daß er einen Naturwein (Qualitätswein mit Prädikat) in der Flasche hat, was natürlich nicht ausschließt daß ein angreicherter Wein auch von hervoragender Qualität sein kann. Ich denke aber Klarheit bewart Vertrauen.

    Beste Riesling-Grüße aus Piesport an der Mittelmosel
    Hugo Schwang
    Winzer im Ruhestand
    Freies Weingut Reuscher-Haart
    hugo@myquix.de
  3. Thomas Becker am 26.10.2014
    Moin, moin, früher gabs es allgemein 4 Bezeichnungen für trockene Weine QbA und dann die Prädikate, heute macht jeder VDP Betrieb sein eigenes Süppchen, "K", "S", "RS", "A" oder irgendwelche Phantasienamen etc., dann werden, wieder wie vor dem 71'er Weingesetz, zig kleine Parzellen aufs Etikett geschrieben - also ein klares und nachvollziehbares Bezeichnungsrecht sieht anders aus. Laut meiner Bestandsliste habe ich derzeit 3245 Flaschen, ca. 97% deutsche Weine, davon wiederum rund 82% Flaschen von Betrieben des VDP (ab 1953) und insgesamt etwa 70% trockene, halbtrockene und feinherbe Weine bis zur Auslese. Die Dominanz des VDP wird wohl in den nächsten Jahren bleiben, aber prozentual wird es runtergehen - ich such mir wieder mehr Kabinett TR, Spätlese HT oder eine Auslese Feinherb.
  4. K.Heinz Junker am 05.02.2016
    Lieber Bernd,ich sehe diese Entwicklungen mit Magenschmerzen und kann Deinen Ausstieg voll und ganz nachvollziehen.In früheren Jahren waren Deine Weine immer für mich eine Offenbarung. Alles Gute und liebe Grüße aus Bayern

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