28. Januar 2016

Von Conrad Bölicke Olivenöle und Stiftung Warentest

Conrad Bölicke über Olivenöle und Stiftung Warentest

Conrad Bölicke von der arteFakt-Olivenölkampagne zum Olivenöltest: "Schön, dass die Stiftung Warentest auch beim Olivenöl jetzt endlich genauer hinschaut …"

Nahezu jährlich weisen kleinere Initiativen, Erzeuger-Verbraucher-Organisationen wie wir mit der arteFakt Olivenölkampagne, Slow Food, Öko-Test und das Magazin Merum wiederholt auf die umfangreichen Qualitätsmängel, die Verbrauchertäuschung durch Falschdeklaration oder sogar Fälschungen und Pantschereien beim Olivenöl hin. Unterstützung hierbei fanden wir durch die Stiftung Warentest bisher nicht. Im Gegenteil: In vielen ihrer Olivenöl-Tests wurden die billigen Olivenöle, insbesondere die der Discounter, immer zu Testsiegern gekührt.

Ob das eine Markenstrategie zur Förderung des Heftverkaufs oder eben nur oberflächliche Testmethoden waren, die heutige "Billig-Food-Designer" mit Leichtigkeit vor der Entdeckung zu schützen wissen, sei dahin gestellt. Alleine die in den nachfolgend dargestellten Pyramiden verarbeiteten Informationen über die tatsächliche Produktion und das reale Verkaufsangebot machen seit Jahren deutlich, dass Verbraucherschützer längst alarmiert sein müssten.

Olivenöl in Produktion und Handel © arteFakt Olivenölkampagne

Nun wurden die Tests offensichtlich einmal in dem notwendigen Umfang durchgeführt, um diese Wirklichkeit auch nachzuweisen. Eine Kategorie "sehr gut" konnte bei den untersuchten Olivenölen nicht ausgemacht werden und nur eines wurde für "gut" befunden. Es ist dann aber auch nur zum Preis von 40,00 Euro pro Liter zu bekommen. Mit diesem Ergebnis reiht sich nun auch die Stiftung Warentest in die Reihe derer ein, die schon lange darauf hinweisen, dass ein gutes Olivenöl nicht zum Discountpreis erzeugt werden kann, und erst recht keines der höchsten Güteklasse.  

Woher die Fremd- und Schadstoffe kommen

Die vielen nachgewiesenen Fremd- und Schadstoffe weisen nach meiner Erfahrung darauf hin, dass die Olivenöle in den Flaschen über viele Transport- und Handelsstufen von Ölmühlen aus allen Ecken der mediterranen Olivenanbauländer zusammen gesammelt und aufgekauft wurden. Gerade weil den Erzeugern für ihre Olivenöle nur lausig niedrige Preise zwischen 1,80 und 3,50 €, je nach Land und Region dafür geboten werden, fehlt es ihnen an Innovationskraft und Engagement zur Modernisierung ihrer Produktionsstätten.

Da tropft das Schmieröl in die Ölwannen, es werden billige und ungeeignete Plastiktanks zum Lagern verwendet, entweder nie gereinigt oder fettlösende Reinigungsmittel verwendet, die eher für Werkzeugmaschinen gedacht sind. In vielen Mühlen fahren keine Elektrofahrzeuge sondern Dieseltrecker oder Diesel-Gabelstapler. Im überwiegenden Teil der heutigen Mühlen würden Besucher nicht erahnen, dass dort Lebensmittel produziert werden.  

Die Olivenölverordnung selbst, die in diesem Jahr ihren unrühmlichen 50sten Geburtstag feiert, trägt ein gerütteltes Maß Mitschuld an der Misere. Sie ist in ihrer heutigen Ausformulierung der Ausdruck von Lobbyinteressen der Großabfüller und der wenigen den Markt beherrschenden Konzerne. Warum das zu kritisieren ist und warum die Olivenölverordnung die Interessen der Verbraucher und der Kleinerzeuger nicht schützt, habe ich mit einer Petition zu ihrer Abschaffung ausführlich begründet.

Zur Olivenöl-Petition

Kommentare (1)

  1. Kai am 29.01.2016
    So ist es! Die EU-Olivenölverordnung ist eine einzige große Vernebelungstaktik und nützt lediglich der Ölindustrie und ihrer Massenware - nicht aber den kleinen und gewissenhaften Ölproduzenten. Also: Petition unterschreiben!

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