15. Juli 2010

Weinstadt Hammelburg verkauft sein Weingut

Frankens älteste Weinstadt Hammelburg im Landkreis Bad Kissingen will sich wegen Geldmangels von ihrem Weingut trennen

Das habe der Stadtrat beschlossen, sagte Geschäftsleiter Roland Goerke. Seit Jahren arbeite das Weingut nicht mehr wirtschaftlich. «Es ist ein Schuldenstand angewachsen», sagte Goerke und sprach von etwa 1,4 Millionen Euro. Dazu gehörten aber auch noch Verbindlichkeiten des städtischen Schlosses Saaleck aus den vorherigen Jahren. Die Stadt unterhält eine eigene Kellerei in dem Schloss.

In dem Weingut wachsen die Trauben unter anderem in den sogenannten Hainweinbergen. Das ist ein sieben Hektar großes Gebiet in der Nähe des Schlosses Saaleck. Hinzu kommen sieben Hektar im Waltertal bei Obereschenbach und fünf Hektar am Heroldsberg. Zwei Hektar im Hammelburger Trautlestal werden für das Weingut von Vertragswinzern betreut. 

Bis Ende 2011 möchte die Kleinstadt - etwa 12 000 Menschen leben dort - einen Investor oder einen Pächter für das Weingut gefunden haben. Sieben Mitarbeiter sind von der Stadtratsentscheidung betroffen. Für sie sollen neue Jobs gefunden werden. «Wir werden versuchen, innerhalb unserer Möglichkeiten etwas zu suchen», sagte Goerke.

Das Saaletal gilt als Wiege des fränkischen Weinbaus, da dort die ältesten Nachweise für die Kultivierung von Reben gefunden wurden. Am 7. Januar 777 schenkte Karl der Große dem Kloster Fulda sein Königsgut Hammelburg. In dieser Schenkungsurkunde werden nach Angaben des Weingutes erstmals Weinberge im Fränkischen erwähnt.

Das Klima im Saaletal ist ungleich rauer als am Main, da die Muschelkalkböden wettermäßig von der Vor-Rhön geprägt sind. In den Weinbergen werden vor allem die Weißweinsorten Perle, Ortega und Müller-Thurgau angebaut. Die Perle zählt zu den am frühesten reifenden Rebsorten mit extrem kurzer Vegetationszeit. dpa

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben