Sehr ähnlich wie bei Penfolds auf der australischen Nachbarinsel, besteht der Sauvignon von Cloudy Bay aus bis zu 50 verschiedenen Wein-Komponenten, also aus einer Marriage von verschiedenen Sauvignon Parzellen in der Marlborough Region. Obwohl es dort zumeist 20-25 Grad kühl ist und selten 30 Grad erreicht werden, erntet die Crew die Trauben in der Nacht, um ihre Frische und Frucht zu bewahren.
Vier dieser Komponenten wurden im Hugos einzeln vor dem fertigen Sauvignon verkostet, eine faszinierende Idee. In der Mitte des Tisches standen Schalen mit den typischen Sauvignon-Aromen, wie Passionsfrüchte, Äpfel, Paprika, Basilikum und Tomaten.
Sauvignon Widows Vineyard: grüner Apfel, Paprika
Sauvignon Estate Vineyard: ätherisch, parfümiert, Finesse und Limette
Sauvignon Motukawa Vineyard: mineralisch, Kräuter, Basilikum, Salz und abgebrannte Streichhölzer
Sauvignon Mustang Vineyard: Frucht, Melone Passionsfrucht
So konnten sich die teilnehmenden Gastronomen, Journalisten und Sommeliers ein gutes Bild davon machen, wie sich der Sauvignon blanc 2008 zusammensetzt. Diese 4 Komponenten ergeben mit den restlichen den kompletten Wein: knochentrocken, grasig, mineral, Stachelbeere, Basilikum, ein winziger Hauch Ananas.
Die verschieden Komponenten sorgen dafür, das der Geschmack des Cloudy Bay für den Kunden Jahr für Jahr ähnlich bleibt, dass Klimaveränderungen und Ausfälle einzelner Lagen durch schlechtes Wetter oder Krankheiten durch die Reben anderer Lagen kompensiert werden könnten. Eine raffinierte Philosophie, wie sie genauso auf Penfolds oder in der Champagne angewandt wird.
Das Menü von Thomas Kammeier war köstlich:
Jakobsmuschel-Carpaccio zu 2008 Sauvignon blanc: noch sehr resch und spitz, erst mal ein Jahr ruhen lassen, 89-90
Atlantik-Seeteufel an Kaffee-Orangenkarotten zu Chardonnay 2006: harmonisch, feine Buttrigkeit, 90-91
Hirschkalb zu 2006 Pinot: gelungene Mischung, auch wenn der Pinot schon etwas holzlastig war, trotzdem war er geschliffen und überlegte sich dann doch, seine rauchige Frucht zu offenbaren, 91+
Zum Abschluss gab es den Überraschungs-Star des Tages, die Deutschlandpremiere des 2005 Te Koko. Benannt nach dem Namen der Eingeborenen für die Region, also der Maori-Name für die Bucht, die Captain Cook später Cloudy Bay nannte.
Der Te Koko ist ein 100prozentiger Sauvignon blanc mit 18 Monaten Holzausbau. Seine Aromen sind am tropischen Ende des Sauvignon blanc Spektrums angesiedelt. In der Nase hatte der Te Koko eine extrem exotische Palette von Mango, reifer Ananas und Passionsfrucht, einen kräftigen Körper, rauchige Salze, tolle Struktur mit Tiefe und Dichte, Anklänge an Honig, Litschi, karamellisierte Kräuter, cremig, wow, was für eine schöne Überraschung, 93-95+ Punkte
Der Te Koko 2005 von Cloudy Bay reifte zusätzlich noch 18 Monate in der Flasche und ist ab Februar in Deutschland erhältlich.
Grüße, Niko
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