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Zwangsabgabe bei Wein kippt

Niko
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Kommentare 7
15. August 2009

Acht Winzer wehren sich gegen die Zwangsabgabe, mit der Werbung für deutschen Wein finanziert wird. Unter anderem klagen die Privatkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues und Winzer Karl Biehler aus der Ortenau gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Zahlungen an den Deutschen Weinfonds (DWF). Als Folge muss das Deutsche Weininstitut seine Budgets kürzen und zieht sich aus den Märkten Japan, Russland und Korea zurück

Vertreten werden die Winzer, die vor den Verwaltungsgerichten Freiburg und Mainz klagen, vom Hamburger Anwalt Carsten Bittner. Dieser hatte im Februar vor dem Bundesverfassungsgericht die landwirtschaftliche Marketinggesellschaft CMA ("Die Milch machts") zu Fall gebracht, die sich ebenfalls aus Zwangsabgaben finanzierte. Später fiel auch die Zwangsabgabe für die Holzfonds.

Das Deutsche Weingesetz schreibt vor, dass Winzer jährlich 67 Cent pro 100 Quadratmeter ihrer Rebfläche an den DWF abführen müssen. Auch Weinvermarkter müssen eine Abgabe zahlen. 60 000 Beitragszahler bringen im Jahr durchschnittlich elf Millionen Euro auf.

Einer der klagenden Winzer, Karl Biehler aus der Ortenau, sagte der Badischen Zeitung zu den Weinfonds: "Ihre Tätigkeit macht bestimmt Sinn und zweifelsohne ist Gemeinschaftswerbung wichtig. Beides sind jedoch keine Argumente, eine Finanzierung aufrecht zu erhalten, die unvereinbar mit dem Grundgesetz ist und dem Gedanken des EU-Binnenmarktes zuwiderläuft."

Auch beim Verwaltungsgericht Mainz sind bereits Klagen eingegangen, unter anderem von der Privatkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues an der Mosel. Auch die Winzergenossenschaft (WG) Auggen will dem Bescheid für das zweite Quartal widersprechen und die Abgabe nur unter Vorbehalt überweisen.

Der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber, zeigt sich zwar noch überzeugt davon, dass die Abgabe bestehen bleibt. Während bei Agrarprodukten und beim Holz die Handelsbilanzen ausgeglichen seien und demnach die Zwecke des staatlichen Marketings hinfällig geworden waren, werde erheblich mehr Wein importiert als ausgeführt, sagte er der Badischen Zeitung. Also müsse Werbung sein, die Mehrzahl der Betriebe sei zu klein, um diese selbst zu stemmen.

Die in Folge der Urteile zu CMA und Holzfonds aufgekommene Diskussion zur Finanzierung des Deutschen Weinfonds und des Deutschen Weininstituts hat aber längst dazu geführt, dass einige Beitragszahler ihre Abgaben nur noch unter Vorbehalt zahlen.

Der Deutsche Weinfonds musste deshalb bereits seit Monaten Rückstellungen bilden. Monika Reule aus dem Vorstand Deutscher Weinfonds und DWI-Geschäftsführerin, schrieb im aktuellen Export-Rundbrief, dass aus diesem Grunde Maßnahmen im In- und Ausland "gegenüber den ursprünglichen Planungen für 2009 reduziert werden mussten."

Bereits im März musste beschlossen werden, dass sich das DWI aus den Märkten Japan, Russland und Korea zum Jahresende vollständig zurückziehen wird. Das Büro in Tokio wird bereits im September geschlossen. Die geplanten Maßnahmen in China wurden sofort gestoppt. Auch in anderen Märkten werden die Budgets gekürzt, laut Monika Reule ist ebenso das Inland betroffen.

Der Deutsche Weinfonds (DWF) ist eine durch Gesetz errichtete Anstalt des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz untersteht. Der DWF stützt sich bei seiner Arbeit auf das Deutsche Weininstitut (DWI) und die Deutsche Weinakademie. (dpa/W&G)

 

Nikos Kommentar: Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Weinfonds nun ebenso wie CWA und Holzfonds kippen. Das wird dem DWI die finanzielle Grundlage seiner Arbeit entziehen. Sehr bedauerlich, da es gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr gutes Marketing für den deutschen Wein und seine Winzer leistet.

Neue Konzepte müssen also her. Auch in Zukunft muss es im Ausland eine Gemeinschaftswerbung - beispielsweise von DWI und VDP- für deutschen Wein geben. Der Import-Druck auf den Inlands-Markt wird nicht nachlassen, im Ausland muss mehr und hochwertiger verkauft werden. Und das geht nur über eine starke und gemeinsame Vermarktung.

Weitere Berichte: Weinakademie Berlin und Drink Tank

 
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Hermann Mayer aus Wien

Montag, 28-09-09 02:39

Lieber Herr Biehler !

Ich wollte die Kläger nicht schlecht machen, habe ich auch nicht.
Warten wir die Entscheidung ab !

Aber natürlich stellt jemand der sehr hohe Beträge bezahlt, die Sinnhaftigkeit bzw. den ROI in Frage.
Aber es gibt viel Arbeit in Deutschland, die Weinkultur hat sicher einen gewaltigen Nachholbedarf, viele Lokale haben nicht einmal eine ordentliche Weinkarte, oftmals werden ausländische Weine den deutschen Weinen vor gezogen.
Diese Arbeit genannt Lobbying muss wer machen. Einzelne Betriebe kommen dafür nicht in Frage.
Wenn das DWI verschwindet wird jemand anderer die Arbeit übernehmen. Egal wer ? Er wird es auch nicht umsonst tun !
Sorry wenn Sie sich angegriffen fühlten aber meine Meinung werde ich nicht ändern.
PS: Ihre Unterstellung ich hätte einen Nutzen aus meiner Aussage halte ich für einen billigen Untergriff der ihrer nicht würdig ist.

Mfg

Hermann Mayer www.wmhoch3.at

 

Ulrich Rosenbaum aus Berlin

Sonntag, 27-09-09 16:58

Es ist wie es bei der CMA war: Das System der Zwangsabgabe hilft vor allem dem Mittelmaß aber nicht der Qualität. Das DWI steht unter dem Druck, für den kleinen, mittelmäßigen Winzer, der 200 Euro im Jahr zahlt, genauso PR zu machen wie für den Großabfüller Peter Mertes KG, der schätzungsweise zwei Millionen Euro im Jahr zahlt. Das Ergebnis kann man dann auf Messen wie der Vinitaly sehen, und das ist keine Werbung für den deutschen Wein. Für Firmen wie die ´Mertes, deren Gewinnmargen sowieso nur wenig Cent betragen, kommt noch etwas Haarsträubendes hinzu: Die Handelsketten, die ja auch noch einmal für den Wein in ihren Regalen zahlen sollen, wollen dieses Geld von ihm, dem Lieferanten zurück haben. Er zahlt also doppelt. Ich kann also gut verstehen, wenn er dieses System kippen will. Vielleicht kommen wir dann in Deutschland endlich mal zu einer Kultur, dass die Winzer mehr selber für sich werben und auch mal Anzeigen schalten, wie es in anderen Ländern üblich ist. Image-Pflege gut und schön, aber ich glaube nicht, dass es für den Weinbau viel bringt, wenn das DWI Stuart Pigott für den Riesling durch die Welt tanzen lässt.
Ich denke, dass die Zwangsabgabe genauso gekippt wird wie im Falle CMA und dass dann ebenfalls neue Strukturen entstehen, dann vielleicht auch durch die Bundesländer gefördert.

 

Georg Junior

Sonntag, 13-09-09 16:04

Hallo Herr Hermann Mayer,

da die Arbeit des DWI nicht geschätzt wird, bitte ich Sie, mit mir Kontakt aufzunehmen (georg2040@gmx.net).
Es ist schon etwas Besonderes, wenn der Inhaber einer Marketingagentur eine öffentlich-rechtliche Konstruktion wie das DWI lobt.

Ich beurteile die Arbeit des DWI sehr positiv. Wenn man die Außenwirkung des deutschen Weines 1992 und heute vergleicht, kann man nur zu einem sehr positiven Urteil gelangen.
Und daran hat das DWI einen großen Anteil. Insbesondere sollte man berücksichtigen, daß hier mit einem relativ geringem Budget via Meinungsmultiplikatoren sehr viel erreicht wurde - m. a. Worten: ein hoher Wirkungsgrad.

Das DWI kann natürlicherweise nicht allen Forderungen gerecht werden.
Wer das DWI tötet sollte darauf achten, eine bessere Lösung zu präsentieren. Und nicht das wichtigste Feld - das Marketing - den Lobbyisten überlassen. Insbesondere Kellereien (die von der mühseligen Arbeit der Winzer und des geschaffenen guten Rufes profitieren, deshalb dürfen sie gerne einen Beitrag leisten) können sich eine teure Lobbyarbeit finanzieren und ihre Interessen durchsetzen. Die einzelnen Weingüter sind dazu kaum in der Lage. Was passiert, wenn man Angelegenheiten den Lobbyisten überläßt, sieht man in der Politik überdeutlich.

Es ist daher wünschenswert zu überlegen, ob man Produktionsweltmeister bleiben möchte oder in einem Hochlohnland und Hochsteuerland - mit den Kunden im eigenen Land - die qualitative und nachhaltige Linie wählt.

Freundlicher Gruß

 

Karl Biehler aus Ringsheim

Montag, 07-09-09 12:40

Lieber Hermann Mayer,

als einer der angesprochen Kläger möchte man
mit dem römischen Philosophen Boethius sagen :Si tacuisses, philosophus mantisses.

Ohne Ihre Intention zu kennen und ohne an dieser Stelle inhaltlich auf Ihr "Pamphlet" eingehen zu wollen fällt auf, dass Sie wie auf Bestellung das DWI erhöhen und im gleichen Atemzuge die Kläger verunglimpfen.
Mit rudimentären Kenntnissen der Sach- und Rechtslage ausgestattet, sollte man sich eines Kommentars enthalten. Andernfalls diskreditiert man sich selbst.
In einem Punkt finden Sie meine ungeteilte Zustimmung.
Ich denke, das Bundesverfassungsgericht wird viel schneller als Ihnen lieb ist entscheiden und dem "Spuck" ein Ende bereiten.
Übrigens: Gott sollte man nicht lächerlich machen!"

Karl Biehler

 

Hermann Mayer aus Wien

Samstag, 05-09-09 06:55

Liebe Kollegen in Deutschland !

Ich bin als Inhaber einer Marketingagentur für Wein international tätig und habe einen sehr guten Überblick über den europäischen Weinmarkt. Betreue eine Vielzahl österreichischer Winzer und publiziere ein eigenes Weinmarketing Magazin ( das einzige in der EU)
Ich bin erschüttert über die Klagen in Deutschland -- Diese Leute sehen über den Tellerrand nicht hinaus. Bei jeder Solidaritätsabgabe ( siehe auch Rente) können scheinbar nicht alle in gleicher Weise profitieren.
Aber alle deutschen Winzer profitieren vom guten Image des deutschen Riesling. Woher kommt dieses Image speziell in den Märkten fernab der EU ? Vom lieben Gott ? Nein vom DWI ! International gute Arbeit und sensationelle Projekte wie GENERATION RIESLING werden kaputt gemacht.
Der internationale Wettbewerb wird es Ihnen danken, denn der deutsche Wein wird mehr und mehr auf der Bildfläche verschwinden.
Schauen Sie nach Österreich. Unsere Winzer waren nach dem Weinskandal am Boden bzw. unter der Erde -- 20 Jahre danach beneidet uns die ganze Welt -- unser System ist ähnlich !
Hoffentlich hat der Spuck bald ein Ende.
Ich wünsche auf diesem Weg dem deutschen Wein das BESTE !

 
 

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