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Restaurant Gendarmerie ist Berlins neue Touristen-Falle

Niko
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Kommentare 7
09. Mai 2009

Josef Laggner versucht im Handstreich, das Grill Royal und das Borchardt zu deklassieren. Es bleibt beim Versuch: Schiere Größe ist noch keine Vision

Was beim Besuch der Gendarmerie sofort an Paris erinnert? Die arrogante Unsitte, Gäste ohne Reservierung auch am luftigen Nachmittag an schlechten Tischen zu platzieren. Wenn der Gast geht, ist das Restaurant so leer wie vorher, aber der Maitre und sein Service konnten blasierte Unflexibilität demonstrieren.

Sie ist also endlich geöffnet, die Gendarmerie, das neue Flaggschiff von Gastronom Josef Laggner am Gendarmenmarkt. Ein quadratischer, pflegeleicht wirkender Raum mit extrem hoher Decke und der Atmosphäre einer Wartehalle im Berliner Hauptbahnhof. Der Eindruck wird durch hässliche Leuchter an der Decke unterstrichen: Die Harmonie fehlt, wer das überdimensionierte Wandgemälde mag, hat es etwas leichter mit dem Raumempfinden.

Die gastronomische Einrichtung ist gekonnt: cognacfarbene Lederbänke dominieren, sie durchziehen auf schwerem, elegant-dunklem Parkett den Saal. Die Bar soll Metropolen-Charakter symbolisieren. Die Karte präsentiert internationalen Brassserie- und Grill-Standard: Lammcarré für 26 Euro, das Rib-eye-Steak für 28 Euro und die Meeresfrüchteplatte für 35 Euro pro Person sind die Klassiker.

Wir hatten einen ausgezeichneten Caesar Salat (8 Euro), sehr gutes Rindertatar (16 Euro) und wunderbare Spargel-Torteleci mit Kerbelschaum von der Mittagskarte (9,50 Euro). Die Gerichte kamen alle mit perfekter Optik und auf dem Punkt. Am Essen gibt es also nichts auszusetzen, hier zahlt sich die langjährige Beratung durch den alten Haudegen Rolf Schmidt aus. Koch Axel Burmeister kommt aus dem Hotel Esplanade und zeichnet nun für die Karte verantwortlich.

Die Gendarmerie ist im Niveau deutlich oberhalb der "Lutter & Wegner"-Kette von Laggner angesiedelt. Das war auch notwendig. In diesen Läden bis hin zur Fischerhütte am Schlachtensee versuchen sich Service und Speisequalitäten gegenseitig zu unterbieten. Nie werde ich vergessen, wie Josef Laggner einmal meinen Hinweis: "Die Gulaschsuppe ist aber sehr wässrig", mit breitem Grinsen konterte: "Du hast recht".

Schiere Größe ist noch keine Vision und wird es allein nicht richten. 180 Plätze innen, 90 außen müssen gefüllt werden, weitere Neben-Restaurants kommen im Herbst hinzu. Da gibt es gelungenere Beispiele aus Moskau, wo es ein Anatoly Novikov schafft, jedes seiner knapp 50 Restaurants eigenständig wirken zu lassen. Und Josef Laggner ist erst bei 21 angekommen.

So erkennt man als Konzept nur clevere Massenkompatibilität, die größere Mengen Touristen an die Spitzen-Lage am Gendarmenmarkt ziehen soll. Wenn die Gendarmerie demnächst also besser gefüllt ist, mag sie ihren Charme entfalten. Laggner muss nur äußerst diszipliniert vorgehen, damit sein Prunkstück nicht vom "Lutter & Wegner" Massen-Virus infiziert wird.

Dagegen hilft Einzigartigkeit. Und vor allem: ein Maitre, der leger dirigiert und den Überblick behält. Einer vom Format eines Boris Radczun oder Rainer Möckel. Solange so ein Kaliber fehlt, gehen die Berliner weiterhin ins Grill Royal und Borchardt, ins Aigner, Bocca di Bacco und ins Entrecote.

Gendarmerie, 10117 Berlin, Behrenstraße 42, Tel: 767 7527-0

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Andreas Martin aus Berlin

Donnerstag, 11-06-09 19:14

Niko trifft den österreichischen Nagel auf den Kopf! Die Gendarmerie könnte auch in Paris stehen, da wäre aber nicht nur der Service, sondern auch die Küche entsprechend "parisienne"!
In der Gendarmerie war an jenem gut besuchten Abend erst niemand da, der einen hätte schlecht platzieren können, aber zumindest schaute Herr Laggner selbst dem Treiben von seinem Tisch mit Gästen aus zu (ich meinte, ein Grinsen auf seinem Gesicht gesehen zu haben), bevor dann kurz vor unserem schon entäuschten Verlassen des Gastraumes doch der Mâitre kam, um trotz einiger weniger leerer Tische keinen Platz anbieten zu können (es war gegen 22 Uhr!). Mein Hinweis auf Warten an der Bar wurde Achsel zuckend zur Kenntnis genommen. Nachdem wir uns trotz alledem einen kleinen Zipfel an der belebten Bar erkämpft hatten ohne bestellen zu können (niemand fragte nach unserem Wunsch), war dann doch eben jener Tisch zur Platzierung möglich, der vorher verwehrt worden war. Der Service kam dann lange nicht, die Speisen und offenen Weine waren überdurchschnittlich gut und am Ende auch der letzte verbliebende Servicemitarbeiter auf Zack. Die Rechnung hatte nicht Pariser Dimensionen, aber für Berlin schon gehobenes Niveau, doch das interessierte dann bei unserem Abschied auch niemanden mehr, der einem Gute Nacht wünschen oder ein Taxi hätte rufen können. Daraufhin sind wir zur Aufmunterung noch in die VOX Bar ins Hyatt gegangen - hoffentlich noch lange ein Geheimtip und immer von bester Qualität! Übrigens, unsere Tischnachbarn, ein Paar aus Brasilien, die eine Woche Deutschland erkundeteten, waren begeistert! Die kamen vorher aus Paris! Es kommt doch immer auf die Erwartungshaltung an - doch wir gehen mal wieder hin! Andreas

 

dennis stemmler aus ^berlin

Samstag, 06-06-09 00:41

Ja wie wahr wie wahr.waren von der bar sehr angetan, vor allem da sich uns der kellner mit vornamen vorgestellt hat.Hat doch was sehr persönliches. Und siehe da der junge, gutaussehende Barmann ist uns doch auch sogleich in Erinnerung geblieben.
An dieser Stelle möchten wir und bedanken für den Zauberhaften Abend der ohne Sie nicht annähernd so nett verlaufen wäre. Ange..... durch einen Franzosen der wohl hätte Schaffner werden sollen, dachten wir schon wir sind im zweiten Grill Royale. Essen war ...ist 1a. Service an der Bar hat Vox Bar Niveau & das soll schon was heissen. Danke für den netten abend.

LG. R. Herrmanns

 

gerald angerer aus berlin

Montag, 11-05-09 14:11

wie mein ehemaliger chef michel würthle zu sagen pflegte: "wegen dem essen geht eh keiner in die paris bar.." - bei dem anderen ehemaligen arbeitgeber joe laggner ist das dann schon ein wenig anders gewichtet..

die [angeblich] wässrige gulaschsuppe passt übrigens hervorragend zum favorisierten restaurantleiter des borchardt :))

-> zum thema neid & anerkennung vs. gastronomiekritiker haben übrigens auch kellner was zu sagen #gerüht & geschüttelt #kellner unter sich http://www.youtube.com/watch?v=TU5TH-Fu4bU&feature=channel_page

liebe grüße

 

Matthias Kiesel aus Berlin

Montag, 11-05-09 12:39

Tja - wie wahr, wie wahr... Wir konnten die gespielte, überhebliche französische Arroganz des ungepflegten Maitres von Anfang an nicht ertragen und haben uns die Gendarmerie erst gar nicht angetan - leider wurden wir 2 Häuser weiter auf der Dachterrasse des Hotel de Rome auch bitter enttäuscht: desaströser Service mit langen Wartezeiten - man hatte den Eindruck hier steht eine versteckte Kamera à la "Verstehen Sie Spaß" - schade, für die sonst spitzen Location !

 

Friedrich Bolle

Samstag, 09-05-09 18:59

Weniger ist mehr van der Rohe

oder


Mehr ist weniger Buckminster Fuller

 
 

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