RESTAURANTS
24. Februar 2011

20 Jahre Restaurants und Hotels der Jeunes Restaurateurs

Deutschlands junge Spitzenköche werden 20 und präsentieren in ihrem Restaurant- und Hotelführer erstmals 60 Mitglieder - Günter Schöneis erzählt von den Anfängen

Jung, dynamisch und voller Tatendrang, so fühlen sich die Jeunes Restaurateurs und starten mit einer stattlichen Zahl von 60 Spitzenköchen - 39 aktiven und 21 Table d'Honneur-Mitgliedern - hoch motiviert in ihr Jubiläumsjahr 2011.

Die Jubiläumsedition des Restaurant- & Hotelführers 2011, die im Übrigen gleich sieben neue Mitglieder enthält, ist ab sofort in allen Häusern und der Geschäftsstelle der Jeunes Restaurateurs erhältlich.

Neben der Vorstellung aller Spitzenköche, ihrer Hotels und Restaurants enthält das 160-seitige Werk in Jubiläumsoptik Beiträge und Anekdoten aus zwei Jahrzehnten deutscher Kochkunst, so z.B. einen Beitrag von Ehrenmitglied Günter Schöneis, der die Vereinigung aus der Wiege gehoben hat. (Text unten)

Besonders stolz zeigt sich Präsident Patrik Kimpel über die Aufnahme sieben junger Spitzenköche: Markus Philippi vom Romantik Hotel Residenz am See und Ernst Karl Schassberger vom Romantik Hotel Schassberger Ebnisee sind in der Feinschmecker-Szene schon länger ein Begriff. Mit Ludger Helbig zählt nun auch das Alte Rentamt in Klingenberg zu den Jeunes Restaurateurs.

Durch Alexandro Pape vom Fährhaus Munkmarsch auf Sylt kommt ein weiteres Zwei-Sterne-Haus hinzu und mit Anton Schmaus vom Historischen Eck ein besonders junges Gesicht, das auf Anhieb in allen namhaften Führern exzellent bewertet wurde. Zwei neue junge Spitzenköche im Osten des Landes komplettieren die Reihe - Sebastian Hadrys vom gleichnamigen Landhaus in Magdeburg und Frank Schreiber vom Goldenen Hahn in Finsterwalde.

Dass die Jeunes Restaurateurs seit ihrer Gründung im Jahr 1991 ein wirklicher Freundeskreis sind, der stets Positives in Sachen Genuss bewegt hat, zeigen neben den Meilensteinen der vergangenen 20 Jahre auch das gleichbleibend hohe Engagement Deutschlands junger Spitzenköche für junge, talentierte Nachwuchskräfte. So gibt es für Mitglieder des Gäste-Förderclubs auch in diesem Jahr eine wunderbare Kreuzfahrt der Sea Cloud Cruises zu gewinnen.

Jeunes Restaurateurs Deutschland

Die Jeunes Restaurateurs Deutschland sind aktuell 60 deutsche Spitzenköche, die sich der innovativen deutschen Küche verpflichtet haben. Ihre kreativen, doch stets authentischen Interpretationen präsentieren sie mit viel Engagement und großer Begeisterung. Unter dem Motto Talent und Passion haben sich die Jeunes Restaurateurs handwerkliches Können, Aufrichtigkeit, Freundschaft, Eleganz und Frische auf die Fahnen geschrieben. Ihr Ziel ist, den Gästen ungewöhnliche, von Individualität und Regionalität geprägte kulinarische Genüsse zu bieten. Die Jeunes Restaurateurs Deutschland sind eine nationale Sektion der europäischen Vereinigung Jeunes Restaurateurs d'Europe, die 1974 in Frankreich gegründet wurde.

Weitere Informationen unter jre.de

Bevor sie wurden, was sie sind

Ehrenmitglied Günter Schöneis über die Anfänge der Jeunes Restaurateurs Deutschland:

20 Jahre alt sollen sie schon sein? Dabei scheint es noch gar nicht so lange her, dass sich an einem schönen Sommertag die Gründungsmitglieder der deutschen Jeunes Restaurateurs Sektion im Garten des Hamburger Hotel Prem der Presse vorstellten. Gestatten Sie mir den Blick zurück:

Nicole Seitz, PR-Chefin des Hauses Grand Marnier, hatte 1974 ihren Chef, Monsieur Marnier-Lapostolle, endlich davon überzeugt, dass die junge Generation der französischen Küchenchefs eine förderungswürdige Truppe von Bannerträgern der Post- Bocuse und Troisgros-Epoche ihres Landes darstellen könnte. Und so formierten sich mit der finanziellen Unterstützung und administrativen Absicherung durch ein eigenes Sekretariat in den Büros von Grand Marnier die Jeunes Restaurateurs de France.

Sie waren nicht die ersten Jeunes des Landes - Landwirte, Unternehmer und viele andere Branchen hatten bereits ihre jüngere Generation in eigenen Verbänden mit moderner Programmatik verselbständigt und erhielten regen Zulauf, da sie nicht die überkommene Arroganz teilten, die große Küche sei nur mit französischem Pass vorstellbar, liefen schon bald die ersten Kontakte ins benachbarte Ausland.

Schrittmacher für die Europäisierung der JR war der Pariser Küchenchef Gérard Faucher, Ende der 80er Jahre Präsident der französischen Restaurateure. Er war es auch, der die Umbenennung in Jeunes Restaurateurs d'Europe bewirkte und dafür den Segen von Monsieur Marnier- Lapostolle fand. Der Segen war die eine Sache, die mit der Europäisierung verbundenen Kosten eine andere. Deswegen lautete der Auftrag an Gérard Faucher, in den jeweiligen Ländern nach Freiwilligen Ausschau zu halten, die eine Unterstützung zu leisten bereit wären.

Und so kam ich, damals Kommunikationschef bei Moët Hennessy, ins Spiel. Gilles Hennessy aus dem gleichnamigen Cognac-Haus, und in der Holding Moët Hennessy auch für Deutschland zuständig, bat mich eines Tages, nach einer Budgetbesprechung nicht sofort wieder nach München zurückzufliegen, sondern den Abend mit ihm in Paris zu verbringen; er habe noch etwas mit mir zu besprechen. Es klang nicht so, als wolle er mir eine für mich unangenehme Nachricht übermitteln, aber es klang auch nicht nach einer Beförderung oder Verdoppelung meiner Bezüge. Als die Budgets verabschiedet und wir zwei alleine waren, kam er auch noch nicht zur Sache, sondern meinte, ich solle mich noch ein bisschen im Hotel ausruhen, wir würden uns später treffen.

Nach einigen Gläsern Dom Pérignon im Maxime stieß noch sein Bankier zu uns und gegen elf Uhr abends fuhren wir mit dem Taxi in die Avenue de Wagram. Unser Ziel war das Restaurant Faucher, es war bis auf den letzten Platz besetzt - das heißt, nicht ganz: in einer Ecke war ein Vierertisch eingedeckt, auf den Hennessy und sein Bankier zielstrebig zusteuerten.

Sie waren wohl nicht zum ersten Mal hier. Die diversen Flaschen Champagner und die Anwesenheit des fröhlichen Bankiers hatten mich inzwischen vergessen lassen, dass eigentlich noch ein Gespäch zwischen Gilles und mir hätte stattfinden sollen. Dazu kamen wir nicht, denn Gégé, alias Gérard Faucher, hatte jetzt an unserem Tisch Platz genommen und Gilles stellte ihn mir mit den Worten vor: "Dem musst du in Deutschland ein bisschen helfen". Das war's.

Jeune Restaurateur Gérard Faucher war ein eloquenter und überzeugender Vertreter seiner Europapläne: In Belgien und Luxemburg habe er schon die richtigen Verbindungsleute, und auch in Deutschland seien ihm der eine oder andere genannt worden, der für die Gründung einer deutschen Sektion in Frage käme. Drei Flaschen Bordeaux später - ich glaube, es war ein 60er Jahrgang von Pichon Comtesse de Lalande - versprach ich ihm in die Hand, mich als Geburtshelfer der deutschen Jeunes Restaurateurs zu verdingen. Das war leichter gesagt als getan, denn zurück in München galt es zunächst, den damaligen Moët-Geschäftsführer Henri François-Poncet von dem Vorhaben und den dafür erforderlichen Budgetmitteln zu überzeugen.

Er hätte zwar lieber noch ein weiteres Reitturnier oder einen Society-Ball im Bayerischen Hof gesponsert, doch mit Hilfe von Gilles Hennessy war die Sache schnell klar. Die Sache, das waren die Einstellung einer zusätzlichen Sekretärin, die schwerpunktmäßig für die deutschen JRE zur Verfügung stehen sollte, Mittel aus dem Marketingbudget für Anzeigen in dem geplanten Guide sowie ein Kontingent an Flaschen für die diversen Veranstaltungen der durstigen jungen Restaurateure und deren Gäste.

Ich flog damals häufig nach Hamburg, denn dort wirkte Rainer Wolter, der spätere Gründungspräsident und Küchenchef im wunderschönen Hotel Prem. In einem Hinterzimmer zwischen Küche und Bar fanden die ersten Besprechungen statt, es wurde viel geredet und anfangs noch wenig entschieden. Ich war stets stiller, immer mehr verzweifelnder Beobachter, bis schließlich die entscheidende Sitzung stattfand, zu der auch Nicole Seitz und Gérard Faucher anreisten.

Danach ging alles ganz schnell: Sieben junge, engagierte Köche, nämlich Otto Fehrenbacher, Michael Fell, Wolfgang Grobauer, Hartmut Leimeister, Peter Nöthel, Roy Petermann und Rainer Wolter unterzeichneten die Statuten und beschlossen, sich im Sommer 1991 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es war einer jener seltenen sonnigen und warmen Tage an der Alster. Alle waren mit dem Wagen angereist und hatten im Kofferraum Proben ihres Könnens mitgebracht. Der Garten des Hotel Prem war Kulisse dieses ersten gemeinsamen Auftretens der deutschen Jeunes Restaurateurs und die zahlreich erschienenen Vertreter der Hamburger Presse waren begeistert.

Auch Henri François-Poncet war angereist und ich hatte ihm in sein Redemanuskript den später in der Berichterstattung oft zitierten Satz geschrieben: "Der liebe Gott kann jetzt ebenso gut in Deutschland leben". Das belegen die deutschen Mitglieder der Jeunes Restaurateurs d'Europe seit nunmehr zwanzig Jahren bravourös. (Auszug aus dem Jubiläumsguide 2011)

Günter Schöneis war über 30 Jahre lang Mitglied der Geschäftsleitung von Moët Hennessy in München und hat maßgeblich zur Gründung der deutschen Jeunes Restaurateurs Sektion beigetragen. Als Ambassadeur des Ordre des Coteaux de Champagne repräsentiert er noch heute die Champagnerwelt. Er lebt in Südfrankreich und ist als Kommunikationsberater für diverse Unternehmen tätig. Günter Schöneis ist für seine Verdienste zum Ehrenmitglied der Jeunes Restaurateurs ernannt worden.