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18. August 2018

3 Sterne-Ernährungs-Kita Täglich frisch gekocht

Gesunde Ernährung ist ein wichtiges Thema für Kindergärten. Nun erhält erstmals eine Einrichtung ein Zertifikat und wird zur "Ernährungs-Kita" - Selbst kochen: Essen für Kinder selbst gemacht - Rezept der Sarah Wiener Stiftung.

Hier gibt's für die Kleinen nur Bio und frisch: Rheinland-Pfalz hat seine erste "Ernährungs-Kita". Die Kindertagesstätte in Theisbergstegen ist am Freitag für ihre Aktionen rund um gutes Essen und Ernährungsbildung mit dem besonderen Titel ausgezeichnet worden. "Wir alle wissen, dass die Grundlagen für einen gesundheitsbewussten Ernährungs- und Lebensstil in der Kindheit gelegt werden", sagte Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne, Foto mit Sarah Wiener) bei der Ehrung. Daher sei der Ansatz der Kita genau der richtige.

In der Einrichtung im Kreis Kusel, in der 95 Kinder ab zwei Jahren betreut werden, werden die Mahlzeiten täglich frisch zubereitet und bestehen zu 100 Prozent aus Bio-Lebensmitteln. Auch Essenswünsche von Kindern werden berücksichtigt. Die Kita macht seit 2016 mit bei der Landesaktion "Kita isst besser" mit.

Die Leiterin der Kita Theisbergstegen, Ingrid Bier, zeigte sich davon überzeugt, dass Kita-Essen mit Bio-Lebensmitteln besser schmeckt und nicht teurer als "normale" Verpflegung in Kindertagesstätten sein muss. Wichtig sei aber, dass in der Kita selbst gekocht werde. "Wir haben schon seit zehn Jahren Bio-Küche. Wir waren Pioniere", sagte Bier. Es sei "keinesfalls einfach" gewesen, die Eltern zu überzeugen: "Viele Eltern hatten am Anfang die Befürchtung, dass es nur Körneressen gibt."

Solche Vorbehalte seien unter anderem durch Probeessen ausgeräumt worden: "Inzwischen ist das absolut der Mega-Hype." 54 Kinder würden in der Kita verpflegt. Pro Monat koste das einschließlich eines Frühstücks am Freitag 40 Euro. "Wir haben kein Kostenproblem", sagte Bier. Die Köchin in der Kita-Küche werde von der Verbandsgemeinde bezahlt. "Sich niemals beliefern lassen. Kochen in der eigenen Einrichtung ist das Nonplusultra", fasst Bier ihre Erfahrungen zusammen.

Um "Ernährungs-Kita" zu werden, sind drei Sterne nötig - fast wie beim Test für einen Gourmetführer: Je einen Stern gibt es für die Qualität der Verpflegung, Essatmosphäre und Ernährungsbildung sowie ein langfristiges Konzept. Eine Stelle des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum in Montabaur prüft, ob alles vorhanden ist. Zwei weitere Einrichtungen - der Kindergarten Regenbogen in Marienrachdorf und die kommunale Kindertagesstätte Haiderbach in Wittgert (beide im Westerwald) - sind anerkannt, aber noch nicht ausgezeichnet. Das soll im September folgen, dann soll es insgesamt sieben weitere "Ernährungs-Kitas" geben. dpa

Nuggets und Ketchup: Essen für Kinder selbst gemacht

Chicken Nuggets, Pommes, Nudeln: Das sind typische Kindergerichte, die die meisten Mädchen und Jungen lieben. Viele dieser Dinge gibt es fix und fertig zu kaufen. Eltern können sie aber mit wenig Aufwand und viel gesünder zu Hause kochen.

Wer im Restaurant auf der Speisekarte bis zum Punkt «Kindergerichte» blättert, findet dort in 99 Prozent der Fälle die üblichen Verdächtigen: Nudeln mit Tomatensoße, Pommes mit Würstchen und Chicken Nuggets. Die meisten Kinder macht man damit glücklich.

Doch was, wenn sich Sohn oder Tochter diese Dinge auch zu Hause ständig wünschen? Klar gibt es diese Gerichte auch tiefgefroren oder zum Anrühren zu kaufen. Aber lässt sich das nicht auch schnell selbst kochen, mit weniger Zusatzstoffen und so, dass es den Kindern trotzdem schmeckt?

Es gibt viele Kochbuchautoren und Köche, die sich aufs Familienessen spezialisiert haben und diese Fragen ganz klar mit «Ja» beantworten. Nicola Alferi ist eine davon. Sie bietet Kochkurse für Kinder an und hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Juliana Morelli Bell ein Rezeptbuch für Kinder geschrieben.

Für eine Tomatensoße nimmt sie nur ein paar Zutaten: Sie püriert Fleischtomaten, für vier Personen nimmt sie acht Stück. Dann kommen Salz und Pfeffer dazu, schließlich ein Esslöffel Tomatenmark. «Für die Süße und Milde rasple ich dann noch zwei kleine Karotten rein und lasse sie mitköcheln», sagt Alferi.

Ihre Chicken Nuggets haben den Vorteil, dass Kinder auch noch gerne beim Vorbereiten mithelfen: Sie nimmt Hühnchen, dippt die Teile in mit Salz und Pfeffer gewürzten Joghurt und wälzt sie dann in ungesüßten Cornflakes: «Am besten gibt man die in eine Tüte und die Kinder zerdrücken sie mit ihren Fäusten.» Dann kommen die Teile für 20 Minuten in den Ofen - fertig. Wer kein Fleisch nehmen möchte, wandelt das Rezept einfach mit Fisch ab.

Köchin Sarah Wiener tut sich schwer mit Gerichten, die standardmäßig als «Kinderessen» deklariert werden. «Wir gehen reflexartig davon aus, dass Kinder nur einige wenige Speisen essen wollen - Pizza, Nudeln und so weiter. Das liegt aber oft nicht an den Kindern, sondern an uns und unserem beschränkten Angebot für sie.» Oft bieten ihnen Erwachsene immer wieder dasselbe an, so dass Kinder gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, Lust auf etwas anderes zu bekommen.

Eine ihrer vielen Geheimwaffen sind Bulgur und Couscous als Basis. «Da gibt man einfach dazu, was jeder möchte: Würstchen, Ei, Gurke und Tomate.» Auch ein schnelles Hummus ist was für Kinder: Dafür weicht Wiener Kichererbsen über Nacht ein, kocht sie morgens und verfeinert das Ganze mit Knoblauch, Gewürzen, Oliven und Schwarzkümmel. «Das schmeckt toll zu getoasteten Brotscheiben.»

Wieners Erfahrung nach ist es am besten, Kinder beim Essen so viel wie möglich mitentscheiden und herumexperimentieren zu lassen. So haben die Kleinen Erfolgserlebnisse. Außerdem rät sie Erwachsenen, nicht gleich aufzugeben: «Die ganze Karotte ist vielleicht zu viel, aber klein geschnitten mit einem Dip finden sie es lecker.» Was Eltern oft vergessen: Kinder müssen bis zu zehn Mal ein Lebensmittel probieren, bis sie es mögen.

Manchmal liegt es auch an der Konsistenz, sagt Vanessa von Hilchen. Ihr fünfjähriger Sohn schiebt gekochte Rote Bete gerade angewidert von sich, püriert in Hummus oder fein gehackt im Wrap isst er sie aber immer noch gern. Von Hilchen ist Bloggerin und hat ein Kochbuch mit vegetarischen Gerichten für Kinder geschrieben.

Von Hilchen hat zum Beispiel ein Rezept für Kinder-Ketchup, der ohne weißen Zucker auskommt, aber trotzdem süß schmeckt. Für 150 Gramm nimmt sie fünf gehäufte Esslöffel Tomatenmark, gibt zwei Esslöffel Ahornsirup, einen Esslöffel Apfelessig, einen Teelöffel Paprika edelsüß sowie einen halben Teelöffel Curry hinzu. Schließlich vermengt sie die Masse mit einer Prise Piment und etwas Meersalz.

Das Ketchup passt wiederum perfekt zu den Ofen-Pommes von Nicola Alferi: Dafür schneidet sie Kartoffeln in Stifte, gibt sie mit zwei Esslöffel Öl, einem Teelöffel Salz sowie einem Teelöffel Paprikapulver in eine Schüssel und vermengt alles mit den Händen. Damit sie schön knusprig werden, sollten die Pommes genügend Platz nebeneinander auf dem Blech haben. Nach 20 bis 25 Minuten bei 200 Grad Umluft sind die Ofen-Pommes fertig.

Auch das Dessert muss nicht fertig aus dem Kühlregal stammen. Wem die gesüßten Joghurts aus dem Supermarkt ein Dorn im Auge sind, kann Kindern eine Variante mit weniger Zucker anbieten. Alferi rührt für ihre «Fruchtwichtel» Quark, griechischen Joghurt und etwas flüssigen Honig cremig. Dann püriert sie Früchte mit etwas Vanillezucker und schichtet das Ganze abwechselnd mit der Quarkmischung in Gläser.

Auch wenn Vanessa von Hilchen in ihrem Kochbuch klassische Kindergerichte abwandelt, versucht sie, ihrem Sohn in Sachen Essen nichts vorzuschreiben: «Wenn er im Restaurant gern Chicken Nuggets und Pommes essen möchte, bekommt er sie auch.» Alles andere sei übergriffig und kontraproduktiv. Sie setzt darauf, dass ihn das Essen zu Hause stärker prägen wird. dpa

Couscous-Salat mit Zitronen-Minz-Joghurt

Sarah Wiener schätzt Couscous als Basis für viele Gerichte. Kinder können nach Lust und Laune Zutaten ergänzen. Wer keinen Herd hat, kann die Körner einfach mit Wasser aus dem Wasserkocher aufgießen. Folgendes Rezept hat die Sarah Wiener Stiftung dazu entwickelt:

Zutaten für vier Personen: 250 g Couscous, 1/2 Bund Frühlingszwiebeln, 2 gelbe Paprika, 1/2 Salatgurke, 3 Strauchtomaten, 1/2 Bund glatte Petersilie, 1/2 unbehandelte Zitrone, 2-3 Esslöffel Olivenöl, Salz, Pfeffer, einige Blätter Minze, 1 kleine Knoblauchzehe, 250 g Naturjoghurt

Zubereitung:

1. Den Couscous nach Packungsanleitung zubereiten: entweder im Topf köcheln oder in der Schüssel quellen lassen. In einer großen Schüssel abkühlen lassen.

2 Die Frühlingszwiebeln, die Paprika, die Gurke und die Tomaten waschen. Nicht genießbare Teile wie Strunk und Gehäuse entfernen. Alles andere in kleine Stückchen schneiden.

3 Die Petersilie abspülen und trockenschütteln. Die Blätter abzupfen und mit den Händen fein zerkleinern.

4 Die Zitrone mit warmem Wasser abspülen. Die Schale mit der Küchenreibe fein abreiben. Den Abrieb für den Joghurt-Dip beiseitestellen. Die Zitrone halbieren und den Saft auspressen.

5. Aus dem Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer in der mittleren Schüssel ein Dressing zubereiten. Gemeinsam mit dem zerkleinerten Gemüse und der Petersilie unter den Couscous heben.

6. Für den Joghurt-Dip die Minze abspülen. Blätter abzupfen und mit den Händen fein zerkleinern. Die Knoblauchzehe schälen und pressen. Minze, Knoblauch und Zitronenschale unter den Joghurt rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.