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09. Juli 2014

80. Geburtstag Alfred Biolek schneidet nur noch Zwiebeln

Alfred Biolek kocht nicht mehr selbst, er assistiert nur noch in der Küche. Seit einem schweren Sturz muss er kürzer treten. Dass er seinen 80. Geburtstag in halbwegs guter Verfassung feiern kann, ist schon ein Erfolg

Von Christoph Driessen

Alfred Biolek ist nicht mehr der Alte. Er tastet sich behutsam vorwärts, seine Stimme ist brüchig geworden. Das Agile, das ihn immer gekennzeichnet hat, ist verschwunden. Am Donnerstag (10. Juli) wird der Talk- und Kochshow-Pionier 80 Jahre alt.

Ein Unfall vor vier Jahren hat sein Leben verändert. Es war 2010 nach einem Essen in Köln, als er auf der Treppe stürzte und mit dem Kopf aufschlug. Er fiel ins Koma, lag lange im Krankenhaus, hatte Erinnerungslücken, kam in die Reha. Es war damals ungewiss, ob er sich überhaupt noch einmal erholen würde.

Im selben Jahr 2010 zerbrach auch die Beziehung zu seinem Freund Constantin. Doch Familienmitglieder und alte Freunde sprangen ein und kümmerten sich um ihn. An erster Stelle der Schotte Scott Ritchie. Ohne seine Hilfe hätte er es wohl nicht geschafft, meint er im Rückblick: "Alleine steht man so etwas nicht durch."

Nachdem Biolek sich wieder einigermaßen erholt hatte, adoptierte er Scott. Nun hat er zwei Adoptivsöhne: Scott und seinen ersten Lebenspartner Keith aus den USA. "Keith lebt in New York, deshalb besucht er mich natürlich nicht mehr so oft", erzählt Biolek. "Wir telefonieren öfter, aber durch die Entfernung ist der Kontakt nicht mehr so eng." Bei Scott ist es anders. "Er wohnt in Köln, aber nicht bei mir. Wir sehen uns fast täglich." Scott sei nie sein Partner gewesen: "Das ist ein reines Vater-Sohn-Verhältnis."

In Sichtweite seiner Wohnung in der Kölner Innenstadt bestellt der einstige "Alfredissimo"-Moderator einen koffeinfreien Milchkaffee und plaudert über seine private Situation: "Ich habe keinen Partner, aber jetzt einen Freund, der bei mir wohnt, schon seit ein paar Monaten. Der kocht für mich, kocht für uns alle, wenn Gäste kommen. Ich helfe höchstens noch mit, beim Zwiebelschneiden oder so. Alleine kochen tu ich nicht mehr. Der Appetit lässt auch nach im Alter."

Seine Freunde finden es beruhigend, dass er nicht mehr allein in der Wohnung ist. Der Freund, der bei ihm wohnt, ist der ehemalige Partner von Scott. "Da habe ich ihn kennengelernt", sagt Biolek. Den Fernseher schaltet er nur noch selten ein. Lieber liest er oder geht mit Freunden auswärts essen. In seinem Lieblingsrestaurant will er am 10. Juli zusammen mit Freunden auch seinen 80. Geburtstag feiern.

Die meisten Freunde, mit denen er in Köln zusammen ist, entstammen nicht mehr der TV-Welt. "Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich mit den Kollegen keinen guten Kontakt gehabt hätte. Die leben nur fast alle woanders. Und ich reise inzwischen nicht mehr so viel. Wenn man älter wird, dann werden die Kreise kleiner."

Einige seiner Kölner Freunde haben aber doch wieder mit dem Fernsehen zu tun, zum Beispiel Thomas Woitkewitsch, der einst Redakteur in Rudi Carrells Erfolgsshow "Am laufenden Band" war. In Sandra Maischbergers Film-Porträt "Mensch, Bio!" sagt Woitkewitsch, wenn er eine negative Seite an seinem alten Freund nennen müsste, dann wäre es dessen mangelnde Menschenkenntnis. Er habe Schwierigkeiten, echte und falsche Freunde auseinanderzuhalten. Das ist merkwürdig für jemanden, dessen größte berufliche Stärke es war, interessante Menschen zu finden und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Bioleks Antworten fallen heute viel kürzer aus als noch vor einigen Jahren. Ein Stück weit scheint er sich in sich selbst zurückgezogen zu haben. "Ich habe keine Pläne mehr", sagt er. "Wenn man so alt ist wie ich, dann schaut man nicht mehr so weit in die Zukunft, dann fragt man sich auch nicht mehr ständig, wie mag das wohl in 20 oder 30 Jahren sein? Das ist nicht mehr mein Thema, nicht mehr meine Welt. Wenn man 80 ist, sitzt man lieber zu Hause, denkt an die früheren Zeiten, liest was und freut sich, dass man ein ruhiges Leben führt." dpa

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