Restaurants
04. April 2009

Afrika im Farmerhaus

Das Restaurant Farmerhaus in Groß-Umstadt bietet eine spannende Genuss-Reise durch den Schwarzen Kontinent

Von der Decke blickt ein Krokodil herab und zeigt seine spitzen Zähne. Neben dem riesigen Holzelefanten hängen Gemälde von afrikanischen Frauen, nur wenige Meter weiter prangt das ausgestopfte Haupt eines Nashorns. Mystische Musik regt zum Träumen an. Wer das Restaurant Farmerhaus in Groß-Umstadt besucht, erlebt nicht nur fremdartige Genüsse für den Gaumen, er begibt sich auch auf eine spannende Reise zum Schwarzen Kontinent.

Alexander Schodlok und seine Familie haben mitten in den Weinbergen über der südhessischen Kleinstadt einen Ort geschaffen, an dem man für einen Abend in die exotische Welt Afrikas eintauchen kann.

Schodloks Vater Alfred hat mit seiner Leidenschaft für Afrika schon früh die ganze Familie infiziert. "Er reiste schon als Student hin, und die Faszination hat ihn nie wieder losgelassen", erinnert sich der 59-jährige Sohn heute. Während seine Mutter als Lehrerin in Groß-Umstadt arbeitete, sei der Vater mehrere Jahre in Tansania und Namibia unterwegs gewesen. "Dort war er Farmverwalter und leitete anschließend ein Hotel." Er habe immer gewollt, dass die Familie ihm auf den anderen Kontinent folgt. "Meiner Mutter war es aber trotz zahlreicher Besuche zu gefährlich, dort mit uns Kindern ein Leben aufzubauen", sagt Schodlok. Um den Vater von der Idee wegzubringen, beschloss sie 1965 das alte Caféhaus auf den Hügeln über der Heimatstadt in ein afrikanisches Restaurant zu verwandeln.

"Meine Eltern kauften das Anwesen schließlich, weil es sie so an Afrika erinnerte", erzählt der Restaurantbesitzer. Neben der idyllischen Natur auf dem wild zugewachsenem Platz, der auf den Hügeln vom Odenwald eine exotische Atmosphäre schafft, sei es vor allem der endlose Blick in die Weite gewesen, der den Eltern das Gefühl gab, dem Schwarzen Kontinent nahe zu sein. "Wenn Leute bei uns essen, die schon mal in Afrika waren, müssen viele schmunzeln, wie sehr sich die Aussicht ähnelt", sagt Schodlok.

Seit 1970 leitet der 59-Jährige selbst mit viel Herzblut das Farmerhaus. Seine Eltern seien nach nur fünf Jahren erneut vom Fernweh gepackt worden und wanderten nach Lanzarote aus. Die liebevoll eingerichteten Räume des Restaurants tragen Namen wie Elefantenraum oder Rhinos Lodge und spiegeln mit ihren Einrichtungsstücken die zahlreichen Afrika-Reisen der Schodloks wider. "Viele Dinge habe ich selbst mitgebracht, einige stammen noch von meinen Eltern", sagt Schodlok. Wie beispielsweise die präparierte Pythonschlange, die seine Mutter während ihres Besuchs beim Vater erschoss, weil sie einem Kind zu nahe kam.

Wer sich von Schodloks Gourmet-Küche verwöhnen lässt, kann sich auf ein besonderes Erlebnis freuen: Auf der Karte findet man neben Springbockrücken Straußenfilet, Krokodilsteaks, Impala-Rücken oder Zebramedaillons. Auch Klapperschlange habe vor wenigen Jahren auf dem Menü gestanden, erzählt der Restaurantbesitzer. "Obwohl wir uns mit den Jahren auf aufwendig gewürzte Wildarten mit raffinierten Soßen spezialisiert haben, sind wir der afrikanischen Küche immer treugeblieben." Auch der Wein und der Brandy sind importiert.

Für die exquisite Küche hat das Farmerhaus schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Und auch beim Service habt er den Blick aufs Wesentliche nicht verloren: Immer, wenn die Tür aufgeht, ist Alexander Schodlok persönlich zur Stelle, um die ankommenden Gäste zu begrüßen. Auch springe er gerne ein, wenn es in der Küche hektisch zugeht. "Für einen schönen Abend für die Gäste muss die Gesamtharmonie im Team stimmen, und man muss von Herzen Gastronom sein, um überzeugend zu sein", erklärt Schodlok.

Der 59-Jährige möchte den Gästen seine Passion für Afrika weitergeben. "Der ganze Kontinent hat so viel Lebensfreude und gutes Essen zu bieten", schwärmt er. Schodlok hat mittlerweile viele Stammgäste, zu denen beispielsweise der Musiker Carlos Santana zählt. Besonders stolz sei er jedoch, wenn Afrikaner bei ihm essen, weil sie im Farmerhaus ein Stück Heimat wiederfinden. "Es ist schön, wenn jemand, der viel in der Welt herumgekommen ist, mir sagt, dass unser Platz einer der faszinierendsten Orte sei", sagt Schodlok. Als Kompliment empfindet er es auch, wenn Gäste 200 Kilometer fahren, um bei ihm zu speisen. "In Afrika sind diese Entfernungen völlig normal". (Daria Polasik/dpa)