25. Februar 2009

Alkohol-freier Sekt boomt

Neuer Trend: Immer mehr Deutsche trinken alkoholfreien und damit kalorienarmen Sekt

Die Sektkellerei Schloss Wachenheim, weltweit führender Hersteller des Produkts, legt Jahr für Jahr beim Verkauf des schwipsfreien Sekts um 15 bis 20 Prozent zu. "Und wir erwarten da auch wegen der Finanzkrise keinerlei Abschwächung", sagt der Vorstandsvorsitzende der Schloss Wachenheim AG, Nick Reh. Die Nachfrage werde in den nächsten Jahren weiter steil nach oben gehen. Heute gehen bereits sechs Prozent des gesamten Konzernumsatzes (2007/2008: 302 Mio. Euro) auf das Konto von alkoholfreiem Sekt und Wein.

Für die wachsende Beliebtheit der alkoholfreien Getränke gibt es nach Ansicht von Reh mehrere Gründe: "Da spielt sicher das Gesundheitsbewusstsein eine Rolle", sagt der 48-Jährige. Schließlich habe alkoholfreier Sekt nicht halb so viele Kalorien wie sein alkoholhaltiger Bruder. Viele wollten aber auch unabhängig davon weniger Alkohol trinken. "Man will die Nebenwirkungen nicht haben", erklärt Reh. Und geschmacklich könne die alkoholfreie Alternative gut mithalten: "Er ist sicher nicht so gut wie ein guter Sekt, aber besser als ein schlechter Sekt."

Je fünf Millionen Flaschen alkoholfreier Sekt und alkoholfreier Wein werden inzwischen pro Jahr in der Light Live-Reihe in Weiß oder Rosé abgefüllt. Eine neue Entalkoholisierungsanlage für fünf Millionen Euro wurde jüngst am Hauptbetrieb und Unternehmenssitz Trier in Betrieb genommen - die nach Angaben Rehs "größte und qualitativ beste in Europa". Komplett aus Glas und unter hohem Druck schaffe sie es, den Wein ohne große Aroma-Verluste bei niedrigen Temperaturen zu entalkoholisieren. Im Lohnauftrag entziehen die Wachenheimer inzwischen auch für andere Firmen in Europa den Alkohol, etwa für eine skandinavische Firma.

Und Reh ist sich sicher: "Wir haben viele Potenziale noch nicht ausgeschöpft." Als nächstes will Wachenheim alkoholfreien Wein und Sekt mit Rebsorten wie Riesling oder Chardonnay angehen. Vorgebaut hat er schon: In der neuen Fabrikhalle wurde gleich Platz für eine zweite Anlage freigehalten. Schloss Wachenheim ist mit rund 1220 Mitarbeitern nach eigenen Angaben der weltweit führende Hersteller von Sekt und Schaumwein. Auf dem deutschen Markt sind die Moselaner hinter Rotkäppchen-Mumm auf Platz zwei.

Auf dem traditionellen Alkohol-Markt dagegen musste Schloss Wachenheim im ersten Halbjahr 2008/2009 (30. Juni) einen leichten Absatzrückgang hinnehmen. Der Umsatz sank von 178,4 Millionen im Vorjahr um 1,9 Prozent, sagt Reh. Dies hänge mit einem Einbruch (minus fünf Prozent) in Osteuropa zusammen, wo Wachenheim inzwischen seinen größten Umsatz erzielt. "Osteuropa ist heftig von der Finanzkrise getroffen", erklärt der Vorstandschef. Das zunächst dort für dieses Geschäftsjahr anvisierte Umsatzplus von sieben Prozent "werden wir auf keinen Fall schaffen". Trotzdem werde das Konzernergebnis "sehr gut" sein, sagt Reh.

An den langfristigen Wachstumsaussichten vor allen in Polen, Rumänien und Tschechien ändere die aktuelle Krise aber nichts, betont der Vorstandsvorsitzende. In den vergangenen Jahren legte Wachenheim beim Umsatz jeweils 15 bis 20 Prozent zu. "Der Markt birgt ein Riesenpotenzial", sagt der Firmenchef. Dies liege daran, dass der Weinkonsum dort noch gering und damit stark ausbaufähig sei.

Es gebe generell den Trend, dass sich die Konsumgewohnheiten weltweit anglichen, meint Reh. "Sie können heute in Warschau genauso Pizza und Sushi essen wie hier - so ist es auch mit dem Weinkonsum, der wächst sehr stark, während der Konsum von Spirituosen abnimmt." (Birgit Reichert/dpa)