26. April 2010

Ansturm auf Baumblütenfest in Werder bei Berlin

Das 131. Baumblütenfest in Werder an der Havel hat am Wochenende einen Besucheransturm erlebt - noch bis 2. Mai

Bei sonnigem Frühlingswetter strömten etwa 180 000 Gäste zu dem Traditionsfest, wie Veranstalter Hartmut Schröder am Sonntag schätzte. Das seien ungefähr so viele wie zum Auftakt im Vorjahr. «Die 120 Obstgärten und Höfe sowie die Inselstadt sind voller Menschen, es herrscht eine ausgelassene Stimmung, und der Obstwein schmeckt unseren Gästen», berichtete Schröder. Bis zum 2. Mai werden fast halbe Million Besucher, vor allem aus Berlin und Potsdam, zu dem Fest erwartet. Es gilt als größtes Volksfest in Ostdeutschland.

Viele Gäste schlenderten bei Temperaturen bis 20 Grad über die Friedrichshöhe und die Bismarckhöhe mit ihren Verkaufsständen und Obstgärten. Sie saßen unter einem Meer von Blüten - vor allem von Süßkirschen und Aprikosen - aßen Kuchen, tranken Kaffee, kosteten Obstwein und genossen den Blick hinunter auf die Havel.

«In einigen Gärten waren zeitweise alle Bänke und Strohballen besetzt», sagte die Marketingchefin der Stadt, Susanne Meifert. Die Obstbäume stehen in voller Blüte, meist Süßkirschen und Aprikosen. Aus ihnen, aber auch aus Äpfeln, Erdbeeren, Himbeeren, Pflaumen, Johannisbeeren und anderen Früchten, wird der Wein gewonnen, der nicht nur berühmt, sondern wegen seiner berauschenden Wirkung auch berüchtigt ist.

Zum Auftakt hatte sich am Samstag ein langer Festumzug durch ein dichtes Spalier von begeisterten Zuschauern zum Marktplatz gewälzt. Etwa 1800 teils kostümierte Teilnehmer von 70 Vereinen präsentierten auf 45 Motivwagen die Traditionen des Havellandes. Die Region vor den Toren Berlins ist vor allem durch den Obstanbau und die Fischerei bekannt.

Im vorderen Bereich fuhren bei zünftiger Blasmusik in einem offenen Cabriolet Bürgermeister Werner Große (CDU) und die am Freitagabend beim Baumblütenball frisch gekürte Blütenkönigin Jessica Seiffert. Die 24-Jährige und das Stadtoberhaupt eröffneten dann auf dem Marktplatz offiziell das Fest.

«Unser neues Konzept für das Fest greift», berichtete Schröder. So würden in diesem Jahr keine Shuttle-Busse vom Werderaner Bahnhof zur Inselstadt mehr eingesetzt. Auf diese Weise müssen die Besucher auf dem Hohen Weg mit den vielen Ständen oberhalb der Stadt an den Obstgärten entlang laufen. «Somit kommen nicht gleich alle in das kleine Stadtzentrum», atmete Schröder auf. Probleme gebe es allerdings mit der Sauberkeit des Geländes, das müsse besser werden.

Zudem habe sich bewährt, das Programm mehr auf Familien auszurichten. Dazu gehöre auch ein größerer Kinderbereich. Auf den sieben Bühnen wird vor allem Blasmusik, Dixieland und Schlager gespielt, aber diesmal weniger Rockmusik. So verlief der Samstagabend zwar nicht so gewalttätig wie im Vorjahr, als auch Beamte angegriffen wurden.

Dennoch musste die Polizei nach Angaben eines Sprechers im Lagezentrum bis in der Nacht 42 teils betrunkene Festgäste wegen Rangeleien aus dem Verkehr ziehen und in Gewahrsam nehmen. Sie waren am Sonntag wieder auf freiem Fuß. Wie es hieß, wird weiterhin strikt auf das Verbot von Glasflaschen geachtet. Deshalb gibt es bereits auf den Bahnhöfen entsprechende Kontrollen. dpa