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29. August 2009

Apfelwein-Keltereien erwarten gute Ernte

Keltereien rechnen mit guter Saison. Äppelwoi und seine Herkunft

Nach einem Rekordjahr 2008 rechnen die hessischen Apfelweinkeltereien auch in diesem Jahr mit einer überraschend guten Ernte. «Normalerweise brauchen Apfelbäume ein Jahr, um sich zu erholen. Ein gutes wird immer von einem schlechten Jahr abgelöst», sagte die stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Johanna Höhl, der dpa. «Aber wir sind völlig von Socken, wie voll die Bäume hängen. Es ist wirklich erstaunlich», sagte sie. Die Früchte hätten reichlich Sonne und Regen abbekommen und wiesen gute Eigenschaften auf.

Die Apfelwein-Expertin riet dazu, die Früchte so lange wie möglich hängen zu lassen: «Jetzt zählt jeder Tag, damit wir mehr Aroma und Zucker bekommen.» Ende September oder Anfang Oktober könne mit der Arbeit begonnen werden.

Rund 40 Millionen Liter Apfelwein wurden im vergangenen Jahr gekeltert. Dem Keltereien-Verband gehören 53 Keltereien mit schätzungsweise 400 Beschäftigen an. Die meisten Mitglieder sind Kleinbetriebe, die drei größten - Possmann, Rapps/Höhl und Heil - machten zuletzt rund 80 Prozent des Umsatzes von etwa 28 Millionen Euro.

Der Äppelwoi:

Apfelwein ist ein Fruchtwein, der ohne Zugabe von Wasser und Zucker aus mehreren Apfelsorten gekeltert und vergoren wird. Wie «naturtrüb» der Apfelwein letztlich ist, hängt davon ab, wie viele Klärstoffe sich durch die Zugabe saurer Früchte bilden. Geläufig ist Apfelwein im hessischen Volksmund auch als Äppelwoi, Schoppen oder Äppler. Gleich nach dem Pressen der frischen Äpfel entsteht alkoholfreier «Süßer», dann der trübe «Rauscher» und schließlich der typische, herb-saure Apfelwein mit fünf bis sieben Prozent Alkohol.    

Schon die Griechen und Römer tranken Apfelwein. Dass er zum hessischen Traditionsgetränk wurde, scheint Zufall. Eine Kälteperiode und Schädlingsbefall beendete den Weinanbau im 16. Jahrhundert in der Region um Frankfurt. Schon damals war Apfelwein bekannt, aber vor allem als Weinersatz für die breite Masse. Die erste Schankerlaubnis für das «Stöffche» wurde in Frankfurt 1754 erteilt. Wer eine besaß, der hängte einen Fichtenkranz mit Apfel in der Mitte vor seine Wirtschaft. Auch heute gilt noch, «Wo's Kränzche hängt, wird ausgeschenkt».    

Lokalkolorit spüren Frankfurter und Zugereiste in traditionellen Apfelweinwirtschaften im Stadtteil Sachsenhausen südlich des Mains. Dort wird Apfelwein im typischen Glasbecher mit Rautenmuster, dem «Gerippten», serviert und im blaugrauen Keramikkrug, dem «Bembel». Apfelwein gibt es pur oder süß und sauer gespritzt, wahlweise mit einem Schuss Limo oder Mineralwasser. Im Winter wird eine heiße Variante mit Zimt und Nelken angeboten. www.apfelwein.de