Mail aus München
05. April 2014

Apulien - mehr als Primitivo und Trulli-Häuser

Fotos Monika Kellermann

Mail aus München von Monika Kellermann: Zu Besuch auf dem Weingut Torrevento

Eine achthundert kilometerlange Küste, reizende Trullihäuser, kaum Regen, Nummer eins in Italien wenn es um ungetrübte Sonnenstunden geht, die größte Wein- und Olivenölproduktion des Stiefellandes und eine köstliche unverfälschte Küche – das alles bietet Apulien. Dennoch liegt die Region am Stiefelabsatz Italiens - entlang des Adriatischen und Ionischen Meeres - noch ein wenig im Schatten anderer Urlaubsregionen Süditaliens.

Gerne wird Apulien auch der Weinkeller Italiens genannt, da hier mengenmäßig der meiste Wein produziert wird. Dies liegt auch daran, dass Apulien die flachste Region Italiens ist. Ähnliches trifft auf die Olivenölproduktion zu, auch hier hat Apulien die Nase vorne! Lange Zeit in erster Linie wenn es um die Quantität ging, allmählich besinnt man sich jedoch mehr und mehr darauf die Qualität zu steigern.

Apulien ist zudem die italienische Region mit den meisten autochthonen Rebsorten, und die sind vorwiegend rot. Am bekanntesten ist sicherlich der Primitivo der vorwiegend im Osten der Region angebaut wird. Weiter unten am Südzipfel direkt im Absatz auf der Halbinsel Salento ist der Negroamaro der Protagonist.

Noch relativ unbekannt, aber absolut im Aufwärtstrend sind die Weine aus der heimischen Traube Nero di Troia, die nahe Bari - rund um das beeindruckende Schloss Castel del Monte und dem Naturpark Alta Murgia - angebaut wird.

Lange Zeit wurde dieser Rebsorte wenig Aufmerksamkeit geschenkt und lediglich als Verschnitt-Wein verwendet. Die ersten die erkannten welches Potenzial in dieser roten Rebe steckt waren die Brüder Francesco und Domenico Liantonio, die Besitzer des Weinguts Torrevento. Das 1948 gegründete Familien-Weingut bewirtschaftet heute 400 Hektar, wovon die Hälfte im Eigenbesitz die andere gepachtet ist. Die steinigen Karstböden auf dem Hochplateau der Murgia bieten eine optimale Voraussetzung für die Nero di Troia-Rebe.

Hinzu kommt das mediterrane Klima mit den warmen und trockenen Sommern und den relativ kalten und langen Wintern, in denen selbst Schnee keine Seltenheit ist. Da die 400 bis 600 Meter hoch liegenden Weinberge lediglich 13 Kilometer vom Meer entfernt sind sorgt der allgegenwärtige Wind für eine gleichmäßige Belüftung der Reben. Völlig zu Recht heißt daher das Weingut auch «Torrevento», also «Turm der Winde».

Obwohl das Weingut über 2,5 Millionen Flaschen produziert und weltweit vermarket geht es auf Torrevento sehr familiär zu. Der junge Önologe Massimo di Bari ist sichtlich stolz dass der Rotwein Vigna Pedale, ein reinsortiger Nero di Troia, der 1994 zum ersten Mal in Flaschen gefüllt wurde, seit vielen Jahre die begehrten drei Gläser im Gambero Rosso erhält. Der rubinrote Rotwein mit dem intensiven Bukett von roten Kirschen und roten Beeren begeistert durch seine Ausgewogenheit und Eleganz.

«Da die Nero di Troia-Traube ohnehin über eine kräftige Tannin-Struktur verfügt, lasse ich den Wein nach acht Monate im Edelstahltank lediglich nur noch ein Jahr im großen Holzfass reifen.», erklärt der Önologe und fügt hinzu «unser Bestreben ist es charaktervolle, aber zugängliche und trinkige Weine herzustellen».

Besonders freut sich Francesco Liantonio (Foto) und sein Team, dass der Nero di Troia der DOC Castel del Monte seit 2011 eine DOCG ist. Besonders beeindruckend ist auch der Roséwein Veritas, aus der Black-Bombino-Traube, ebenfalls eine autochthone Traube des Gebiets, der als einziger Roséwein Italiens den DOCG Status hat. Der knackige, fruchtige Roséwein mit 12,5 Prozent Alkohol bereitet echtes Trinkvergnügen und ist ein perfekter Essensbegleiter.

Obwohl die Weine von Torrevento auch in Deutschland gut vertreten sind, eines kann man nur vor Ort erleben: Die ehrliche, unverfälschte Küche Apuliens. Das Faszinierende an dieser Küche sind die einfachen ursprünglichen Produkte, angefangen von der Pasta die aus dem dort angebauten Weizen gefertigt wird, das frisch geerntete Gemüse, die dort noch tatsächlich noch wild wachsenden Kräuter und nicht zu vergessen die fangfrischen Fische und Meeresfrüchte. Diese Ursprünglichkeit spiegeln auch die Weine aus den autochthonen Reben vom Weingut Torrevento wider.

Eure

Monika Kellermann

Infos: www.torrevento.it      Bezugsquelle: ges-sorrentino.de