29. Juni 2009

Auf Bio folgt Fairtrade-Trend

TransFair: Bei Schokolade, Kaffee, Wein und Saft wird zunehmend darauf geachtet, dass die Produkte zu fairen Preisen gehandelt und ohne Ausbeutung von Mensch und Natur hergestellt werden

Orientierung dabei bietet das internationale Siegel «Fairtrade». 2008 gaben die Deutschen rund 213 Millionen Euro für fair gehandelte Waren aus und damit viermal so viel wie noch 2004. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Konsum von fair gehandelten Produkten um 20 Prozent. Immer häufiger bieten auch Kantinen, Mensen und Caféterien die fairen Waren an, oft zum gleichen Preis wie Produkte ohne Sozialsiegel.    

Nach Angeben des Vereins TransFair wird fair gehandelter Kaffee derzeit bundesweit in mehr als 10.000 gastronomischen Betrieben ausgeschenkt. Gerade dazugekommen sind beispielsweise die Mensen und Caféterien des Thüringer Studentenwerks. Sie bieten seit Mai nur noch fair gehandelten Kaffee und Tee an. «Wir merken, dass unsere Kunden wissen wollen, wo ihr Kaffee herkommt», sagt der Vize-Chef der Mensen und Caféterien des Studentenwerks, Jens Winkler. Die Umstellung auf Fairtrade gelang ohne Preiserhöhungen. Durch eine Kooperation mit anderen ostdeutschen Studentenwerken reguliere sich der Preis über die Menge der Produkte, erklärt Winkler.    

Diese Ansicht teilt der Geschäftsführer des Vereins TransFair, Dieter Overath, der den Handel mit den Produkten in Deutschland organisiert. «Fairtrade muss nicht immer teuer sein.» Über große Mengen, eine clevere Logistik und das Sparen bei teurer Werbung würden sie bezahlbar. Im Einzelhandel seien höhere Preise, die bis zu 20 Prozent über den herkömmlicher Produkte lägen, jedoch nicht vermeidbar.    

Der Verein TransFair, der 1992 gegründet wurde, handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt Lizenzen an Unternehmen, die Fairtrade-Produkte unter ihrem Namen vertreiben. Derzeit bieten in Deutschland rund 150 Lizenznehmer etwa 1000 Produkte mit dem Siegel an - Kaffee, Tee, Schokolade, Bananen, Säfte, Wein, Sportbälle, Rosen, Zucker oder Textilien. Der Verein wird von 36 Mitgliedsorganisationen getragen. Dazu gehören unter anderem UNICEF, das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.    

International gibt es 20 Siegelinitiativen in 21 Ländern, die den fairen Handel organisieren. Gemeinsam mit Produzentenorganisationen aus Entwicklungsländern haben die Vereine Standards für den Handel festgelegt. Diese sichern unter anderem, dass keine Waren durch Kinderarbeit hergestellt werden oder die Produktion zulasten der Umwelt geht. Ein Unternehmen mit Sitz in Bonn vergibt das Siegel für bestimmte Lebensmittel und kontrolliert deren Herstellung. Derzeit prüfen 120 unabhängige Inspektoren 1150 Händler in 73 Ländern sowie 870 Produzentenorganisationen in 58 Ländern. Die Hersteller in den Entwicklungsländern erzielen so Preise, von denen sie leben können.    

Vereinsgeschäftsführer Overath glaubt, dass diese Art der Entwicklungshilfe eher ein Nebeneffekt für die Konsumenten von Fairtrade-Produkten ist. «Die Menschen wollen nicht gleich die Welt retten. Sie kaufen die Waren, weil sie von hoher Qualität sind.» Außerdem suchten viele gerade in Krisenzeiten stärker nach Orientierung und Werten. So wagt der Ökonom Overath die Prognose: «In Zukunft wird es selbstverständlich sein, dass Händler sicherstellen müssen, dass ihre Waren ohne soziale Ausbeutung oder Raubbau an der Natur hergestellt werden. Die Konsumenten erwarten, dass die Produkte sauber sind.»    

Der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Klonner von der Goethe- Universität in Frankfurt am Main steht dieser Zukunftsvision skeptisch gegenüber. «Derzeit ist Fairtrade zwar ein Wachstumsmarkt, aber es wird auch in Zukunft immer die Discounter geben, die Produkte zu Tiefstpreisen anbieten.» Grundsätzlich hält Klonner das Fairtrade- System für sinnvoll. «Auch wenn Fairtrade einen Eingriff in den freien Markt bedeutet, ist es gut, dass diese Siegelinitiative die Herstellungsbedingungen kontrolliert und Kunden Orientierung bietet. dpa