BERLIN
29. Juni 2010

Auf dem Sommerfest der Niedersachsen in Berlin

Kandidat Christian Wulff läuft sich mit Gattin Bettina am Weinglas nippend und Spanferkel anschneidend warm für das Schloss Bellevue

In diesem Jahr will das Blitzlichtgewitter beim traditionellen Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung in Berlin kein Ende finden. Aber die Wulffs nehmen es gelassen und lächeln den mehr als 3500 Gästen bei jeder Gelegenheit fröhlich zu. Das Schaulaufen am Montagabend wirkt beinahe wie eine kleine Generalprobe für das anstehende Sommerfest des neuen Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue. Christian Wulff hat beste Chancen, bereits am Mittwoch das höchste Staatsamt zu übernehmen.

Deshalb ist der Andrang in der Landesvertretung in der Hauptstadt so groß wie noch nie - viele Gäste sehen die Party als großes Abschiedsfest. «Wir müssen inzwischen mehr Anfragen absagen, als wir Einladungen annehmen können», sagt Wulff bei seiner offiziellen Begrüßung. Kurz zuvor hat er gemeinsam mit seiner Frau Bettina (36) Kanzlerin Angela Merkel abgeholt. Und auch beim dortigen Ansturm der Fotografen und Fernsehteams ist vieles anders als in den vergangenen Jahren. Diesmal muss sogar die Kanzlerin die erhitzten Gemüter von Journalisten beruhigen.

Abseits der offiziellen Reden kennen die Gäste nur ein Thema: Die Kandidatur des 51-jährigen Landeschefs für das höchste Staatsamt. Die Wulffs wollen dagegen nur feiern. «Heute abend genieße ich dieses Fest, bei dem so viele Menschen zusammenkommen. Ich mache mir über den Mittwoch noch nicht so viele Gedanken», sagt Bettina Wulff der Nachrichtenagentur dpa. Sie trug ein enges schwarzes Kleid mit Chiffon-Oberteil, so dass ihr Tattoo am Oberarm noch zu sehen war.

Die 36-Jährige, die am Mittwoch die «First Lady» Deutschlands sein kann, will von steigender Nervosität nichts wissen. Sie feiert lieber ausgelassen mit VW-Chef Martin Winterkorn, dem VW-Aufsichtsratsboss Ferdinand Piech und Air Berlin-Chef Joachim Hunold. Auch viele Kabinettsmitglieder und Botschafter waren gekommen.

Zur gemeinsamen Zukunftsplanung in Bellevue scheint das Paar in diesen Tagen ohnehin keine Zeit zu haben. «Die Frage, wo wir wohnen werden, ist noch nicht entschieden», sagt der Kandidat von Union und FDP. Die beiden Kinder sind an dem Abend nicht mit nach Berlin gereist - sie blieben zuhause in Großburgwedel.

Wulff fand nur lobende Worte für seine Frau. «Die Auswirkungen für meine Frau sind größer als für mich, weil sie ihren Beruf aufgibt.» Wulff will bei seinen Amtspflichten auch nicht auf seine Gattin verzichten. «Meine Frau würde mich sicher bei einigen Auslandsreisen begleiten.»

Angst vor der Rolle als «First Lady» Deutschlands hat Bettina Wulff nicht. Sie werde sich Rat einholen, «das wird sich mit der Zeit entwickeln», sagt sie. Grundsätzlich kann sie sich mit einem Leben in der Bundeshauptstadt schon anfreunden. Berlin sei schon eine tolle Stadt. (M. Wendel, M. Hadem, dpa)