27. März 2010

Auf Restaurant-Tour im Allgäu

"Es gibt nix Besseres als was Guats": Mit Schiller im Gasthof Obere Mühle

Ein Bilderbuchstart. An der Raststätte Allgäuer Tor reißen die Wolken auf, der Himmel blitzt blau-weiß, am Horizont die schneebedeckten Alpen, aus dem Radio Blasmusik und Glockenläuten. Nur die Kühe fehlen zur Idylle.

Maximilian Hillmeier, Kurdirektor von Bad Hindelang, kennt die Lösung: Anfang Juni kommen sie auf die Wiesen, Anfang Juni dann in die Höhe, auf 1500-2000 Meter. Der Mann weiß, wovon er redet. Stammtischberechtigt ist er mit dem Bürgermeister, dem Arzt, dem Apotheker und dem Pfarrer.

Und er ist stolz, wie er bekennt: "Bad Hindelang hat sich vor allem über die Umweltkompetenz einen Namen gemacht, über das Öko Modell Hindelang Natur und Kultur, wir sind nach wie vor, nach unserem Wissen, das einzige Bergtal in ganz Europa, das rundum ökologisch bewirtschaftet wird und auch die Produkte hier für Lebensgenießer direkt vermarktet."

Licht und Landschaft schaffen klare Grenzen, Allgäu ist da, wo man die Berge sieht und wo der Mühlbach rauscht, am Gasthof Obere Mühle mit angeschlossener Käserei, Antik und Trödel. Ein Haus, das allen Modernisierungsversuchungen getrotzt hat, das sich dem Gast in dem Zustand des 17. Jahrhunderts präsentiert.

Eine sehr große Gaststube, für Allgäuer Verhältnisse ungewöhnlich hoch, über zwei Meter, außerdem wunderschöne Schnitzarbeiten. Die Küche im Allgäu war immer deftig, kräftig, eben für Bergbauern gedacht. Wie heißt es doch so schön zungenbrecherisch im Volkslied: wenn Montag Nudeltag, Dienstag Strudeltag, Mittwoch Knödeltag, Donnerstag Fleischtag, Freitag Fasttag, Samstag Zahltag, Sonntag Feiertag wäre, dann wär'n wir lustige Leut'.

Peter Eggers präsentiert in der Oberen Mühle Raffiniertes, Originäres, Bodenständiges, Allgäu modern: mit einem Carpaccio vom Kalbskopf, dazu gebratenes Kalbsbries und ein Wildkräutersalat. Geschmacksexplosionen, kräftiges Fleisch, würzige Kräuter oder einen Maibock mir Bärlauchschupfnudeln und Pilzen, himmlische Waldfreuden.

Erfolg durch Konsequenz und Gemeinsamkeit der Bauern. Keine leichte Aufgabe, alle mussten dazu gebracht werden, ihre gesamten Flächen in die Kulturlandschaft einzubringen. Ein altes Sprichwort sagt ja: willst du drei Bauern unter einen Hut bringen, dann musst du zwei erschlagen.

Der Lohn des Erfolges: der Deutsche Umweltpreis. Das ganze Ostrach Tal wirtschaftet heute umweltgerecht, ohne Chemiedünger und ohne Spritzmittel. Nächste Überraschung der Grüntensee. Wieder Bilderbuch pur. Glasklares Wasser, in dem sich der Grünten, 1700 Meter hoch, majestätisch spiegelt.

Ein See voller süßwasserseeliger Überraschungen: von A bis Z eigentlich fast alles. Von der Aalrute angefangen, bis zum Zander. Und so geht sie weiter die Allgäuer Erfolgsgeschichte, auch beim Wild, auch beim Käse und natürlich beim Gerstensaft, keine Industrie, sondern fein, klein, ehrlich und privat, im südlichsten Bierdorf Deutschlands, in Rettenberg.

2 Privatbrauereien auf engstem Raum, beide erfolgreich, eine Bierkönigin und eine Firmengeschichte, die einmalig ist: bereits in der 20. Generation, das Zötler Bier. Das Allgäu hat recht: es gibt nix Besseres als was Guats.

Euer

Jürgen Schiller