REISE
28. September 2009

Baedeker - Vater aller Reiseführer

Die traditionsreichen Baedeker-Reiseführer mit ihren grellroten Buchdeckeln sind die Klassiker für Reise-Wissen aus aller Welt

Baedeker ist ein Synonym für Reiseführer. Ihr Erfinder, der Verleger und Buchhändler Karl Baedeker, starb am 4. Oktober vor 150 Jahren in Koblenz.

«Des Reisenden praktisches Bedürfnis ist des Herausgebers erster Zweck», hat der Vater aller Reiseführer einst Sinn und Zweck seiner Bücher in wenige Worte gefasst. Unbestechlich und mit nüchterner Genauigkeit revolutionierte er die Reiseliteratur. Auf ausgiebigen und von Auflage zu Auflage wiederholten Reisen erkundete Baedeker selbst die Verhältnisse vor Ort, bewertete die «Merkwürdigkeiten» und hielt die Reisezeiten fest, führte akribisch Buch über Preise und Angebot von Gasthäusern und Hotels.

Erbsenzähler - dieser umgangssprachlichen Begriff geht einer Anekdote zufolge auf den Ausspruch eines Zeitgenossen über Karl Baedeker zurück. Beim Besteigen des Mailänder Doms ertappte dieser 1847 Baedeker dabei, wie er alle 20 Stufen eine trockene Erbse von der Westen- in die Hosentasche steckte. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Beim Abstieg machte er dann die Gegenprobe.

Die Liebe zu Büchern wurde Baedeker sozusagen in die Wiege gelegt. Seine Eltern hatten eine Buchhandlung und Druckerei in Essen, in der er nach seiner Ausbildung zum Buchhändler in Heidelberg und Berlin zunächst auch arbeitete. 1827 baute er in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung auf. Der von Baedeker überarbeitete und ergänzte Rheinreiseführer «Rheinreise von Mainz bis Cöln» des Historikers J.A. Klein von 1835 gilt als erster Baedeker-Reiseführer.

Weitere, von Baedeker selbst erarbeitete Reiseführer begleiten den Touristen des 19. Jahrhunderts nach Holland, Belgien, Österreich, durch Deutschland sowie in die Schweiz. Nach Verlagsangeben war «der Baedeker» 1846 der erste Reiseführer mit professioneller Kartographie und der erste mit Sternchenauszeichnung für besonders empfohlene Ziele. Das letzte von Baedeker selbst verfasste Werk, «Paris und Umgebung, nebst Rouen, Havre, Dieppe, Boulogne und den Eisenbahn- Strassen vom Rhein bis Paris», wird 1855 aufgelegt.

2005 wurde die Optik der Baedeker-Reiseführer völlig umgekrempelt. Laut Verlag sind inzwischen alle 156 Bände im neuen Layout lieferbar, samt 3D-Abbildungen. Die meistverkaufen sind die Bände Deutschland, Berlin, Mallorca, New York und Rom. Mit einem Marktanteil von 22,2 Prozent sind die Baedeker-Reiseführer nach Angaben von Media Control Marktführer im höherpreisigen Segment. Der Verlag Karl Baedeker gehört zur Verlagsgruppe MairDumont in Ostfildern bei Stuttgart. (Roland Böhm, dpa)