Mail aus München
22. Juli 2018

Barone Ricasoli Weingut Castello di Brolio

Deutschland-Tour in Berlin und München: Jung, dynamisch und weltoffen - Das verdankt die toskanische Familie mit ihren langobardischen Wurzeln Francesco Ricasoli, der seit 1993 das prachtvolle Weingut Castello di Brolio, im Herzen des Chianti Classico, leitet.

Per Sölke (Smart Wine) der seit 22 Jahren die Weine von Barone Ricasoli in Deutschland vertreibt, war mit dem sympathischen Baron wieder mal auf Deutschland-Tour und beendete diese im Restaurant Käfer in München.

Barone Ricasoli Brolio 

Per Sölke schätzt von Beginn an die Natürlichkeit des Barons. Bei ihm gibt es keine Starallüren, dafür aber ein unglaubliches Wissen über den Weinbau in der Toskana und er hat den gleichen Respekt vor der Arbeit im Weinberg wie seine Vorfahren, jedoch mit einem modernen Zeitgeist. Rund um das grandiose Castello di Brolio in der Gemeinde Gaiole im Chianti verteilen sich auf sanften Hügeln 1200 Hektar Grundbesitz, wovon 235 Hektar mit Rebstöcken bepflanzt sind und 26 Hektar mit Olivenbäumen.

Barone Ricasoli Brolio

Für Francesco Ricasoli stand immer der Terroir-Gedanke im Vordergrund, stark inspiriert von der französischen Weinphilosophie. Er ließ alle seine Weinlagen analysieren, weil er den Einfluss des Bodens auf den Wein noch besser verstehen möchte und dadurch Fehler vermeiden will, die entstehen können auf dem Weg von der Rebe zur Flasche. Mittlerweile gibt es drei Cru-Weine, also Weine die von besten Einzellagen stammen, und die, seiner Meinung nach, das jeweilige Terroir überzeugend widerspiegeln.

Als Auftakt an diesem herrlichen Sommerabend bei Käfer gab es einen Albia Rosé 2017. Ein Roséwein mit einer eleganten Farbe, die an Zwiebelschale erinnert. Ein zarter, duftiger Rosé aus Sangiovese und Merlot mit frischen Noten von Waldbeeren und ein perfekter Aperitif an einem lauen Sommerabend. In Deutschland leider nicht so leicht zu verkaufen, aber ein Wein der Francesco Ricasoli erfreut und über den er mit viel Begeisterung erzählte, ist der "Torricella", ein Cuvée aus Chardonnay und Sauvignon. "The white soul of Brolio" so titelten die italienischen AIS Sommeliers bei einer Verkostung im vergangenen Juni auf dem Castello. Es wurden 30 Jahrgänge verkostet und alle waren verblüfft, wie sich ein Weißwein aus dem Chianti derart frisch und lebendig noch zeigt, nach so vielen Jahren. Leider konnten wir ihn nicht verkosten!

Barone Ricasoli Brolio

Der nächste Wein der ins Glas geschenkt wurde war der Brolio 2016 - der neue Jahrgang des meist produzierten Weins des Weinguts. Es ist nach Ansicht des Barons ein ganz besonders gelungener Jahrgang, der jetzt schon den Gaumen erfreut aber sicherlich noch mehr in einigen Jahren. Das ganze Jahr hindurch herrschten optimale Witterungsbedingungen, speziell in den Monaten September und Oktober gab es beträchtliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, was dem Jahrgang seinen ganz besonderen Charakter verleiht. Brolio besteht zu 80 Prozent Sangiovese, 15 Prozent Merlot und 5 Prozent Cabernet Sauvignon. Der darauffolgende Brolio Bettino 2015, benannt nach dem Barone Bettino Ricasoli (1809 bis 1880) ein bemerkenswerter Politiker und weitsichtiger Winzer und Unternehmer, erfreute den Gaumen mit reifen Kirscharomen und einem ausgewogenen Hauch von Würze und balsamischen Noten. Ein kraftvoller Rotwein, der, auch Dank seiner Säure im Abgang und seinen schmeichelnden Tannine Eleganz präsentierte und Trinkfreude bereitete.

Es folgte Brolio Riserva Brut 2015, der die gleiche Traubenzusammensetzung wie der Brolio hat, aber anstelle von 9 Monate im Tonneaux, mindestens 18 Monate dort verbrachte. Wie alle Rotweine von Barone Ricasoli: ein eleganter Wein mit einem langen, sehr angenehmen und in Erinnerung bleibenden Finale.

Der Top-Wein von Castello di Brolio ist der Castello di Brolio Gran Selezione. Wir verkosteten den Jahrgang 2015 der aus Trauben bester Qualität und Spitzenlagen (Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot) gekeltert wurden und 18 Monate in Tonneauxfässern, davon 30 Prozent im Erstbelag, reifte. Ein überaus konzentrierter Wein mit herzhaften Aromen von Pflaumen, roten Beeren und reifen Kirschen, eingehüllt von eleganten Tanninen und sehr lang am Gaumen präsent.

Den Abschluss der Verkostung, die im Käfer-Restaurant kulinarisch gut begleitet wurde, gab es noch den Casalferro 2015 - ein vollmundiger Merlot in purezza - mit einem gehaltvollen Abgang, der auch noch den Heimweg wohltuend begleitete.

In Berlin hatte das Tasting zusammen mit dem Weinladen Schmidt ein paar Tage vorher stattgefunden - in der wundervollen Enoiteca Il Calice von Antonio Bragato am Walter-Benjamin-Platz 4.

Eure Monika Kellermann