WEIN
20. September 2008

Beringer in Berlin: Wine & Food in Balance

Eine tolle Verkostung mit Beringer-Weinen im Restaurant MA. Beringers Wine Education Director Jerry Comfort führte durch eine Welt von Essen und Trinken in Harmonie

Jerry hielt ein cooles Verkostungsseminar. Die Grundregel: es gibt 5 Weintypen (süß, weiß, weiß plus Holz, Rote mit Frucht und Rote mit Tannin) und 5 verschiedene Geschmacksrichtungen: salzig, sauer, süß, bitter, Umami. Damit können alle Weine und Speisen rund um den Globus definiert werden.

Zuerst Skepsis, doch in der Praxis merkte man: es stimmt. Sein Harmonie-Prinzip: die Weine sollen vom Essen nicht verändert werden, jeder soll seinen Lieblingswein so schmecken, wie er ihn kennt. Ganz im Sinne des Winzers.

Beachtet werden muss, dass Säure und salzhaltige Speisen sehr adstringierende, also sehr tanninhaltige Weine viel weicher machen, süßes und scharfes Asia-Food lässt restsüße Rieslinge trockener wirken. Denn Süße und Eiweiß/Umami- dominierte Speisen vermindern Aromastoffe im Wein und lassen Säure, Bitterkeit und Tannine hervortreten, Säure und Salz mildern die Textur und verstärken die Aromen.

Zum Essen von Tim Raue gab es 5 Beringer-Flights:

1: Kaisergranat mit Möhrensaft und Koriander: Geniale Kombination zum Sauvignon blanc Napa Valley 07: frische Klarheit, direkt 88-89

2: Fish maw (Fisch-Blasen) mit Jacobsmuscheln und grünem Spargel, eines meiner Lieblingsessen von Tim Raue, herrlich aromatisch und beschwingt: der Chardonnay Private Reserve 06 dazu perfekt mit nicht zuviel Holz, kein fettes Teil, geschliffen, kristalline Balance und Stoff und 92-93+

3: Taube, Feige und Gänselebersauce mit Trüffel und Meerrettich zu Merlot Bancroft 2001 (Frucht, Stoff und Druck, 90-91) und 1996 (fein, mineralisch, direkt 91-92+) Bei der Taube hätte ich mir bessere Qualität und perfekteren Garpunkt gewünscht.

4: Rehherz mit Minzpüree und Rote Beete zu Cabernet Private Reserve 2004 (Frucht, Stoff, Druck, 91-92+) und 1984: ein toll gereifter Held, verführerische Würze, konzentriert, Tiefe und Komplexität 94-95+ (was für ein herrlicher Wein, leider bekommt man in Europa zu wenig gereifte Kalifornier präsentiert. Das sind wunderbare, große Weine, die es jederzeit locker mit Bordeaux aufnehmen können!).

Das Rehherz war etwas zäh, auch das habe ich bei TR schon besser gegessen.

5: Mexikoschokolade mit Kirsche, Süßholzeis und grüner Thaipfeffer zu 2005 Zinfandel Clear Lake und 1990 Zinfandel North Coast: Ganz nette Kombination, die nicht vom Hocker riss, auch den Weinen fehlte es an Raffinesse und Finesse.

2003 Beringer Nightingale: von edelsüßen Weinen aus Übersee und Südeuropa halte ich nichts, da fehlt einfach die Säure, mein Herz schlägt für die Mosel-, Rheingau- , Rheinhessen- und Nahe-Klassiker.

Für meine Kritik an Taube und Rehherz gegenüber Raue wurde ich von einem Teilnehmer am Tisch als Snob bezeichnet, ein netter Versuch, sich beim Höllenhund Raue einzuschleimen.

Aber was für ein schönes Kompliment für mich, steht SNOB doch für Sonoma, Napa or Beyond, die Weine waren schließlich besser als das Essen. Denke ich an das kürzliche Verkostungsmenü mit Alvaro Palacios bei Christian Lohse im Fischers Fritz, zieht Raue den Kürzeren. Lohse kocht derzeit eine Klasse besser!

Grüße, Niko