Berlin
24. Februar 2010

Berlin feiert bestes Tourismusjahr aller Zeiten

Und vor allem: Berlin war 2009 Wachstumsweltmeister weit vor Paris, London oder New York. Die komplette Berlin-Bilanz 2009 in Zahlen

Berlin rockt. Berlin lockt. Der Berlin-Tourismus feierte mit rund 18,9 Millionen Übernachtungen im Vorjahr einen historischen Rekord. «Berlin erlebte das beste Tourismusjahr aller Zeiten» bilanzierte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Tremolo in der Stimme und dem Zusatz «Mal was Positives aus Berlin».

Als «arm, aber sexy» hatte er die Stadt einmal bezeichnet. Die Touristen haben das weltweit verbreitete Zitat modernisiert und empfinden Berlin massenhaft als «preiswert, aber trendy».

Vor allem die europaweit vergleichsweise niedrigen Hotelpreise und die Spartickets der Low Cost-Flieger machten Berlin für rund 8,3 Millionen Besucher zu einem der beliebtesten Reiseziele. Und nur drei Jahre nach dem Schub durch das Sommermärchen der Fußball-WM trieben die Leichtathletik-WM und die Freude über den 20. Jahrestag des Mauerfalls die Rekord-Statistiken noch einmal sprunghaft in die Höhe.

Während zahlreiche andere europäische Metropolen im Sog der Weltwirtschaftskrise mit Minuszahlen leben müssen, stieg die Zahl der Übernachtungen im siebten Jahr in Folge, 2009 noch einmal um 6,2 Prozent. Das gesetzte Ziel von erstmals 20 Millionen Übernachtungen, laut Wowereit «ein sehr ambitioniertes Ziel» ist in diesem Jahr dicht vor Augen und wohl kaum zu verfehlen.

Die Zahlen allein aber drücken das international gut spürbare «Berlin-Gefühl» nicht aus. Schon der langjährige Tourismus-Chef Hanns Peter Nerger hatte vor der Übergabe seines Amtes an den jetzigen Oberwerber Burkhard Kieker immer gesagt: «Die Besucher aus der ganzen Welt finden Berlin viel interessanter und schöner als die Deutschen ihre eigene Hauptstadt und als die Berliner ihre eigene Stadt.» Und der neue Tourismus-Chef kann darauf bauen, dass die Stadt für eine neue, junge Generation attraktiv geworden ist.

Mit der Messe «Bread and Butter» und der Fashion Week strömt viel mehr Jungvolk als in den Jahren zuvor in die Stadt. Aufbruchstimmung lockt auch zunehmend Computer- und Internetfreaks herbei, die zunächst einfach mal schauen wollen und von denen immer mehr hier bleiben. Eine boomende Bar-, Club- und Kneipenszene sorgt ebenfalls für immer neues und vor allem junges Publikum.

Besonders an den Wochenende fliegen Scharen von jungen Engländern, Franzosen, Italiener und Spaniern nach Berlin und geben, manchmal zum Leidwesen der Einheimischen, in einer Nacht mehr Geld für Alkohol als für das Flugticket aus. Hunderte von früheren Wohnungen in Berlin- Mitte nutzen die Partygäste als Appartements, in denen nach einem Streifzug durch Kreuzberg oder «Prenzelberg» weiter kräftig gefeiert wird bis zum Abflug.

Das Berlin-Angebot fasziniert die Reisenden, wie es auch Wowereit deutlich machte, mit einer seltenen Vielseitigkeit. Auch die traditionellen Berlin-Besucher ziehen die Sehenswürdigkeiten magisch an. Beim bekanntesten Eisbären der Welt, bei Knut im Zoologischen Garten, schauten schon mehr als 9 Millionen Menschen vorbei. Geduldig reihen sich die Berlin-Gäste in die ewig lange Schlange am Reichstag ein, bis sie hinauf in die Kuppel dürfen. Zuvor waren die meisten am Kanzleramt, gucken, ob die Kanzlerin zu Hause ist. Und am Brandenburger Tor ist sowieso immer was los. Große Bedeutung für Berlin hat nicht weit vom Wahrzeichen das Holocaust-Mahnmal.

Daneben «verkauft» sich Berlin trotz seiner hausgemachten Chaos-Tage mit der S-Bahn und bei der Eis- und Schneeräumung mit einer Fülle von Kultur und Festen. Die Museumsinsel, ein Ensemble von Weltrang, das Theatertreffen, die Berlinale, der Karneval der Kulturen, der «Winterzauber» über die Weihnachtstage, die Silvesterparty am Brandenburger Tor sind nur einige Beispiele für die ungebrochene Anziehungskraft Berlins. (Hans-Rüdiger Bein, dpa)

Beliebtes Reiseziel Berlin - Gewinner in der Krise: Die Bilanz

Berlin ist in der Krise als Reiseziel noch beliebter geworden und hat sein bisher erfolgreichstes Tourismusjahr verzeichnet. Die Zahl der Übernachtungen stieg 2009 im Jahresvergleich um 6,2 Prozent auf rund 18,9 Millionen.

Dabei legte sowohl die Zahl der Gäste aus Deutschland (plus 4,5 Prozent) als auch die Zahl der ausländischen Reisenden (5,9 Prozent) zu. Eine besonders große Zunahme gab es bei Touristen aus Frankreich (21,1 Prozent). Die Branche feierte im siebten Jahr in Folge deutliche Steigerungsraten und steuert in diesem Jahr direkt das Traumziel von erstmals mehr als 20 Millionen Übernachtungen an.    

Berlin zähle zu den großen Gewinnern im Städtetourismus. Keine andere Metropole könne selbst in Krisenzeiten eine Steigerung der Besucherzahlen verzeichnen, sagte Wowereit in seiner Bilanz im Roten Rathaus. Mit den 6,2 Prozent war Berlin 2009 der Wachstumsweltmeister vor Barcelona und New York. London, Paris oder Rom verzeichneten dagegen ein dickes Minus.

8,3 Millionen Besuchern war im Vorjahr Berlin eine Reise wert. Tourismus-Chef Burkhard Kieker von der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) sagte: «Die Welt interessiert sich für das, was die Berliner aus ihrer Stadt gemacht haben.» Die Attraktivität der deutschen Hauptstadt wird auch von der größten Zahl belegt: 132 Millionen Tagesgäste kamen 2009 nach Berlin.

Wowereit und Kieker sagten übereinstimmend, 2009 sei ein «besonderes Jahr» gewesen. Vor allem die Leichtathletik-WM und die Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls hätten international noch mehr Menschen aus aller Welt angezogen. Die Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Ulrike Rockmann, bestätigte diese Angaben mit einem innerdeutschen Vergleich: «Die Entwicklung des Berlin-Tourismus war entgegen dem Bundestrend positiv. Mit durchschnittlich 2,3 Tagen blieben die Berlin-Gäste auch länger als in Hamburg und München.»

Platz zum Übernachtungen haben die Gäste genug. Inzwischen ist das Bettenangebot auf knapp 110 000 gestiegen, laut Wowereit waren es Anfang der 90er Jahre nur etwa 40 000. «Der Senat wird diesen Wettbewerb nicht behindern», kündigte Wowereit an. Es seien noch «diverse Betten in der Pipeline», so dass die Zahl in wenigen Jahren auf 120 000 steigen wird.

Mehr und mehr wird die Tourismusbranche für die Hauptstadt so auch zu einem maßgeblichen Wirtschaftsfaktor. Laut Wowereit bestreiten etwa 230 000 Menschen in Berlin ihren Lebensunterhalt im Tourismus.

Nach einer von der BTM beauftragten Studie wurde 2008 ein Bruttoumsatz von fast 9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Regierungschef Wowereit sagte, jeder Hotelgast gebe pro Tag in Berlin knapp 200 Euro aus. Die Tourismusbranche bringe jährlich rund 1,85 Milliarden Euro in die Steuerkassen. (W&G/dpa)

 www.visitBerlin.de (Fotos: BTM)