BERLIN
06. Juni 2009

Berlin-Werbung trotzt der Krise

Touristen haben in Berlin die ganz große Auswahl: Trüffel-Picknick oder Wein umsonst - von Luxus bis Geiz ist Geil

Touristen in Berlin müssen schwierige Entscheidungen fällen. Das Wochenende könnte mit einem Champagner- Frühstück für 269,50 Euro beginnen oder mit diversen Gläsern Wein für 0 Euro enden. Am bequemsten bewegt man sich mit dem Limousinen- Service für 456 Euro in der Stadt. Sportlicher und billiger wäre Salsa-Unterricht, wiederum 0 Euro. Mit diesen Alternativen wirbt die Tourismus-Gesellschaft der Hauptstadt unter dem Motto «Clever sparen mit dem Berlin Kalkulator» und präsentiert Wochenendprogramme wie «Berlin kostenlos», «Berlin für Partylöwen - 33,70 Euro» oder «Berlin für krisengebeutelte Milliardäre - 1596,50 Euro».

Den Milliardären schlagen die Werber angesichts der zögerlichen Börsen-Erholung den Gang zum Delikatessen-Discounter mit «Köstlichkeiten zum kleinen Preis» vor. Dort lassen sich für 25 Euro die Zutaten für das Picknick am Wannsee einkaufen: «Feinste Trüffel, Trüffel-Schinken, Trüffel Pecorino, Trüffel Butter».

Anschließend leidet allerdings die Milliardärs-Urlaubskasse. Auf dem Nachmittags-Programm steht «Botox to go» am Kudamm (350 Euro). «Tun Sie es der High Society gleich und frischen Sie Ihren Teint für den bevorstehenden Abend auf», schreiben die Tourismus-Experten. Aber auch hier haben sie die Schnäppchen fest im Blick: «Bei der Behandlung zweier Regionen kann man 150 Euro sparen.»

Alle Programmpunkte lassen sich auf der Internetseite www.visitberlin.de anklicken und werden auf einem Stadtplan angezeigt. So lässt sich schnell feststellen, dass Galerie, Fisch- Menü (118 Euro), Opern-Loge (118 Euro) und Kasino-Besuch (ohne Preis) nur mit Chauffeur im angegebenen Zeitrahmen bewältigt werden können.

Auf die Limousine muss der Tourist beim Wochenende «Berlin für unter 50 Euro» verzichten. Stattdessen kauft er eine Berlin WelcomeCard für 16,50 Euro und kann mit dem Sparen beginnen: Frühstück in Prenzlauer Berg (ab 2,50 Euro), Sightseeing mit der Buslinie 100 (0 Euro) und Kreuzberger Sushi Happy Hour (7 Euro). Abends dann «Hüften schwingen im Friedrichshain» ab 4,88 Euro (Mojito-Cocktail mit 25 Prozent Ermäßigung).

Sprachlich und inhaltlich stammen manche Tipps offenbar noch aus der Jugendzeit der Tourismus-Mitarbeiter: Da ist die Rede von «abgefahrenen Szenevierteln» und den Hackeschen Höfen als den «hippsten Orten der Hauptstadt». Fazit: «Es gibt irre viel zu sehen und zu erleben.»

Nützlich sind für junge Party-Touristen aber Hinweise unter «Berlin kostenlos» oder «Berlin für Partylöwen»: eine kostenlose Jazz-Session in einem Charlottenburger Club etwa oder die beliebte Weinerei in Prenzlauer Berg. Hier kann der Gast selbst entscheiden, wie viel er am Ende des Abends für seinen Wein in eine Schüssel wirft. Und bei besonders Sparbewussten bleibt manches Glas unbezahlt.

Indisch-Essen (2,50 Euro), Schminken im Kaufhaus (0 Euro) und Clubbesuch in Prenzlauer Berg (0 Euro) halten den Abend billig. Um 7.30 Uhr endet die Nacht: Ausschlafen (unbezahlbar). Andreas Rabenstein/dpa