23. Februar 2009

Berufs-Karriere im Hotel

Ausbildung im Hotel, der Nachwuchs wird gesucht: Tipps, Möglichkeiten und Chancen

Es sind Berufe mit vielen Sonnen-, aber auch mit Schattenseiten: In der Hotellerie ist es oft spannend, kein Tag ist wie der andere, die Aufgaben sind vielfältig. Auf der anderen Seite stehen unregelmäßige Arbeitszeiten, eine zum Teil nicht gerade üppige Bezahlung und oft anstrengende Tätigkeiten. "Es sind Berufe mit großer Herausforderung", formuliert es die Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Stefanie Heckel. Wer die Eignung dafür mitbringt, habe in der Branche aber gute Chancen.    

Denn es werden Auszubildende gesucht, im Osten und Süden Deutschlands zum Teil sogar händeringend. Laut DEHOGA gibt es zur Zeit in der Bundesrepublik mehr als 100 000 Auszubildende, die meisten von ihnen lernen Koch. "Durch die Fernsehshows ist dieser Beruf bei den Jugendlichen aufgewertet worden", sagt Stefanie Heckel. Bewerber sollten mindestens einen Hauptschulabschluss haben. Nach der meist dreijährigen Ausbildung beginnen sie ihre Karriere als Commis de Cuisine und können bis zum Küchendirektor aufsteigen.    

"Das ist ein anstrengender Beruf", sagt Nina Steffen, die im noblen Schlosshotel in Kronberg bei Frankfurt/Main arbeitet. Sie selbst hat Hotelfachfrau gelernt. "Für diesen Beruf muss man geboren sein", sagt sie. Mehr als 30.000 angehende Hotelfachleute lernen derzeit in Deutschland. Sie werden in allen Abteilungen eines Hotels eingesetzt. Dazu gehören Empfang, Reservierung, Marketing, Service, Bankett und Verkauf.    

Gute Umgangsformen sind ein Muss. Darauf achten auch die Personalchefs des Schlosshotels bei den Bewerbungsgesprächen. Punkten können Bewerber auch mit einem gepflegten Äußeren und guten Schulnoten. "Schließlich sind die Mitarbeiter die Visitenkarten des Hotels", sagt Nina Steffen. Über mangelnde Nachfrage kann sich das Fünf-Sterne-Haus nicht beschweren - es gibt deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze.    

Das ist auch bei den Kempinski-Hotels nicht anders. "Auf unsere 130 Stellen jährlich kommen 10.000 Bewerber", sagt Henrike Gosemann, die in München für den Nachwuchs in den Hotels weltweit zuständig ist. "Aber natürlich ist die Nachfrage für das Adlon oder die Vier Jahreszeiten höher als für unsere kleinen Hotels, wie in Frankfurt oder in Halle." Die Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden, sind groß. Kempinski will in den kommenden Jahren weltweit 50 neue Hotels eröffnen.

In den Kempinski-Hotels wird in vier Berufen der Branche ausgebildet: Koch, Hotelfach-, Restaurantfach- und Hotelkaufleute. Die Auszubildenden lernen in der Regel drei Jahre. Restaurantfachleute sind unter anderem für die Begrüßung und die Beratung von Gästen sowie für das korrekte Eindecken der Tische zuständig. Hotelkaufleute kommen in der kaufmännischen Abteilung des Hotels wie etwa im Rechnungswesen zum Einsatz. Außerdem gibt es in der Hotellerie noch die Fachkraft im Gastgewerbe. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Diese Mitarbeiter sind unter anderem für den Getränkeausschank und die Gästebetreuung zuständig.    

Doch viele Menschen in der Hotellerie brechen ihre Ausbildung ab. Eine Ausnahme sind die Hotelkaufleute mit einer Abbruchquote von neun Prozent. Bei den Restaurantfachleuten und den Fachkräften im Gastgewerbe ist es fast jeder Vierte. Bei den Köchen sind es gut 18, bei den Hotelfachleuten 14 Prozent. In diesen vier Berufen sind unregelmäßige Arbeitszeiten und Überstunden keine Seltenheit.    

"Bei uns kriegen wir die Dienstpläne knapp zwei Wochen vorher", sagt Nina Steffen. Auch sogenannte Teildienste sind in der Hotellerie üblich. Im Schlosshotel wird dabei zum Beispiel von 9.00 bis 15.00 Uhr gearbeitet. Nach einer dreistündigen Pause geht es um 18.00 Uhr weiter. Auch bei der Bezahlung werden die Mitarbeiter in der Hotellerie nicht verwöhnt. Berufsanfänger verdienen je nach Bundesland meist zwischen 1000 und 1700 Euro brutto im Monat.    

"Bei uns bleiben die meisten Azubis dabei", erzählt Henrike Gosemann. "Bei ihnen überwiegt die Freude an der Arbeit." Stefanie Heckel von der DEHOGA stellt die schnellen Erfolgserlebnisse in der Hotellerie heraus, Nina Steffen vom Schlosshotel fallen gleich mehrere positive Seiten an ihrem Beruf ein: "Der Gästekontakt macht viel Spaß, es gibt viel Abwechslung, und man arbeitet eng mit den Kollegen zusammen." Hinzu komme die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten.    

Für diejenigen, die in der Hotellerie Karriere machen wollen, sind ein Auslandsaufenthalt und regelmäßiges Umziehen ein Muss. "Am besten ist es, wenn man direkt nach der Ausbildung ins Ausland geht", sagt Henrike Gosemann. Sehr gute Englischkenntnisse gehören im Kempinski ohnehin dazu. "Internationale Erfahrungen sind für eine Karriere mittlerweile wichtiger als ein Studium, wobei das natürlich auch von Vorteil ist", sagt sie. (Sabine Maurer/dpa)