BEER & BRAU
29. April 2009

Biergarten Ratgeber zur Saison-Eröffnung

Weißbier und Russnmaß: Übersetzungshilfe für bayerische Biergärten

Wer in einem bayerischen Biergarten ein Bier bestellt, könnte überrascht sein, was die Bedienung auf den Tisch stellt. In Oberbayern bekomme ein Gast, der seinen Wunsch nicht näher bestimmt, in der Regel einen Liter-Maßkrug, gefüllt mit Hellem, sagt Walter König. Das feinwürzige untergärige Lagerbier ist für den Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes in München «das abgerundetste Bier. Es ist weder so hopfenbitter wie ein Pils, noch so malzsüß wie ein dunkles Bier.»    

In Nordbayern, wo man nicht in den Biergarten, sondern auf den Bierkeller geht, erhalte der Gast auf die Bitte nach einem Bier hin ein Pils im Seidla, wie der 0,5-Liter-Steinkrug genannt wird. In Mittelfranken dominiert das Kellerbier. «Das ist ein naturtrübes, unfiltriertes, untergäriges Helles», erklärt König. Seit einigen Jahren sei das Kellerbier auch in München angesagt und werde dort in den Biergärten beispielsweise als «Münchner Sommerbier» ausgeschenkt.

Eine wichtige Rolle in bayerischen Biergärten spielt traditionell auch das Weißbier. So bezeichnen die Einheimischen in Bayern jene obergärige Bierspezialität, die im Rest der Republik als Hefeweizen auf der Speisekarte steht. Im typischen schlanken, hohen Glas werde das Weißbier serviert, damit durch die weite Öffnung seine blumigen Geschmacks- und Geruchsaromen besser zur Geltung kommen, erklärt König.    

Doch damit nicht genug: Oft möchte die Bedienung auch noch wissen, ob man das Weißbier hell oder dunkel will. Dunkles Weißbier enthalte keineswegs mehr Malz und damit mehr Alkohol, wie viele Norddeutsche denken, sagt König. Vielmehr werde es mit einem anderen Malztyp gebraut. Dieser wird bei höheren Temperaturen getrocknet und enthält dadurch mehr Röststoffe. Deshalb schmecke dunkles Weißbier kräftiger und malzaromatischer als die helle Variante.    

Wer seinen Durst in der Sommersonne lieber mit einem leichteren Getränk stillen will, kann zwischen Radler und Russ wählen. Für ein Radler werden Helles und klare Zitronenlimonade zu gleichen Teilen gemischt. Für den Russ wird Weißbier zur Limonade in den Maßkrug gefüllt. Meist werde dafür helles Weißbier verwendet, es gebe aber auch die dunkle Variante. Die Bezeichnung Russ geht laut Walter König wahrscheinlich auf das Revolutionsjahr 1918 zurück. Damals hätten die kommunistischen Anhänger der Räterepublik, im Volksmund auch Russen genannt, im Münchner Mathäser-Keller erstmals Weißbier mit Zitronenlimonade verdünnt - möglicherweise, um bei den ausschweifenden Reden zur Weltrevolution nicht zu schnell zu ermüden. dpa