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30. August 2010

Bilanz Salzburger Festspiele

Die Vorstellungen waren voll, die Hotels ebenso und in den Kassen klingelte es: Abseits ihrer kulturellen Leistungen waren die Salzburger Festspiele auch 2010 ein unverzichtbarer wirtschaftlicher Motor für die Mozartstadt

Das Geschäft laufe gut, besser als sonst, sagt Mehdi Zarinfard, der einen Zeitschriftenladen in der Tiefgarage hinter dem Festspielhaus betreibt. Aber er habe noch nie so viele unhöfliche Kunden erlebt wie zur Festspielzeit. «Die Menschen schauen dich gar nicht mehr an, sie verlangen einfach was, ohne bitte zu sagen, und legen dir das Geld auf den Tisch.»

Ein Kunde mischt sich ins Gespräch. «Salzburg wird langsam zum Kotzen», sagt Roland Schmidt zustimmend. Der Deutsche wohnt seit 20 Jahren in Salzburg. Sein Fazit: «Salzburg verkauft sich unter seinem Wert. Die Stadt hat mehr zu bieten als nur ein Disneyland für Superreiche. Die Festspiele selbst genügen sich anscheinend nicht mehr.»

Trotzdem scheint Salzburg ohne Festspiele undenkbar, wie eine aktuelle Umfrage der «Salzburger Nachrichten» bestätigt. Demnach halten über 90 Prozent der Salzburger das einmonatige Festival für wichtig oder sogar enorm wichtig. Juwelierin Ilse Nadler im Zeitungs- Interview dazu: «Salzburg wäre ohne Festspiele finanziell und emotional sehr traurig.»

Auch die ortsansässigen Hoteliers haben mehr als genug Grund zur Freude: Die Hotels sind ausgebucht, und das bei europaweiten Spitzenpreisen. Laut Hotelpreisindex des Reiseportals Trivago lässt Salzburg im Festspielmonat August sogar Metropolen wie Paris, Rom und Barcelona weit hinter sich - von München, Berlin oder Hamburg ganz zu schweigen.

Allerdings sind die Festspiele nicht nur beliebt. Der Besucherstrom bringt neben guten Einnahmen auch einen Verkehrskollaps nach dem anderen mit sich. Auch die Flotte von Nobellimousinen eines Ingolstädter Autobauers, mit der Prominente durch den Festspielbezirk - eigentlich eine Fußgängerzone - gefahren werden, sorgt immer wieder für Diskussionen.

Zudem erscheint das Kulturfestival als elitärer Society-Event. Lediglich 31 Prozent der Salzburger würden es laut der Umfrage als «unsere Festspiele» bezeichnen, 55 Prozent kritisieren es als «abgehoben, nur etwas für Wirtschaft, Society und Elite». Eine Meinung, die Walter Schober teilt. Er betreibt seit 25 Jahren eine Imbissbude unweit des Festspielhauses. «Früher hat man mehr von den Festspiel-Prominenten gesehen, jetzt lassen sie sich bis vor die Tür fahren und wieder abholen.»

Die hochkarätigen Promis vermissen auch manche Gesellschaftsreporter, wie der langjährige Salzburger Pressefotograf Franz Neumayr in einem ORF-Bericht beschreibt: «Die A-Prominenz, die über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt ist, hat seit dem Tod von Herbert von Karajan abgenommen.» Nur die Stammgäste wie Thomas Gottschalk, Gunter Sachs oder Bianca Jagger, sagt ORF-Redakteur Robert Reumann, «die kommen immer». (Matthias Petry, dpa)

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