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15. März 2011

Bio-Essen in Kantine und Mensa für Studenten zu teuer

Studierendenwerke: Kantinen und Mensen bieten oft leichte Alternativen zu schweren Klassikern, aber für die Studenten ist meist der Preis entscheidend - und der spricht für Fastfood

Immer mehr Kantinen und Mensen im Land setzen auf Bio-Essen, doch den Kunden ist der Aufpreis für das gesunde Essen oft zu teuer. Besonders bei Studenten «geht viel über den Preis», sagt Michael Huber vom Studierendenwerk Mainz.

In einigen Mensen geht der Trend aber auch hin zu regionalen Gerichten, wie etwa einer Saarbrücker Landhauspfanne in der Trierer Fachhochschule. Oft sei den Kunden aber auch etwas Rustikales lieber als ein gesunder Salat: «Mittwoch ist Pommestag und den kriegst du auch nicht weg», betont Jörg Denecke vom Koblenzer Studierendenwerk.

5500 bis 6000 Essen werden täglich in der Mensa der Johannes Gutenberg-Universität in MAINZ in der Vorlesungszeit ausgegeben. Primär nutzten die Studenten die Mensa, fünf bis zehn Prozent der ausgegebenen Gerichte gingen aber auch auf das Konto von Uni-Mitarbeitern oder von Externen, sagt Huber von den Verpflegungsbetrieben des Studierendenwerks Mainz. Die vier Theken der Mensa böten ein vielfältiges Angebot. Hinzu käme noch eine große Salatbar und zweimal pro Woche ein Pfannengericht, was offen zubereitet werde.

«Die Studenten können sich ihr Menü frei zusammenstellen», sagt Huber. An einer Theke gebe es aber für den Preis von 2,10 Euro ein festes Menü mit Hauptspeise, Beilage, Suppe, Salat und Dessert. Da bei den Studenten viel über den Preis laufe, wurde laut Huber wohl die «Grüne Theke» von den Studierenden weniger gut angenommen - sie bot gegen einen Aufpreis gesünderes Essen aus biologischem Anbau. Nach zwei Semestern wurde die grüne dann zu einer fleischlosen Theke, die Gerichte von Tofuragout bis Germknödel anbietet, und besser ankomme - besonders bei Vegetariern.

Um den Studenten einen «Blick hinter die Kulissen» zu ermöglichen, bietet Huber Führungen durch die Mensa an. «Circa 50 Personen nehmen dieses Angebot pro Semester an», sagt Huber. In der Mainzer Mensa gibt es auch Sonderangebote zu besonderen Anlässen. Beispielsweise konnten verliebte Studenten am Valentinstag in einem abgetrennten Bereich der Mensa mit ihrem Partner ein Candle-Light-Dinner genießen.

Außenstehenden bleibt der Zugang zum Betriebsrestaurant der Schott AG in MAINZ verwehrt. Zwischen 700 und 800 Gerichte werden hier pro Tag an die Mitarbeiter ausgegeben. Somit nutzen 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter die Kantine des Glasproduzenten täglich. Sie gäben dabei durchschnittlich 3,50 Euro für ihr Mittagessen aus. In einer Kundenbefragung zeigten sich die Mitarbeiter zufrieden mit dem Preis-Leistungsverhältnis, sagt Schott-Sprecher Jürgen Breier. Neben einer Salatbar gebe es täglich ein «Vitalien»-Menü, das fettarme und gesundheitsbewusste Ernährung im Gegensatz zum oft typischen «Fastfood» ermögliche.

In der Mensa der Universität TRIER wird gesundes Essen groß geschrieben. «Wenn junge Menschen ihr Ernährungsverhalten umstellen, tun wir gut daran, dem zu folgen», sagt der Geschäftsführer des Studierendenwerks Trier, Andreas Wagner. Ein alternatives Menü von der vegetarischen Frühlingsrolle mit Ingwerreis bis zur irischen Getreideschnitte gehöre schon langen mit zum Angebot. «Stark im Kommen ist derzeit auch unser Salatbuffet», sagt er. Da gebe es die verschiedensten Sprossen über gebrannte Cashew-Kerne bis zu den allen möglichen Salatsorten. In der Mensa der Uni Trier werden pro Tag rund 4000 Essen verzehrt. Studenten zahlen fürs Stammessen 2,25 Euro, Gäste dagegen schon 4,95 Euro. Besucher machten aber weniger als zehn Prozent aus.

An der Fachhochschule Trier dagegen, an der täglich zwischen 1500 und 2000 Essen verteilt werden, sei der Speiseplan eher «rustikal», sagt Wagner. Die Studenten seien dort größtenteils männlich und wollten auch gerne mal ein richtiges Stück Fleisch auf dem Teller. «Da ist eher üppig und deftig angesagt, auch mal eine Saarbrücker Landhauspfanne», sagte er.

Das Studierendenwerk Vorderpfalz will im Sommer die Studierenden an den Hochschulstandorten LANDAU, GERMERSHEIM, LUDWIGSHAFEN und WORMS in Sachen Bio in der Mensa befragen. Der Wunsch nach mehr Bio-Essen werde immer wieder von Studenten geäußert, sagt die Geschäftsführerin des Studierendenwerkes, Alexandra Diestel-Feddersen. «Die Frage ist aber auch, ob die Studenten bereit sind, mehr dafür zu zahlen.»

In einigen Kantinen gehe der Trend nämlich schon wieder weg von Bio-Angeboten, weil eben zu wenige bereit seien, den Aufpreis zu zahlen. Großen Wert werde in den Mensen bereits auf regionale Produkte gelegt, sagt Diestel-Feddersen. Das Studierendenwerk Vorderpfalz betreibt die Mensen an den vier Standorten, allein in Landau werden am Tag gut 1100 Essen ausgegeben. Es gebe ein vegetarisches Essen und eines mit Fleisch. Der Preis von 1,80 Euro für Suppe, Hauptgang und Nachspeise sei extrem günstig, sagt Diestel-Feddersen. Sollte es eine Nachfrage nach Bio-Produkten geben, so soll bei den Komponenten des Essens stärker auf Bio geachtet werden.

Die beiden Rathaus-Kantinen der Stadt KAISERSLAUTERN werden seit Ende Februar von den Westpfalz-Werkstätten betrieben, einer Einrichtung für behinderte Menschen. Um das Essen kümmern sich nun acht behinderte Menschen und zwei Mitarbeiter einer Integrationsfirma. Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) hat von einer «Bereicherung für unser Haus» gesprochen. Die Resonanz sei bislang gut, sagt eine Rathaussprecherin. Es sei ein ganz anderes Flair in den Kantinen. Einen Schwerpunkt auf gesundes Essen gebe es bislang nicht.

Bis zu 2000 Essen am Tag werden in der Vorlesungszeit in der Mensa der Universität KOBLENZ-LANDAU ausgegeben. Dabei könnten es wohl noch einige mehr sein, doch der Platz ist begrenzt. Gerade mal 600 Sitzplätze gibt es laut Studierendenwerk Koblenz. Die Verpflegungsbetriebe sind ausgerichtet auf 1600 Studierende, jedoch lernen und forschen 6600 Menschen auf dem Campus, weitere 400 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz. «Die Kapazität reicht nicht aus», sagt Jörg Denecke vom Studierendenwerk, der zugleich Leiter der Verpflegungsbetriebe ist.

Das Studierendenwerk betreut im öffentlichen Auftrag rund 12 500 Studenten an Uni und Fachhochschule Koblenz. In den Mensen stehen täglich zwei Menüs - eines davon fleischlos - zur Auswahl, sowie in der Vorlesungszeit zusätzlich eine Salattheke. Auch vegane Gerichte werden nach Voranmeldung zubereitet. «Gesundheitsbewusstes Essen wird natürlich immer wichtiger», sagt Denecke. Aber alles nur bis zu einem gewissen Grad: «Mittwoch ist Pommestag und den kriegst du auch nicht weg, dann gibt es Hähnchenschnitzel oder Currywurst.»

Denecke schätzt, dass im Schnitt 40 Prozent der Studierenden und 60 Prozent der Hochschulmitarbeiter die Mensen täglich nutzen. An der Fachhochschule gibt es zwar mehr Platz, dafür ist der Zeitplan eng. «Die haben um 13 Uhr große Pause und um 14 Uhr geht es weiter», sagt Denecke. Es sei eine Herausforderung, die FH-Studenten mit 1000 Essen in nur einer Stunde abzufertigen. Die Zufriedenheit sei jedenfalls überall groß. Das zeigten nicht nur Umfragen, sagt Denecke. «Wir haben auch einen Kummerkasten, da kommt aber nicht viel.» (Nina Klippel, dpa)

studierendenwerk-mainz.de