NEWS
15. März 2009

Bio-Viagra aus dem Kräutergarten

Wissenschaftler der Charite entwickeln Potenzpille aus Kräutern

Bio bringt es nun auch im Bett: Die Berliner Charité testet zur Zeit eine Potenzpille aus pflanzlichen Bestandteilen. In klinischen Versuchen hatten 50 Männer danach mehr Lust auf Sex, mehr Spaß im Bett und fühlten sich auch sonst wohler in ihrer Haut. "Ihre Libido war im Vergleich sogar höher als in der Kontrollgruppe, die Viagra nahm", berichtet Olaf Schröder vom Charité-Institut für Transfusionsmedizin. Er wertet die Ergebnisse der Tests als "sehr gut". Im Frühjahr 2010 soll das Bio-Potenzmittel auf den Markt kommen. Profitieren davon können aber nur Männer.

In den jüngsten Tests bestätigt sich für die Wissenschaftler, was bereits eine erste, kleinere Studie im Jahr 2007/08 zeigte: Die Mischung verschiedener Pflanzenextrakte erhöht im Körper den Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron und verbessert die Durchblutung. Der anregende Charité-Cocktail besteht vor allem aus Teilen der Pflanze Tribulus terrestris (End-Burzeldorn), die in Osteuropa wächst. Ähnlich wirkt die Andenpflanze Maca. "Maca steigert die Bindungsfähigkeit des Testosterons", erläutert Schröder.

Zum Bio-Potenzmittel hinzu kommen Policosanol, das aus Zuckerrohr und Reis gewonnen wird und die Blutfettwerte senkt, sowie die Aminosäure L-Anginin. Sie kommt in Erdnüssen und Weizenkeimen vor und führt unter anderem zur Gefäßerweiterung. Weintraubenextrakt, traditionell für seine stärkende Wirkung auf Herz-Kreislauf- und Immunsystem bekannt, komplettiert die Mischung.

"Alle diese Substanzen sind seit Jahrtausenden bekannt. Klinische Studien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen liegen ebenfalls vor", sagt Schröder. Da die Wirkstoffe alle auf dem Markt seien, werde das neue Mittel später nicht als Medikament, sondern als diätetisches Lebensmittel verkauft.

Gravierende Nebenwirkungen haben die Berliner Forscher bislang nicht dokumentiert. "In Einzelfällen kam es zu Durchfall", berichtet Forscher Schröder. Das klingt nicht unpraktisch. Denn eine mögliche Überdosierung würde sich nach Ansicht der Forscher damit auf der Toilette von selbst erledigen. Gefahren, dass der mit Pflanzenkraft erhöhte Testosteron-Spiegel auch die Aggressivität wachsen lasse, sieht Schröder nicht. "Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege und auch keine der Versuchspersonen berichtete davon."

In weiteren Studien sollte nach Ansicht der Berliner Mediziner aber noch geprüft werden, ob sich bei längerer Einnahme die Nebenwirkungen noch reduzieren lassen und die Wirksamkeit weiter steigern lässt. Denn Wunder, so betont Schröder, leistet auch die neue Pille nicht. Es gehe darum, Potenzprobleme, die zum Beispiel durch Nierenkrankheiten, Diabetes oder Depressionen entstehen können, zu minimieren. "Sie ganz auszuschalten geht nicht."

Ein kleines Berliner Unternehmen will das Bio-Mittel unter dem Namen Plantagrar im Frühjahr 2010 auf den Markt bringen. Der ist groß, denn rund zehn Prozent aller Männer und mehr als die Hälfte der 50- bis 70-jährigen leiden an Erektionsstörungen. Bislang ist Viagra mit dem Wirkstoff Sildenafil auf diesem Terrain der Platzhirsch. Allein 2007 setzte das Pharmaunternehmen Pfizer damit weltweit 2,5 Milliarden US-Dollar um. dpa