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19. Oktober 2009

Bio-Winzer auf beiden Seiten des Rheins

Bio-Winzer aus dem Elsass gründen gemeinsame Öko-Initiative mit Winzern aus Württemberg

«Bei einem Bio-Wein kommt das spezielle Aroma des Erdreiches klarer zur Geltung», sagt der elsässische Kellermeister Romain Iltis. Die Gäste des Hotel- Restaurants «Verte Vallée» im Münstertal, wo der Experte seit vier Jahren arbeitet, verlangen immer häufiger biologisch reine Weine. «Die Sensibilisierung hat stark zugenommen», sagt Iltis.

Nicht nur Gourmets, auch die Winzer im Elsass orientieren sich zunehmend in Richtung Bio-Anbau. Von 2007 zu 2008 lag der Anstieg nach Angaben des Berufsverbandes der Öko-Bauern im Elsass (OPABA) bei fast 24 Prozent, wobei mit über 1260 Hektar etwa zehn Prozent der gesamten Weinanbauflächen biologisch bewirtschaftet werden.

In Baden-Württemberg sind es nach Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart 800 Hektar von insgesamt 26 000 Hektar Weinanbaufläche. Auch auf der deutschen Seite ist der Anstieg der Bio-Winzer rasant. «In zwei bis drei Jahren rechnen wir mit einer Zunahme bis 1200 Hektar Bio-Reben, was fast fünf Prozent der gesamten Wein-Anbaufläche entsprechen würde», sagte ein Sprecher.

Zu den Pionieren im Elsass gehört Jean-Pierre Frick aus Pfaffenheim, der Anfang der 1980er Jahre zu den Mitbegründern der Öko-Messe in Rouffach gehörte. Frick düngt mit Kuhmist und Eierschalen und setzt gegen den wichtigsten Rebenfeind Mehltau schwach dosiertes Kupfersulfat ein. «Im Lauf der Jahre gewinnt der Boden ein besseres Gleichgewicht und das stärkt seine Widerstandskraft gegen Parasitenbefall», sagt er.

Besonders bei Weißweinen wie den elsässischen Rebsorten Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris und Sylvaner schmeckt der preisgekrönte Vorkoster Iltis die subtilen Geschmacksvarianten heraus, die Bio- Weine auf der Zunge und im Gaumen hinterlassen. «Der Wein gewinnt an Eleganz und Feinheit». Warum? «Ohne Kunstdünger muss ein Rebstock seine Wurzeln tiefer in den Boden treiben, um Energie aus der Erde zu ziehen. Das konzentriert die Mineralien».

Iltis bietet im «Verte Vallée» auch traditionelle Weine an, denn es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass Bio-Weine prinzipiell besser sind als andere. «Mir geht es in erster Linie um Qualität, und da gibt es bei Bio-Weinen gute und schlechte, genauso wie bei herkömmlichen Weinen».

Bio-Verbraucher müssen sich von liebgewonnenen Gewohnheiten verabschieden, zum Beispiel dem Kork-Korken. Der hinterlässt Geschmacksspuren im Wein. «Korken aus Glas wären gut, sind jedoch zu empfindlich und zu teuer, also haben wir uns für geschmacksneutrale Kapseln aus Edelstahl entschieden», sagt Frick.

Eines ist nach Meinung der Bio-Winzer ganz klar: Bio-Weinanbau bleibt nach wie vor eine Sache der Geisteshaltung und Überzeugung und weniger eine Sache des Geldes. Qualität und Verzicht auf chemische Keulen zur Schädlingsbekämpfung gehen auf Kosten der Quantität. «Der Weinanbau ist bei uns nur rentabel, weil die Familie mitarbeitet. Doch wir machen das für die Qualität, für unser Image und auch, um uns selbst vor zuviel Chemie zu schützen», sagt der Winzer Jean-Philippe Becker aus Riquewihr, der seit etwa neun Jahren nur noch Bio-Weine produziert. «Wenn wir Schädlinge bekämpfen, brauchen wir keine Schutzanzüge oder Atemmasken». (Petra Klingbeil, dpa)

Deutsch-französische Öko-Initiative

Ökologische Vereinigungen aus dem Elsass und Baden-Württemberg haben eine grenzüberschreitende Initiative für den Öko-Landbau gestartet. Entwickelt werde eine gemeinsame Statistik über die Wirtschaftlichkeit ökologischer Landwirtschaftsbetriebe wie Winzer und Milchbauern, sagte der Leiter des Berufsverbandes der Öko- Bauern im Elsass (OPABA), Joseph Weissbach in Colmar. Zusammen mit der Stiftung Ökologie und Landbau sammle man die Daten von jeweils 50 landwirtschaftlichen Betrieben auf beiden Seiten des Rheins.

«Mit den Ergebnissen der Untersuchung können wir bessere Überzeugungsarbeit bei traditionellen Landwirten und Winzern leisten, um sie zum biologischen Anbau zu bekehren», sagte er. Immer mehr Winzer im Elsass sind in den letzten Jahren auf die Bio-Produktion umgestiegen. Von 2007 zu 2008 lag der Anstieg bei fast 24 Prozent, wobei mit über 1260 Hektar etwa zehn Prozent der Weinanbauflächen biologisch bewirtschaftet werden.