Initiatoren der Veranstaltung waren Claus Burmeister vom Weingut Burg Ravensburg und Patrick Jacklin vom Weingut Heitlinger. Mit Johannes Busch vom Weingut Clemens Busch (Mittelmosel), Jo Pfisterer vom Weingut Alois Lageder (Südtirol) und Sébastien David, Präsident von France Vin Bio sowie Inhaber der Domaine Sébastien David (Loire) holten sich die beiden Kraichgauer internationale Biodynamie-Expertise nach Baden. Ergänzt wurde das Programm durch eine hochkarätig besetzte Masterclass zu „lebendigen, energetischen Weinen“ mit Caro Maurer MW.
Biodynamie ist eine Lebenseinstellung
„Unsere Aufgabe ist es, Lebensraum zu erhalten“, betonte Mosel-Winzer Johannes Busch. Er verwies auf die zentrale Rolle von Kompost, Durchwurzelung und gezieltem Begrünungsmanagement, um Erosion vorzubeugen – gerade in extremen Steillagen. Diese seien mit bis zu 2.200 Arbeitsstunden pro Hektar (ohne Lese) um ein Vielfaches aufwendiger zu bewirtschaften als flache Lagen. Hinzu kommen weitere Arbeitsschritte durch die biodynamische Bewirtschaftung. Vom sanften Rebschnitt bis zur Einzelstockbetrachtung ist diese Art der Landwirtschaft teilweise doppelt so arbeitsreich wie die konventionelle Bewirtschaftung. Ohne eine gute Portion Idealismus ist dieser Einsatz für den Erhalt der Kulturlandschaft nicht zu rechtfertigen.
Auch Claus Burmeister unterstrich die Bedeutung des Handwerks in diesem Zusammenhang: „Wein ist kein Naturprodukt, Wein ist ein Handwerksprodukt. Ich vergleiche das gerne mit der Sterneküche. Du brauchst beste Zutaten: Lagen, Böden, Rebmaterial. Aber um daraus perfekte Trauben und schließlich herausragende Weine zu erschaffen, braucht es den Faktor Mensch mit seiner ganzen Leidenschaft, Erfahrung und Expertise.“
Preisführerschaft und Regenbögen
Ein zentrales Thema der Diskussionsrunde war die Position deutscher Weine im internationalen Wettbewerb. Für Burmeister ist klar: „Eine Kosten- und Preisführerschaft werden wir niemals erreichen können. Wir können und wollen nicht die Billigsten im globalen Wettbewerb sein. Warum besinnen wir uns nicht offensiv auf unsere Stärken? Die Welt sucht nach leichten, charakterstarken Weissweinen. Das ist doch unsere Kernkompetenz in Deutschland. Lasst uns diese Message selbstbewusst nach außen tragen!“
Diese Perspektive wurde durch sensorische Einblicke ergänzt. Sébastien David beschrieb Weinberge als „Regenbogen“, in dem alle Farben vorkommen – Farben, die zugleich als Bioindikatoren für den Zustand des Ökosystems dienen. Seine Verkostungsphilosophie war in diesem Zusammenhang bemerkenswert: zunächst den Wein schmecken, dann erst daran riechen – um das Urteil über den Wein nicht voreilig – geprägt durch die Nase – zu beeinflussen.
Biodynamie damals und heute

Einigkeit herrschte darüber, dass Biodynamie eine bewusste Entscheidung ist. „Kein Weingut entscheidet sich aus Marketinggründen dafür“, so Patrick Jacklin. „Das macht man aus Überzeugung – um das Beste aus Böden und Reben herauszuholen. Biodynamie hat viel mit Vertrauen zu tun. Während man im Weinberg viel Hand anlegt, geht es bei uns im Keller hingegen um kontrolliertes Nichtstun.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzte er: „Wir Biodynamiker sind positiv bekloppt.“
Jo Pfisterer schlug die Brücke zwischen Biodynamie-Geschichte und gelebter Gegenwart: „Steiner hat als Urheber der Biodynamie selbstverständlich bis heute Relevanz. Aber die moderne Biodynamie hat sich massiv weiterentwickelt – und das dürfte ganz in seinem Sinne sein.“ „Richtig, er hatte schließlich keine Drohnen und keine temperaturgesteuerten Tanks“, sagte Burmeister. „Auch die Biodynamie unterliegt einer Evolution.“ Entscheidend sei dabei die internationale Vernetzung der Betriebe und die Weitergabe von Erfahrungen. Was funktioniert bleibt bestehen, was nicht funktioniert verschwindet. Moderne Biodynamie darf nicht dogmatisch sein, sie lebt von positiven Erfahrungswerten.
Der Boden als Zukunftsthema
Über allem stand ein gemeinsamer Nenner: die zentrale Bedeutung gesunder Böden. „Die Böden sind das Wichtigste, was wir haben. Sie ernähren uns und schenken uns diese wertvollen Weine“, so Burmeister. Biodynamisch arbeitende Betriebe verstünden sich dabei zunehmend auch als Impulsgeber für ihre Regionen. „Wenn wir Landwirte eines können, dann ist es beobachten. Sobald der Nachbar etwas im Weinberg macht, das nachweislich funktioniert, dann wird es gerne adaptiert.“ Besonders anschaulich wird es immer dann, wenn Burmeister seinen Spaten auspackt und stolz einen Brocken Erde aus seinem Weinberg präsentiert: Vital, locker, voller Bodenleben, gesund duftend. Das ist sichtbare Biodynamie!

Fazit
Zwischen Steillagen und Sensorik, Handwerk und Technologie wurde deutlich: Die Zukunft des Weins liegt im Boden – und in der Haltung der Menschen, die ihn bewirtschaften.
Die interaktive Austauschplattform Biodynamica fand nun zum dritten Mal statt und richtete sich vor allem an Sommeliers und Fachpublikum aus Gastronomie, Handel und Medien.



