WEIN
31. Oktober 2009

Biodynamischer Wein aus der Toskana

Bei Montalcino erzeugt Winzer Loacker einen wunderbaren Brunello

Salbei, Rosmarin, Thymian und Lavendel bilden ein hübsches Ensemble, sollen aber vor allem den so wertvollen Reben auf den Weinbergen bei Montalcino ein natürliches Umfeld bieten. Wird den roten Trauben zu heiß oder kalt, kommen homöopathische Mittel zum Einsatz - gegen den Stress. Frischer Kuhmist, in ausgehöhlte Hörner gefüllt und vergraben, sorgt für kompostierte Erde mit einer Fülle von Mikroorganismen. «Die Rebe ist ein lebendiges Wesen, das Energie und Informationen aus der Umwelt in sich aufnimmt», erklärt Winzer Rainer Loacker (68) - ein gebürtiger Österreicher, der im Süden der Toskana vor allem den weltweit bekannten Brunello produziert. «Ich will nur mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie», lautet sein Credo.

Schnauzbärtig, das Haar oftmals in einem Pferdeschwanz gebändigt, ist Loacker auf den Spuren des Anthroposophen Rudolf Steiner, wenn er durch die Weinterrassen seines Gutes Corte Pavone wandert. Und das heißt, den Boden und die Rebstöcke «ganzheitlich» zu sehen und auf chemische Keulen im Weinberg wie später auch im Keller zu verzichten. Biodynamische Präparate wie etwa Hornmist oder Hornkiesel sollen die Rebstöcke bei geringstem Kupfereinsatz vorbeugend stärken. Arnika ist heilende Arznei, wenn plötzlicher Hagel Wunden im Weinberg geschlagen hat, Eisenhut hilft bei Infektionen. So macht es Loacker und nicht nur in Montalcino, der Hochburg italienischer Winzerkunst, sondern auch auf zwei weiteren Gütern in der Maremma und in Südtirol.

Wie meist hat ein Weg jenseits ausgetretener Pfade eine eigene Vergangenheit. Bereits seit drei Jahrzehnten arbeitet Loacker daran, Wein mit biodynamischen und homöopathischen Methoden zu machen, «in Harmonie mit der Natur». Verwandt mit dem Waffel- und Keksunternehmen «Loacker», spürte er einst den Arbeitsstress so stark, dass er sein Leben änderte und aus der Südtiroler Loacker-Firma ausstieg, um einen völligen «burn out» zu vermeiden. Und suchte, vor allem mit seinem Sohn und Önologen Hayo, auch für seine Liebe zu den Weinbergen neue Ufer. Heute pendelt er zwischen Bozen und der Toskana, bewirtschaftet insgesamt 45 Hektar Rebfläche und produziert damit 360 000 Flaschen im Jahr. Sohn Franz-Josef ist für den weltweiten Vertrieb zuständig.

Gibt es denn ein Rezept dafür, dass ein biodynamischer Wein auch wirklich gut schmeckt, Loackers Brunello mithalten kann mit dem der Winzerkollegen, die auf Pestizide und Herbizide setzen (und seine Arbeit zunächst einmal belächelt hatten)? «Der Weinbauer muss das geistige wie auch das seelische Rüstzeug besitzen, um während der Umwandlung der Trauben im Keller im Wein eine Harmonie entstehen zu lassen, die der Wein-Genießer später im Glas wiedererkennen kann», erläutert der Mann, der Pionier und Außenseiter zugleich zu sein scheint, seine ganzheitliche Sichtweise. Auch auf den Einsatz von Kupfer im Weinberg hatte er verzichten wollen, doch dann befiel der falsche Mehltau nach drei Jahren die Reben. Also wird im Weinberg Kupfer in homöopathischen Dosen gegen die Pilzgefahr verabreicht. Und ein wenig Schwefel für die Haltbarkeit des Weins muss sein.

Die Weinberge des Anwesens Corte Pavone liegen 500 Meter über dem Meeresspiegel und gehören damit zu den höchstgelegenen Montalcinos. Loackers Winzerkollegen meinten zunächst, auf dieser Höhenlage könne der hochwertige Klon Sangiovese Grosso für den Brunello gar nicht so gut gedeihen. «Doch diese Höhe kristallisiert sich angesichts des bevorstehenden Klimawandels mehr und mehr als Vorteil heraus», meint Loackers Mitarbeiterin Telsche Peters, man sei in die Spitzenklasse vorgestoßen. Sagt sie und genießt den Blick vom Weingut aus auf die Silhouette des gegenüberliegenden historischen Städtchens Montalcino. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

Zum Artikel über das Weingut Loacker in Südtirol:

Suedtirol.pdf395 Ki