13. Juli 2010

Böttcherhandwerk und Barrique-Weinfass

Nachwuchsmangel im Böttcher-Handwerk

Das Böttcherhandwerk ist in Deutschland selten. In Roßbach bei Naumburg im über 1000 Jahre alten Weinanbaugebiet Saale-Unstrut werden riesige Fässer gefertigt, die wie von selbst zusammenhalten.

«Die Arbeitsschritte sind die gleichen wie vor hundert Jahren», sagt Carsten Romberg und treibt mit einem Setzhammer einen Eisenreifen auf ein fast fertiges Holzfass. Allein durch den Druck - ohne Schrauben und Nägel - hält der Reifen die Längshölzer zusammen, die der Fachmann Dauben nennt. Sie sehen beeindruckend aus, die zwei riesigen, etwa 700 Kilogramm schweren Fässer, an denen der Böttcher in seiner Werkstatt in Roßbach bei Naumburg, nicht weit vom Thüringer Weinanbaugebiet in Bad Sulza, arbeitet: 2700 Liter Wein sollen darin jeweils einmal lagern.

Doch bis es so weit ist, sind pro Fass rund 120 Arbeitsstunden nötig. Nach Zuschnitt und Zusammenfügen der Dauben werden diese gebogen, also in die typische Form eines Fasses gebracht. Dafür wird dieses bis zu drei Stunden von innen mit Feuer erhitzt und von außen per Wasserschlauch feucht gehalten. Dann werden die Böden in mehreren Schritten passgenau angefertigt und später eingebaut.

Auf den Bau von Großfässern ist Romberg spezialisiert, der das uralte Traditionshandwerk des Böttchers noch ausübt. «Bis etwa Mitte vorigen Jahrhunderts, bevor der Kunststoff in Massen produziert wurde, gab es in jedem größeren Ort einen Böttcher.» Schließlich sei jeder, der etwas lagern musste - Bauern oder Metzger - darauf angewiesen gewesen.

In Deutschland gibt es derzeit nach Angaben des Verbands des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks rund 100 aktive Böttcherbetriebe. Neben der Renaissance des Barrique-Weinfasses werden neue Betätigungsfelder wie Holzbadewannen und Wellness- Ausstattungen nachgefragt. «Trotz der sehr guten beruflichen Perspektiven herrscht im Böttcher-Handwerk Nachwuchsmangel. Derzeit lernen bundesweit nur acht Auszubildende den Beruf», sagt der Bundesgeschäftsführer des Verbandes, Bernd Michael Mühleck.

Rombergs Eichenfässer, die zwischen 1200 und 4000 Liter fassen, seien gefragt. Es gebe in Deutschland nur wenige, die so große Fässer bauen würden. Auch die beliebten Barrique-Fässer mit einem Volumen von 225 Litern stellt der 44-Jährige her, daneben Saunabottiche, Pflanzkübel und Holzeimer. Für die Fässer verwendet er ausschließlich Eichenholz, das er aus dem Ziegelrodaer Forst, dem Spessart und dem Steigerwald bezieht. Beliefert werden vorwiegend Winzer in der Saale-Unstrut-Region, die sich vom Süden Sachsen-Anhalts bis nach Thüringen erstreckt.

Viele Winzer entdeckten die Vorteile von Holzfässern neu: «Besonders Rotwein reift darin besser, weil Sauerstoff hinein gelangt. Er wird runder und fruchtiger im Geschmack.» Wein aus einem Edelstahltank indes schmecke seiner Meinung nach immer jung und spritzig. (Antonie Städter, dpa)