BORDEAUX REPORT
03. April 2010

Bordeaux Jahrgang 2009

Bordeaux Latour Fotos: Norman Schmidt

Bordeaux Fotos: Norman Schmidt

Der große Bordeaux-Report: Nach dem sehr gelungenen Jahrgang 2008 verkosteten die Wein & Gourmetwelten den 2009er im Bordelais

Diesmal war ich sehr froh, die Jahrgänge direkt hintereinander im Bordelais verkosten zu können. Mit einer kleinen Berliner Truppe (Georg Mauer, Sebastian Raabe, Norman Schmidt, Christian Wilhelm, Marcel Runge, Thomas Frede, mein Kollege Martin S. Lambeck und ich) ging es für vier Tage durch das Bordelais, im Rahmen der Primeurs-Kampagne der Union des Grands Crus de Bordeaux.

 

Einen Tag weniger als im vergangenen Jahr. Daher mussten wir leider dieses Mal auf Graves und die Süßweine verzichten, sie passten nicht mehr in den extrem knappen Zeitplan.

Bereits im Vorfeld gab es einen ungewöhnlich einhelligen Hype um den Jahrgang, viele Experten erklärten 2009 zum Jahrhundert-Jahrgang. Nun, in jedem Fall waren die Trauben perfekt ausgereift und absolut gesund, was im Bordeaux nicht so oft vorkommt.

Und 2009 liefert wahre Tannin-Bomben mit knackiger Säure - also ein extremer Bordeaux-Spaß. Man kann eines mit Sicherheit sagen: kaufen!

Im Vergleich zum sensationellen 2005, den ich 2006 ebenfalls verkosten konnte, ist der 09er mindestens genauso gut, vielleicht besser. Einige mäkeln zwar, dass er zu alkoholisch und überreif sei (Merlot), das habe ich aber nur in wenigen Fällen negativ bemerkt.

Ich kann mich folgendem Konsens anschließen: in der Breite scheint 05 besser zu sein, in den Spitzen aber ist 09 einen deutlichen Zacken schärfer. Und damit in der Tat ein Ausnahme-Jahrgang!

Einige vergleichen 2009 mit dem 61er aufgrund seines extrem hohen Tanningehaltes und der Säure. Dem kann ich mich anschließen: die seidigen und geschliffenen Tannine und die animierende Säure werden für ein großes Alterungs-Potential des Jahrgangs sorgen.

Da die Weine in den meisten Fällen sehr gut balanciert sind und die Winzer inzwischen einen übereifrigen Holzeinsatz vermeiden, hat bereits die Verkostung Spaß gemacht. Im Gegensatz zum klassischen 2001er, den ich 2002 als extrem adstringierend, verschlossen und anstrengend empfand.

Eine ganze Palette von Weinen - eigentlich alle Premiers und Deuxiemes - sind absolute Highlights. Zu meinen Favoriten zählen die großen L's - Leoville Las Cases, Latour, Lafite (sie könnte ich mir kistenweise in den Keller legen), gefolgt von Cos d'Estournel, Margaux, Pape Clement, Palmer, Montrose und Mouton.

Aber auch die Weine der rechten Seite mit Vieux Chateau Certan, Ausone, Cheval Blanc, Canon und L'Evangile sind in perfektem Zustand. Alle im oberen Bereich der 95-100 Punkte.

Rund 400 Weine vom 09er konnten wir verkosten. Nicht dabei waren dieses Jahr Petrus, Le Pin, Haut Brion und La Mission Haut-Brion.

Welche Weine von mir 100 Punkte bekommen, steht in den kommen Tagen im Großen Bordeaux Report 2009 der Wein & Gourmetwelten.

Pauillac mit Latour, Lafite und Mouton

Saint-Julien mit Leoville Las Cases

Grüße, Niko

PS: Das phänomenale Restaurant Pressoir d'Argent im Hotel Regent Bordeaux hat jetzt seinen verdienten Michelinstern bekommen (Foto ganz unten: The Rezidor Hotel Group)