13. November 2014

Brandenburg Winzer erwarten gute Qualität des Jahrgangs 2014

Die Weinernte zwischen Töplitz, Werder und der Lausitz war in dieser Saison nicht so üppig

Im kommenden Jahr können Weintrinker auf einen guten 2014er Jahrgang aus Brandenburg in ihrem Glas hoffen. Die märkischen Winzer erwarten aus der diesjährigen Ernte qualitätsvolle Weine. «Die gelesene Menge mit 5000 bis 6000 Kilo Trauben pro Hektar Fläche ist durchschnittlich, die Qualität aber besser als in den Vorjahren», sagte Andreas Wobar, Leiter der Fachgruppe Weinbau, beim Gartenbauverband Berlin-Brandenburg.

Die Fachgruppe hatte sich Ende 2013 gegründet. Ihr gehören Winzer und auch Vereine an. Zusammen bewirtschaften sie 70 Prozent der märkischen Rebfläche, die gerade mal 30 Hektar umfasst. Die Weinlese ging im Oktober zu Ende.

«Der Herbst war nicht ideal», berichtete der Winzer Manfred Lindicke aus Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark). Anfang September habe es viel geregnet, was zu hoher Fäulnis geführt habe. «Mit der Qualität der geernteten Trauben sind wir aber sehr zufrieden.»

Bis Anfang Oktober hätten auf seinen Rebäckern täglich bis zu zehn Helfer rund 52 Tonnen rote und weiße Trauben gepflückt, etwas weniger als die erwarteten 54 Tonnen. Lindicke baut auf 7,6 Hektar Wein an - auf dem Wachtel- und dem Galgenberg. Er ist damit der Winzer mit dem größten Weinbergsbesitz in Brandenburg.

In der Lausitz machten Spätfröste im Mai den Winzern zu schaffen. «2014 ist ein etwas schwieriges Jahr», sagte ein Sprecher des Vereins Weinbau Guben (Spree-Neiße). Während im Vorjahr mit 9000 Kilo eine gute Ernte eingefahren wurde, waren es diesmal etwa 5000 Kilo Trauben. «Wir hoffen aber auf eine gute Qualität», betonte er. Der Verein baut vier Sorten roten und sieben Sorten weißen Wein an. Auf einem Hektar Fläche wachsen rund 4500 Rebstöcke.

Im Gegensatz dazu sprach Uta Kaufmann, Vorsitzende des Vereins Neuzeller Kloster-Winzer, von einer nicht so besonderen Ernte. Nur ein Drittel von dem, was die Hobbywinzer sonst pflücken, hätten sie diesmal lesen können, berichtete sie. «Das ist schon ärgerlich. Wir hatten viel Regen und viel Sonne, aber alles sehr extrem.» In den Vorjahren lag der Ertrag in Neuzelle (Oder-Spree) zwischen 350 und 400 Kilo Trauben.

Noch schlimmer erging es den Weinanbauern am nördlichsten Brandenburger Weinberg im uckermärkischen Annenwalde. Wie 1995 machten sich Naschkatzen über die Ernte her: In der Nacht vor dem Erntetag enterten Waschbären die Rebfläche und fraßen sie nahezu kahl. «Wir haben 500 Kilo Wein erwartet, bis einen Tag vor der Lese», sagte Hobby-Winzerin Christa Kothe.

Bis auf 80 Kilo holten die Eindringlinge alles herunter. Die Tiere krochen durch eine Delle in der Elektroabsperrung, die den Berg umgibt. «Der Wein sah so prächtig aus, was die Waschbären wohl auch fanden», meinte sie. Die Annenwalder produzieren nur einen Rotwein, aus der Rebsorte Regent. Im vergangenen Jahr waren es 180 Liter.

Verglichen mit anderen Wein anbauenden Bundesländern ist Brandenburg ein Zwerg. Die Rebfläche in Sachsen etwa beträgt rund 460 Hektar, die in Rheinhessen weit mehr als 25 000 Hektar. Aber auch in Brandenburg reicht die Geschichte des Weinbaus bis ins 12. Jahrhundert zurück. Mehr als 20 Traubensorten gedeihen hier heute in den Weinbergen, beispielsweise Müller-Thurgau und Dornfelder.

In den abgeernteten Weinbergen ist es mittlerweile ruhig geworden. Junge Rebstöcke werden angehäufelt, um die Veredlungsstelle vor Frost zu schützen. Vereinzelt gibt es noch Führungen durch die Anlagen. In den Kellern gärt der Wein in Tanks. «Das muss regelmäßig kontrolliert werden», erläuterte der Winzer Andreas Wobar. Der Wein müsse gefiltert, die Gärung gesteuert, die Vermarktung vorbereitet werden.

Sie beginnt im Frühjahr 2015. Am 8. Mai ist die Brandenburger Jungweinprobe in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) geplant. dpa