Reise
30. Juni 2009

Burgen der Niederlande

Übernachten in der Festung: Mehr als 200 Burgen und Schlösser gab es im Mittelalter rund um die niederländische Provinzhauptstadt Groningen

16 von ihnen haben die Jahrhunderte überstanden und sind heute Museum, Frühstückspension oder Maler-Atelier - wie zum Beispiel in dem kleinen Dorf Midwolda.    

Bilder, Bilder und nochmals Bilder: Hunderte Gemälde bewahrt die Künstlerin Maya Wildevuur in den hohen Räumen der Ennemaborg auf. «Am liebsten würde ich aus der Burg ein Museum machen», wünscht sich die Malerin, die seit Anfang der 90er Jahre auf dem Schlösschen lebt und arbeitet. Von ihren Reisen in alle Welt hat die Künstlerin viele Erinnerungsstücke mitgebracht und in dem hübschen Bau ausgestellt.    

Wenn die Burgfrau an den Wochenenden ihr Atelier öffnet, reisen Kunstsinnige aus halb Holland an und bewundern ihre farbenfrohen Werke. «Besonders schön ist es im Frühjahr und im Sommer, die Wiesen strahlen frisch und sattgrün», erzählt Maya Wildevuur. Dann findet sie auch ihre Lieblingsmotive wie den knallroten Mohn und die tiefblauen Kornblumen im Land rund um Groningen.    

Maya Wildevuurs Wohnsitz Ennemaborg wurde im 14. Jahrhundert errichtet und ist eine der 16 «Groninger Borgen», die wie Edelsteine in dem abgelegenen Landstrich im äußersten Nordosten der Niederlande glänzen. Mit ihren dicken Mauern und Wassergräben waren sie die Wohnsitze begüterter Bauern. «Und in manchen Fällen dienten sie wohlhabenden Handelsleuten aus Groningen als Sommerresidenzen», erläutert Ida M. Stamhuis, Direktorin der Menkemaborg in Uithuizen. Dabei war für die Städter eine Wochenendtour aufs Land alles andere als einfach: Bis im 19. Jahrhundert die erste Eisenbahnlinie gebaut wurde, reisten die Burgherren mühsam mit kleinen Booten auf schmalen Kanälen zu ihren Schlössern und burgähnlichen Besitztümern.    

Die Menkemaborg wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet und hat bewegte Zeiten hinter sich. «Viel wissen wir nicht über ihre Bewohner. Es waren wohl Landadelige, deren letzte Nachkommen die Burg im Jahr 1902 für immer verlassen haben», erzählt die Verwalterin. 1927 wurde das Gutsschlösschen zum Museum und zieht heute Jahr für Jahr mehrere zehntausend Besucher an. «Damen- und Herrenzimmer, die überdimensionale prachtvolle Wohnhalle und das Schlafzimmer sind so eingerichtet, als wären die Bewohner nur mal eben außer Haus und würden in der nächsten Stunde wieder eintreffen», erzählt Kunsthistorikerin Stamhuis. Als besonders wertvoll gilt die mittelalterliche Bettstatt mit chinesischen Seidendamaststoffen.    

Rings um den eleganten Backsteinbau mit dem Wassergraben wandeln die Besucher durch gepflegte Parkanlagen, die von knorrigen Buchen gegen die Winde der nahen Nordsee geschützt werden. Vor mehr als 200 Jahren wurde der Barockgarten im französischen Stil angelegt, heute ist er der einzige seiner Art im platten Land bei Groningen. Kräuter- und Obstgarten mit 15 Birnensorten begeistern die Pflanzenfreunde. Die jüngsten Besucher können sich im Labyrinth der hohen Buchenhecken verirren.    

Die Gärten der Groninger Burgen bergen viele Schätze. «Wir haben bei uns 50 Apfelsorten», erzählen Hilde und Dick Soek, die auf der Piloersemaborg in Den Ham Urlauber beherbergen. Fünf Gästezimmer sind in den ehemaligen Stallungen eingerichtet, das üppige Frühstück nehmen die Reisenden in der Bibliothek der Bauern-Burg ein. «Die meisten Reisenden kommen aus Amsterdam und Rotterdam und suchen die Ruhe», erzählt Dick Soek. So haben denn auch einige Zimmer weder Fernsehen, Radio und Minibar noch W-LAN für den Computer.    

Stattdessen bietet Chefkoch Soek seinen Gästen eine Tour durchs Groninger Land zu Bauern und Fischern an, die sein Sterne-Restaurant «Het Schathoes» am Schloss Verhildersum beliefern. Da geht es zur Aalräucherei von Geale Postma im Fischerdorf Zoutkamp, zur Besichtigung einer Schafskäserei und zum Windmüller im romantischen Flecken Feerwerd.    

«Willkommen im Jahr 1742» ist das Motto der Festungsstadt Bourtange, eine gute halbe Autostunde östlich von Groningen gelegen. Damals hatte die fünfeckige Festungsstadt nahe der deutschen Grenze ihre größte Ausdehnung. Bis zu 3000 Soldaten sollen von hier aus das Groninger Land verteidigt haben. Bis in die 60er Jahre verfiel die Anlage mit ihren Wassergräben, haushohen Erdwällen, Kanonen und einstigen Kommandeurshäusern mehr und mehr. Dann wurde 15 Jahre lang restauriert. Heute gibt die wehrhafte Festung, in deren Mauern noch 63 Bewohner leben, ein anschauliches Bild des Mittelalters ab.

«Slapen in de Vesting» in zwölf restaurierten Soldatenwohnungen ist ebenso möglich wie jeweils an einem Wochenende im April das Erlebnis eines nachgespielten mittelalterlichen Schlachtgetümmels. Viel friedlicher geht es zu bei den Brautpaaren, die sich in Bourtange das Jawort geben und bei Fackelschein in der romantischen Umgebung feiern. «Für die Hochzeiter schießen wir natürlich Salut», sagt Margriet van Klinken von der Vesting Bourtange. (Bernd F. Meier, dpa)   

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