Eine besonders starke Dynamik gab es in den letzten Jahren beim Anbau der weißen Burgundersorten, deren Rebflächen sich seit dem Jahr 2000 auf gut 18.000 Hektar verdreifacht haben.
Im mild-kühlen deutschen Klima finden die Burgundersorten hervorragende Wachstumsbedingungen. Dank der unterschiedlichen Terroirs von Baden bis zur Ahr und von der Mosel bis nach Sachsen bringen sie außergewöhnlich vielfältige Weine hervor.
Weiße Burgunder
Chardonnay
In Deutschland ist der Chardonnay seit 1991 für den Anbau zugelassen und erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit. Seine Rebfläche hat sich seit dem Jahr 2000 auf 3.000 Hektar verfünffacht. Weil die Sorte auch mit höheren Temperaturen zurechtkommt, ist sie gut an die veränderten Bedingungen durch den Klimawandel angepasst. Zudem eignet er sich auch sehr gut für die Versektung.
Die Chardonnays sowie die Pinots von Simone Adams gehören zu Deutschlands Spitzen-Riege (Foto: DWI)
Die hierzulande produzierten Weinqualitäten des Chardonnays finden in den letzten Jahren im eigenen Land wie auch international immer mehr Anerkennung. Jung und frisch bestechen sie mit Aromen, die an Birne, Melone, Apfel und exotische Früchte erinnern. In hochwertigen Weinen aus kleinen Holzfässern werden die Fruchtaromen durch Geschmackseindrücke von Butter, Brioche, Nuss und Vanille ergänzt.
Große Burgunder kommen aus dem Franken-Weingut Rudolf May in Retzstadt Foto: Gourmetwelten
Grauburgunder
Der Grauburgunder, international auch als Pinot Gris oder Pinot Grigio geläufig, fällt im Weinberg durch seine kompakten, malvenfarbigen Trauben auf, was unter anderem auf seine Mutation aus dem Spätburgunder zurückzuführen ist. Zarte Aromen mit Noten von reifen Birnen, Ananas, Quitte und grünen Nüssen zeichnen deutsche Grauburgunder aus.
Erstklassige Burgunder aus dem Weingut Christine Pröstler - Franken bietet nicht nur Silvaner Foto: Gourmetwelten
Der Grauburgunder ist hierzulande die bedeutendste weiße Burgundersorte. Seine Anbaufläche hat sich seit dem Jahr 2000 auf 8.400 Hektar verdreifacht. Damit ist er zur drittwichtigsten deutschen
Weißweinrebsorte avanciert. Vier Fünftel der Anbaufläche liegen in Baden (Kaiserstuhl), in Rheinhessen sowie in der Pfalz.
Weißburgunder
Der Weißburgunder, auch Pinot Blanc oder Pinot Bianco genannt, ist eine Mutation des Grauburgunders, die seit dem 14. Jahrhundert bekannt ist. Hierzulande bringt der Weißburgunder besonders filigrane Tropfen hervor, die mit zart nussigen Anklängen im Duft oftmals an Zitrusfrüchte, Birnen oder frische Äpfel erinnert.
Großartige Weiße Burgunder aus dem Weingut Juliusspital in Würzburg, so wie auch von den Kollegen im Bürgerspital und dem Staatlichen Hofkeller Foto: Gourmetwelten
Man findet ihn in allen deutschen Anbaugebieten, allen voran die Gebiete Rheinhessen, Baden und Pfalz, die drei Viertel der 6.400 Hektar großen Anbaufläche auf sich vereinen. Dort hat er vor allem auf kräftigeren Böden ausgezeichnete Anbaubedingungen.
Rote Burgunder
Spätburgunder
Verena Schöttle vom Rheingau-Weingut Chat Sauvage Foto: DWI
Der Spätburgunder (Pinot Noir und Pinot Nero) ist in seiner Eleganz und seinem hohen Anspruch an Boden und Klima das rote Gegenstück zum Riesling. Hierzulande wächst er bereits seit dem neunten Jahrhundert und ist die zweitwichtigste deutsche Rebsorte im Anbau. Man findet ihn auch als Rosé oder zum Winzersekt veredelt.
TOP-Niveau: Die Pinots vom Weingut Chat Sauvage (1. Platz beim Lagen-Cup Rotwein der Gourmetwelten 2020)
Mit einer Rebfläche von rund 11.500 Hektar ist Deutschland die weltweit drittgrößte Anbaunation für Spätburgunder nach Frankreich und den USA. In den kühleren deutschen Klimazonen reifen die Trauben langsamer und länger heran, was zu einer harmonischen Ausgewogenheit von Fruchtsäure und Aromen führt. Dank seinem Säuregerüst haben Spätburgunderweine ein großes Lagerpotenzial und schmecken auch nach vielen Jahren noch frisch. Der Spätburgunder spiegelt zudem sehr schön seine Herkunft im Geschmack wider. Aufgrund der unterschiedlichen Terroirs in den deutschen Weinbaugebieten ist die geschmackliche Vielfalt deutscher Spätburgunder ausgesprochen groß.
Kellermeisterin Kathrin Puff von Kloster Eberbach (Weingut des Jahres beim Rotwein-Cup der GOURMETWELTEN 2024) - der 2014er Berg Schlossberg Spätburgunder holte 96,2 Punkte
Erfolge auf internationalen Weinwettbewerben belegen zwischenzeitlich sehr eindrucksvoll die Konkurrenzfähigkeit deutscher Spätburgunder mit Vertretern aus anderen Provenienzen. Sie sind gleichzeitig Zeichen eines gestiegenen Qualitätsniveaus und der modernen Stilistik deutscher Spätburgunder, was sie mittlerweile zum Geheimtipp für Liebhaber dieser Sorte aus aller Welt macht.
Schwarzriesling
Auch bekannt als Müllerrebe oder Pinot Meunier, ist der Schwarzriesling eine rote Rebsorte aus der Burgunderfamilie, die vor allem in Württemberg und in der Champagne angebaut wird. Er wird allgemein als eine Mutation des Spätburgunders angesehen. Den Namen Müllerrebe verdankt er seinen stark weißlich behaarten Triebspitzen, die wie feiner Mehlstaub aussehen.
Reinsortig ausgebaut ist der Schwarzriesling eine deutsche Spezialität. Die feingliedrigen, fruchtigen Roten sind eher leicht mit milder Säure, weichen Tanninen und Aromen, die an Erdbeeren, Himbeeren, Süßkirschen und manchmal Granatapfel erinnern.
Burgunder aus Franken: Weingut Stich, Weingut Hench, Weingut Kremer, Sekthaus BurkhardtSchür Foto: Gourmetwelten
St. Laurent
St. Laurent Weine bestechen mit einer tiefroten bis violetten Farbe durch ihr intensives, fruchtiges Aroma, das typischerweise an Schwarzkirschen, Waldbeeren und Holunderbeeren erinnert. Sie eignen sich gut für den Ausbau im Barrique und verfügen dann über ein großes Lagerpotenzial.
Vermutlich verdankt die Sorte ihren Namen dem Kalenderheiligen St. Laurentius, der auch der Schutzpatron der Köche ist und dessen Festtag
mit dem traditionellen Reifebeginn der Traube (um den 10. August) zusammenfällt. Die Sorte wäre in den sechziger Jahren fast in Vergessenheit geraten, wurde aber in der Pfalz wiederentdeckt und wird aktuell hierzulande auf rund 550 Hektar vorzugsweise in der Pfalz und in Rheinhessen angebaut.
Frühburgunder
Weine der Sorte Frühburgunder gelten unter Burgunderfreunden als Geheimtipp. Die natürliche Mutation des Spätburgunders wächst auf nur 0,2 Prozent der deutschen Rebfläche, insbesondere in Rheinhessen, an der Ahr oder auch in der Pfalz. Die Trauben reifen, wie der Name es bereits andeutet, deutlich früher als der Spätburgunder aus. Der Frühburgunder bringt samtige, vollmundige, oft gehaltvolle Rotweine hervor, die im Duft an Schwarzkirsche, Brombeere, schwarze Johannisbeere oder Himbeere erinnern.
Das Burgunderwunder im Rheingau gibt es schon länger!



