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15. August 2009

Buschenweihe an Mariä Himmelfahrt

Mariä Himmelfahrt gilt als der Große Frauentag am heutigen 15. August. Eine alte Bauernregel sagt: Ist es zu Maria Himmelfahrt klarer Sonnenschein, so bringt das meist viel und guten Wein

Neben den großen Wallfahrten an diesem Tag werden in fast allen Kirchen Kräuterbüschel geweiht. Diese Tradition geht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Der schwäbische Heimatpfleger Walter Pötzl zitiert dafür die ältesten erhaltenen Weihegebete aus einer Augsburger Handschrift. Das erste Gebet preist Gott als Schöpfer der Kräuter zum Nutzen der Menschen, das zweite Gebet hebt die medizinische Wirkung der Kräuter hervor. Die Kräuterweihe erscheint nach Pötzls Angaben als Antwort der Kirche auf vorchristliche, heidnische Praktiken, Kräuter zu sammeln und ihnen durch Zeremonien zauberhafte Wirkung zuzusprechen.

Die Zusammensetzung der Kräuter für die Weihe an Mariä Himmelfahrt schwankt bis heute von Region zu Region. Bestimmte Heilpflanzen gehören aber über Jahrhunderte zu den «Buschen», wie die gebundenen Sträuße genannt werden. Immer wieder tauchen die Namen Engelwurz, Erdrauch, Hornklee, Johanniskraut, Kornblume, Ringelblume, Wermut, Tausendgüldenkraut, Königskerze, Kamille und Baldrian auf. Heute werden die Kräuter mit Blumen oder Getreidesorten ergänzt. In manchen Regionen sollen die Kräuterbüschel eine bestimmte Anzahl von Pflanzen haben: neun, zwölf oder sogar 77 oder 99 Kräuter. Diese Zahlen stehen aber meist symbolisch für besonders große Buschen.

Nach dem Augsburger Segensgebet, das in Bayern über Jahrhunderte gesprochen wurde, hat Gott den Kräutern Heilkraft verliehen. Nach der Weihe in der Kirche streuten die Bauern die Kräuter ins Tierfutter, um Rinder, Pferde und Geflügel vor Krankheiten zu schützen. Bei Gewittern wurden die Kräuter mit dem Glauben ins offene Herdfeuer geworfen, um dadurch Blitzschlag abwenden zu können. Noch heute werden die geweihten Büschel in manche Ställe gehängt. Meist aber finden sie ihren Platz in den Hergottswinkeln der Bauernstuben. Nach alten Rezepten wurden aus den Kräutern auch Säfte, Tees, Tinkturen und Salben zubereitet und gegen Krankheiten eingesetzt.

Der besondere Bezug des Feiertages zu Kräuter und Blumen leitet sich aus dem mittelalterlichen Hohen Lied ab, in dem Maria als «Blume des Feldes» und «Lilie der Täler» bezeichnet wird. Einer berühmten Legende nach soll Maria Rosen und wundersam duftende Kräuter hinterlassen haben, als sie aus ihrem Grab gestiegen sei. Im Volksglauben war die Auffassung verwurzelt, eine Woche nach Mariä Himmelfahrt würden die geweihten Kräuter ihre stärkste Wirkung entwickeln. Kenntnis über die tatsächliche Heilkraft mancher Pflanzen und schlichter Aberglaube ergänzten sich dabei.

Mit dem Marienfeiertag am 15. August beginnt eine besondere Zeit der Marienverehrung, der sogenannte Frauendreißiger. 30 Tage lang werden bis zum 12. September an Marienwallfahrtsorten täglich bei Andachten Fürbitten und Rosenkränze gebetet. Mit dem Marienfest Mitte August geht der Hochsommer langsam seinem Ende zu. Eine alte Bauernregel sagt: «Ist es zu Maria Himmelfahrt klarer Sonnenschein, so bringt das meist viel und guten Wein.» dpa