LIFESTYLE
03. August 2009

Champagner: Korken oder Kapsel?

Neuer Champagnerverschluss erinnert an Kronkorken einer Bierflasche und hat den Öffner in Hebelform gleich mit eingebaut

«Plopp» muss es machen, wenn eine Flasche Champagner geöffnet wird. Wer darin nicht geübt ist, dem fliegt der Korken auch schon mal unkontrolliert aus der Flasche quer durch den Raum. Das soll ein neues Verschlussmodell künftig verhindern. Doch die jüngste Erfindung eines französischen Herstellers bringt die traditionelle Champagnerwelt zum Schäumen. «Champagner muss einen pilzförmigen Korken haben», bekräftigt Pascal Wattiez von der regionalen Wettbewerbsbehörde. «Das ist seit Jahren auf europäischer Ebene so geregelt», fügt er hinzu.

Der Verpackungshersteller Alcan hat kürzlich einen Champagnerverschluss vorgestellt, der an den Kronkorken einer Bierflasche erinnert - mit dem Unterschied, dass er den Öffner in Hebelform gleich mit eingebaut hat. Das Ganze ist wie bei anderen Champagnerflaschen auch edel mit einer Metallfolie umgeben, so dass die neue Verpackung auf den ersten Blick gar nicht weiter auffällt.

«Auf diese Weise lassen sich die Flaschen vier Mal so schnell öffnen wie zuvor, und ungefährlicher ist es auch», sagt eine Unternehmenssprecherin. Das sei vor allem im Gastgewerbe ein großer Vorteil. «Außerdem ist ausgeschlossen, dass der Champagner nach Korken schmeckt», sagt sie. Die Entwickler hätten besonderen Wert darauf gelegt, dass das typische «Plopp»-Geräusch erhalten bleibe.

Bislang hat sich nur ein einziges Champagner-Haus auf das Experiment eingelassen. Der Produzent Duval-Leroy hat seinen «Clos des Bouveries Vintage 2004» mit Kapselverschlüssen versehen. Auf dem Markt sind die Flaschen allerdings noch nicht. Derzeit prüfen die französischen Behörden, ob die Verschlüsse den Vorschriften entsprechen. Mit einem Urteil ist Mitte August zu rechnen - und voraussichtlich fällt es negativ aus, denn «pilzförmig» sind die neuen Verschlüsse nicht.

Dabei ist es gar nicht so abwegig, Champagner mit Kronkorken zu verschließen. Während der Champagner im Keller reift, tragen die Flaschen grundsätzlich metallene Kapselverschlüsse. Erst wenn der Gärungsprozess abgeschlossen und die abgelagerte Hefe entfernt ist, wird der Kapselverschluss durch den klassischen Korken ersetzt. Dieser anfänglich zylinderförmige Korken erhält seine Pilzform dadurch, dass der untere Teil mit der Flüssigkeit in Berührung kommt.

Ähnlich wie beim Wein ist der französische Genießer Neuerungen gegenüber höchst skeptisch. Zwar gibt es längst Wein im Pappkarton, mit Plastikkorken und Schraubverschlüssen - doch bei Qualitätsprodukten setzen Hersteller fast immer auf Tradition. Eine Ausnahme bilden allerdings die kleinen Champagnerflaschen mit 0,2 Litern, die beispielsweise von Fluggesellschaften serviert werden.

Die Zielgruppe für die neuen Verschlüsse ist wohl am ehesten in der Gastronomie zu suchen, wo große Mengen an Flaschen geöffnet werden - ohne dass jemand genau hinschaut und den klassischen Korken vermissen könnte.

Ein Problem löst allerdings auch der Hebelverschluss nicht: Wenn die Flasche einmal geöffnet ist, dann kann sie nicht wieder damit verschlossen werden. Und anstatt Gerüchten zu trauen, dass ein Silberlöffel im Flaschenhals den Sekt frisch halten könnte, empfiehlt sich nur eins: die Flasche auszutrinken. dpa

Niko meint: Seit langem bin ich ein Verfechter von Schraubverschluss/Stelvin auf Weinflaschen. Endlich Schluss mit den Mufftönen, die neben dem Korkschmecker nochmals über 20 Prozent der Produktion ausmachen können.

Bei Champagner bin ich konservativ. Es würde mir fehlen, den Korken durch den Kronleuchter zu jagen oder beim romantischen Dinner auf das aufregende Ploppen zu verzichten. Das kann kein Kronkorken ersetzen.