08. Mai 2010

Chinarestaurant Selig in Berlin

Mit Schiller im China-Restaurant Selig in Berlin

Endlich ein Chinese, der den Begriff der Gastfreudschaft hochhält: Langnasen auch ohne chinesische Begleitung wie normale Gäste behandelt und dabei authentische Küche präsentiert.

Eigentlich hieß das Chinarestaurant "Rote Laterne", wegen des Sex Kinos auf der anderen Straßenseite besann man sich auf einen neuen Namen mit Anspruch. Selig, der Name hat mit Glück zu tun, erläutert der Besitzer und selig verlassen eigentlich alle, das kleine Lokal.

Kein China Kitsch, klare Linien und Formen, ein großes, langes Aquarium mit putzmunteren Kois und ein riesiges Foto mit der Belegschaft der Energieversorgungsgesellschaft von Shuangyuan.

Der Fotograf ist international bekannt: Zhang Hui. All das zeigt die Intention: Gradlinigkeit, Konzentration auf das Wesentliche, auf die Kunst der nordwestchinesischen Küche von Lanzhou.

Ein Feuerwerk für die Geschmacksknospen: zunächst der Renner, die selbstgemachten Bandnudeln in einer kräftigen Brühe mit großen Rindfleischscheiben und Frühlingszwiebeln. Großzügige Sättigung für hungrige Mäuler. Aber auch das andere Angebot kann sich schmecken lassen: frischer Quallensalat mit Chinakohl, kein Pamps oder glibberiger Matsch, sondern knackige Meeresfrische.

Die gebackene Bauernente knuspert lecker vor sich in, der "Traum der roten Kammer" entpuppt sich als Schweinefleisch mit Paprika, Erbsen, Nudeln oder Reis. Wer das chinesische Nationalgericht "Jiao-Zi" auslässt, die mit Schweinefleisch und Chinakohl gefüllten Teigtaschen, versündigt sich an Lao-Tse.

Das überwiegend jugendliche Publikum genießt und erlebt dazu Ungewöhnliches für ein China Restaurant: offene Weine von guter Qualität aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Übersee. Sechs Weiße und sechs Rote.

"Little Chinatown" in der Kantstraße hat einen selig machenden Favoriten.

Euer Jürgen Schiller

Selig, Kantstr. 51, 10625 Berlin, Tel: 030/31 01 72 41

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