REISE
03. August 2010

Cineasten-Trip nach Barcelona

Stadttour zu den Drehorten: Pedro Almodóvar, Daniel Brühl, Penélope Cruz, Javier Bardem, Dustin Hoffman, Scarlett Johannson und Woody Allen haben Filme in Barcelona gedreht

Wer durch Barcelona schlendert, stößt überall auf Schauplätze, die er aus dem Kino kennt. Auf Film-Stadttouren erfahren Besucher, durch welche Gassen Jean-Baptiste Grenouille das Mirabellenmädchen jagte und wo Javier Bardem die schöne Scarlett Johannson zum ersten Mal traf. Auf thematischen Stadtführungen kann man die beliebtesten Drehorte kennenlernen - und die eine oder andere Anekdote zu den Dreharbeiten in der spanischen Mittelmeermetropole hören.

Als Treffpunkt hat Reiseführerin Cristina Belenguer nicht zufällig die Kolumbusstatue gewählt. Das imposante Monument liegt nicht nur strategisch günstig im Zentrum, es ist auch in eine wunderschöne Umgebung gebettet. Blickt er nach Osten, sieht der Besucher den lebhaften Hafen von Barcelona mit Tausenden von Segelbooten, Yachten und Kreuzfahrtschiffen. Gen Süd erblickt man den Berg von Montjuïc mit seiner Festung und den Sportanlagen der Olympischen Sommerspiele von 1992.

Die Seilbahn vom Berg über den Hafen bis zum ehemaligen Fischerviertel Barceloneta verläuft ganz nahe an der Kolumbusstatue vorbei. Richtung Westen blickt der Besucher Barcelonas Prachtallee, die Ramblas, hinauf. Und gen Norden erstreckt sich der palmengerahmte Passeig de Colom.    

«Ich möchte Sie heute auf eine ganz besondere Stadtführung einladen», hebt Cristina Belenguer an. «Regisseure haben häufig einen guten Blick für schöne, interessante, aber nicht immer unbedingt offensichtliche Dinge», erklärt Belenguer. «Deshalb wollen wir heute Barcelona mal ganz neu kennenlernen und zwar anhand der beliebtesten Drehorte großer Filmemacher.»    

Doch bevor es auf den Spuren Pedro Almodóvars, Tom Tykwers und Woody Allens durch die spanische Hafenstadt geht, möchte sie noch ein paar Dinge darüber erzählen, warum selbst international berühmte Filmemacher sich immer wieder in Barcelona verlieben. Es sei die Kombination aus Hafenambiente, Metropole, den fantasievollen Gebäuden großartiger Architekten wie Antonio Gaudí und der Mix aus Design und Moderne inmitten alter Stadtviertel wie dem Barrio Gótico, einem der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtviertel Europas. In Barcelona befinden sich von der Romanik über die Gotik bis zur Postmoderne einfach alle wichtigen Architekturstile, die sich ein Regisseur nur wünschen kann.    

Aus diesem Grunde werden in Barcelona jährlich bis zu 100 Kinofilme, Fernsehserien und Werbespots gedreht. 1896 entstand hier die erste spanische Filmproduktion. Vor allem Filmemacher, die mittelalterliche Stadtkulissen brauchen, drehen gerne in Barcelona. So hat 2006 auch Regisseur Tom Tykwer fast seinen gesamten Film «Das Parfüm» mit Dustin Hoffmann in Barcelona drehen lassen. Hier war es am einfachsten, das mittelalterliche Paris und Grasse entstehen zu lassen, erklärt Belenguer in Spanisch und perfektem Deutsch.    

Ihre Begeisterung für die Filmstadt Barcelona springt schnell auf die Besucher über. Man merkt der 27 Jahre alten Katalanin an, dass sie eine Cineastin ist. Belenguer studierte Film- und Medienwissenschaften in Barcelona und Berlin und hat den zweieinhalbstündigen Filmrundgang selbst vor zwei Jahren entworfen.    

Der Startpunkt der Tour, die Kolumbusstatue, diente Pedro Almodóvar in seinem Film «Alles über meine Mutter» ebenfalls als erste Kulisse. Über den Passeig de Colom geht es zu Fuß zur nahen Plaça del Duc de Medinaceli. In der Mitte sprudelt ein Neptunbrunnen. Der niedliche Platz ist umgeben von prachtvollen, aber heruntergekommenen Häuserfassaden.    

Belenguer holt die Fotos der Filmszene aus «Alles über meine Mutter» heraus. «Erinnern Sie sich an diese Szene? Hier trifft Penélope Cruz als ehemalige Nonne zum ersten Mal ihren an Alzheimer erkrankten Vater, der mit seinem Hund über den Platz spazieren geht.» Einige der spanischen Tourmitglieder waren schon mehrmals in Barcelona. Diesen Platz, der sich ganz in der Nähe der Ramblas am Hafen befindet, kannten sie allerdings noch nicht.    

Belenguer führt ihre Gruppe weiter durch eine enge Altstadtgasse zur Plaça de la Mercè. «Können Sie sich vorstellen, wie es hier gestunken haben muss, als auf dem riesigen Platz rund zwei Tonnen stinkender Fisch auf dem Boden verteilt wurden?», fragt sie in die Runde. Der Übeltäter war Starregisseur Tom Tykwer, Anlass war die Verfilmung des Bestsellers «Das Parfüm».    

Tykwer brauchte den Fisch, um die Plaça de la Mercè glaubhaft in einen stinkenden mittelalterlichen Markt umzuwandeln, die Geburtsstätte des Geruchsgenies und späteren Frauenmörders Jean-Baptiste Grenouille. Wer genau hinschaut, erkennt die Kirchenwände im Film wieder und sieht, dass einige der modernen Fassaden mit ihren Elektrokabeln verdeckt wurden.    

Fast alle Stadtszenen aus «Das Parfüm» wurden in Barcelona gedreht. Tykwer musste die Plätze, verwinkelten Gassen und arkadengesäumten Alleen kaum verändern, um das Paris und das Grasse des 18. Jahrhunderts nachzustellen. Wieder zeigt Belenguer Fotos der Filmszene, um den Tourteilnehmern das Wiedererkennen zu erleichtern.    

Über die schöne Plaça del Rei, die im Mittelalter als Arena für Stierkämpfe und Hexenverbrennungen diente, führt Belenguer ihre Gruppe zu einem Laden, den man alleine niemals finden würde. Die Herbosteria del Rey, das älteste Reformhaus der Stadt, stellte in «Das Parfüm» das Geschäft des Parfümeurs Baldini dar. Der Laden aus dem Jahre 1823 ist eine Welt für sich, ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit.    

Es duftet nach Lavendel, Salbei und Eukalyptus. Die alten Regale, mit Holzschnitzereien verziert, sind vollgepackt mit Kräutertees, Gewürzen und Kerzen. In der Mitte des Ladens steht ein kleiner, kunstvoll verzierter Brunnen. Ihn wollten die Dekorateure nicht im Bild haben, erinnert sich Ladenbesitzerin Trinidad Sabates.    

Eine ganze Woche hätten sie ihren Laden auf den Kopf gestellt, um dann nur zwei Tage zu drehen. Aber sie ist daran gewöhnt, es war nicht das erste Mal, dass ihr Laden als Filmkulisse benutzt wurde. Außerdem seien die Dekorateure sehr nett gewesen und hätten ihr ein tolles Geschenk gemacht. Sie verschwindet kurz hinterm Tresen und zeigt den Touristen stolz die beiden Parfümfläschchen «Amor und Psyche».    

Über die Carrer de Ferran und die Carrer del Bisbe geht es weiter bis zur Plaça de Sant Felip Neri. Es ist der gleiche Weg, den auch Jean-Baptiste Grenouille auf der Suche nach dem Mirabellenmädchen nimmt, bevor er es tötet. Auf den Fotos der Filmszenen lässt sich alles genau wiedererkennen, auch der schlichte Brunnen zwischen den großen Bäumen. Den meisten Barcelona-Touristen bleibt der Platz unbekannt, doch auch Woody Allen schätzte ihn als Schauplatz. Hier ließ er in seiner Komödie «Vicky, Cristina, Barcelona» Penélope Cruz und Scarlett Johannson auf der Terrasse des Platzes einen Café con leche trinken. Auch zahlreiche Filmszenen aus Streifen über den spanischen Bürgerkrieg wurden hier gedreht.    

Nicht weit von hier befindet sich das traditionelle Lokal «Quatre Gats», in dem Woody Allen erstmals Javier Bardem auf Scarlett Johannson treffen lässt. Im Film funkt es zwischen der verführerischen Blondine und dem Oscar-gekrönten spanischen Schauspieler. Im wirklichen Leben lernten sich bei den Dreharbeiten Javier Bardem und Penélope Cruz lieben, die im Streifen seine Ex-Frau spielt - und seit Mitte Juli nun tatsächlich seine Ehefrau ist. Das «Quatre Gats» hat eine besondere Ausstrahlung, jahrzehntelang trafen sich hier Barcelons Künstler, Poeten und Intellektuelle. Auch Pablo Picasso war Stammkunde, seine ersten Bilder befestigte er hier mit Heftzwecken an der Wand.    

Doch Barcelona ist natürlich nicht nur das Barrio Gótico, das gotische Altstadtviertel. Allen und Almodóvar schätzten die fantasievollen Architektur-Kunstwerke Antonio Gaudis wie seine Casa Mila, die Sagrada Familia Kirche, das Wahrzeichen der Stadt, oder der Parc Güell als Drehplätze, Tom Tykwer inszenierte im Museumsdorf Poble Espanyol auf dem Stadtberg Montjuïc die große Schlussszene: die Hinrichtung des Mörders, die zur Massenekstase gerät.

Eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, in der Hafengegend, filmte Cédric Klapisch viele Szenen seiner Komödie «L'auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr». Natürlich hängen die Protagonisten der bunten Erasmus-Studenten-WG bevorzug am Stadtstrand der Barceloneta ab, an dem Woody Allen auch Scarlett Johannson vorbeischlendern lässt.    

«Viele Drehorte waren uns schon bekannt, aber wir kannten die interessanten Anekdoten der Filmdrehs nicht», sagen Neus Callis und Xavier Planas. «Andere Gebäude oder Straßen haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen oder waren uns zumindest nicht bewusst, wie schön sie eigentlich sind. Dabei kommen wir aus Barcelona.» (Manuel Meyer, dpa)

Reise nach Barcelona

REISEZIEL: Barcelona ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Spaniens. Die katalanische Provinzhauptstadt liegt im Osten Spaniens an der Grenze zu Frankreich am Mittelmeer.    

ANREISE: Es gibt von fast allen großen deutschen Flughäfen direkte Verbindungen nach Barcelona. Für die Einreise reicht ein gültiger Personalausweis.    

UNTERKUNFT: Das Hotelangebot reicht von Jugendherbergen über günstige Pensionen bis hin zu teuren 5-Sterne Hotels. www.barcelonaturisme.com