BARS & DRINKS
27. April 2009

Cognac hat Comeback als Longdrink

Die Rapper haben es möglich gemacht: Cognac kommt als spritziger Longdrink zurück, mit Tonic-Water oder Ginger Ale sowie als exotischer Cocktail mit Limonen, Ingwer, Zitronenlimonade und Gurkenschale

Die südwestfranzösische Stadt Cognac riecht wie eine einzige große Destillerie. Der Ort, 90 Minuten nördlich von Bordeaux am Fluss Charente gelegen, gab dem weltberühmten Weinbrand seinen Namen. Seit Jahrhunderten leben die Bewohner der umliegenden Weinbauregion von der bernsteinfarbenen Spirituose. «Wir haben Cognac in den Venen», sagt Michel Vallet von Château de Montifaud in Jarnac. Tradition und Ausdauer haben in den Cognac-Häusern noch immer einen besonderen Wert. Denn Cognac muss reifen - mancher jahrzehntelang.          

Vor genau hundert Jahren wurde das Anbau- und Produktionsgebiet gesetzlich festgelegt. Nur Weinbrand aus dieser Region darf Cognac heißen. Später wurde das Gebiet in sechs Lagen unterteilt. Sie unterscheiden sich durch die dort erzeugten Grundweine und stehen damit für unterschiedliche Gütesiegel des Cognacs. Nach Angaben des Berufsverbandes «Bureau National Interprofessionnel du Cognac» (BNIC) dienen 95 Prozent der gesamten Rebfläche von 78.000 Hektar der Cognac-Herstellung.    

In den Kellern berühmter Häuser wie Hennessy, Remy Martin oder Courvoisier lagern in Millionen Fässern die größten Branntwein-Bestände der Welt. Bei manchen warten rare Schätze aus dem 19. Jahrhundert in von Spinnweben umhüllten Ballonflaschen auf ihre Stunde. Mit ihnen werden heute feinste Cognac-Verschnitte abgerundet.    

«Vermählen» wird die Kunst des Kellermeisters genannt, aus vielen verschiedenen Branntweinen die perfekte Komposition zu erschaffen. Das Ergebnis wird je nach Lagerung klassifiziert. Dabei bestimmt das jüngste Destillat das Alter. «Very special» (VS) ruhte mindestens zwei Jahre im Fass, «very superior old pale» (VSOP) vier Jahre oder mehr. Cognac mit der Bezeichnung «extra old» (XO) schließlich ist sechs bis vierzig Jahre lang gereift.

    Jean-Marc Olivier von Courvoisier in Jarnac empfiehlt nur die ältesten Brände: «Cognac sollte mindestens sechs Jahre alt sein.» Denn mit zunehmendem Alter werde das Aroma differenzierter, der Geschmack des Holzes und des Destillats balancierten sich aus. Auch brauchen ältere Cognacs keinen Karamellzusatz mehr für die charakteristische Bernsteinfarbe. Das Holz hat das seinige getan. Bei jüngeren darf der Kellermeister nachhelfen. Die Farbe sei kein Qualitätskriterium, erklärt David Ecobichon vom Cognac Büro in Reutlingen.

   Alle Schritte der Cognac-Herstellung unterliegen strengen Regeln, deren Einhaltung vom BNIC überwacht wird. Auf diese Weise sichert sich die Branche seit 100 Jahren die Exklusivität ihrer Spirituose, die weltweit zusammen mit Champagner als Inbegriff französischer Trink-Kultur gilt. Die meisten Franzosen verschmähen das edle Getränk allerdings. Cognac war und ist hauptsächlich ein Exportprodukt. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des BNIC mehr als 96 Prozent außerhalb Frankreichs verkauft.    

Deutschland ist mit etwa sieben Millionen verkauften Flaschen nur ein kleines Licht am Cognac-Himmel. Manche zelebrieren noch das Cognac-Trinken nach dem Essen. Doch die meisten Deutschen kennen die französische Branntwein-Ikone nur dem Namen nach. «Den Jüngeren sagt Cognac nichts mehr», erklärt Stefan Gabányi, Barkeeper in «Schumann's Bar» in München. «Das Image, dass Cognac die Spitze der Spirituosen ist, gibt es heute nicht mehr.»    

Dass ausgerechnet Rapper die Edelspirituose in den USA wieder populär gemacht haben, mutet hierzulande kurios an. Rezepte gegen das etwas altbackene Image der Edelspirituose in Europa sollen nun spritzige Longdrinks mit Tonic-Water oder Ginger Ale sowie exotische Cocktails mit Limonen, frischem Ingwer, Zitronenlimonade und Gurkenschale sein. «Die Zukunft des Cognacs liegt nicht im Digestif», sagt Jérôme Durand vom BNIC. Außerhalb Europas wird der französische Exportschlager vorwiegend verdünnt getrunken - in Fernost mit Wasser, in den USA mit Cola.    

Passé ist auch das traditionelle Ballon-Glas, in dem einst distinguierte Herren im Ledersessel vor dem Kamin die Spirituose schwenkten. Sommeliers und Verkoster aus aller Welt sowie Kellermeister der Cognac-Branche haben Anfang des Jahres die Tulpe als die beste Form des Cognac-Glases auserkoren. Gänzlich verpönt ist das Anwärmen der Spirituose. Raumtemperatur gilt als optimal. Für Longdrinks und Cocktails darf es auch um einiges kühler sein. (Heidemarie Pütz/dpa)