23. Juli 2009

Das Grill-Geschäft brummt

Das Geschäft in der millionenschweren Branche für den Fleischgenuss unter freiem Himmel läuft äußerst stabil. Trotz Wirtschaftskrise werden Gewinne erwartet

«Sowohl die Holzkohleanbieter als auch die Anzündindustrie und die Geräteanbieter, alle sagen: "Das Geschäft brummt."», berichtet der Verbandsvorsitzende der Grillindustrie, Hans Jo Appold. Der Barbecue Industry Association Grillverband (BIAG) mit Sitz im hessischen Hanau geht nach bereits sehr guten Geschäften im Frühjahr aufs Jahr gerechnet von Umsatzsteigerungen aus. In den vergangenen beiden Jahren seien mit Grills und Zubehör wie Kohle oder Anzündern Erlöse von jeweils rund 400 Millionen Euro erwirtschaftet worden.

Einige erkennen in der Wirtschaftskrise sogar positive Effekte für die Grillbranche. «Es bekunden ja viele, Urlaub auf Balkonien machen zu wollen», sagt der Sprecher der REWE-Group (REWE, toom, Penny), Andreas Krämer. Sollten viele Menschen auf kostspielige Reisen verzichten und stattdessen die Ferien im heimischen Garten verbringen, könnte das nicht nur den Gerätemarkt weiter ankurbeln, sondern auch den Fleischabsatz in Supermärkten erhöhen.

Krämer wartet gespannt auf den Beginn der Sommerferien am Donnerstag in den ersten vier Bundesländern. Bisher sei REWE mit dem Absatz zufrieden, der sich jährlich auf eine fünfstellige Tonnenzahl belaufe. Topseller seien wie immer Bratwurst, Hüft- und Nackensteaks. Zudem sei mageres Fleisch wie Hühnchen in Joghurt-Marinade gefragt.

Auch bei den Marktführern der Grillanbieter ist von Krise nichts zu spüren. «Wir erwarten, trotz Rezession, in diesem Jahr ein deutlich zweistelliges Wachstum», sagt Weber-Stephen-Geschäftsführer Hans-Jürgen Herr. Der deutsche Ableger des US-Branchenriesen in Ingelheim am Rhein hat seine Beschäftigtenzahl in diesem Jahr um zehn Prozent erhöht. Landmann-Peiga in Osterholz-Scharmbeck jedoch will mittelfristige Krisenfolgen nicht ausschließen. Verbraucher könnten teurere Geräte länger nutzen, um Geld zu sparen, fürchtet Geschäftsführer Kai van der Marel.

Nach BIAG-Angaben investieren die Deutschen jährlich rund 240 Millionen Euro in neue Grills. Vorn liegt noch immer mit Abstand der Holzkohlegrill. Fast 2,75 Millionen Stück seien 2007 verkauft worden. Dahinter folgt der Einweggrill mit einem Absatz von 2 Millionen Exemplaren, dann der Elektro- (1,0 Mio) und der Gasgrill (0,5 Mio). Der Trend geht zum Gas. «Im letzten Jahr hat das Grillen mit Gas ganz enorm zugenommen», sagt Appold. «Immer mehr Leute suchen die Bequemlichkeit.»

Appold bremst jedoch die Euphorie in der Grillindustrie. Größere Gewinne seien nicht unbedingt zu erwarten, weil gerade die Anbieter im unteren Preissegment «gewaltig unter Druck geraten». Immer mehr Bau- und Supermärkte importierten selbst günstig produzierte Blechkonstruktionen aus China.

Auch Landmann-Peiga lässt 95 Prozent seiner Geräte in Fernost fertigen. Konzipiert werden sie in Deutschland. Im Land der Bratwurst gibt es nur noch wenige Grillhersteller. Der größte Produzent Thüros setzt auf hochwertiges Material, um sich von der asiatischen Konkurrenz abzusetzen. Das Unternehmen mit Sitz im thüringischen Georgenthal baut täglich 1000 Edelstahlgeräte.

Im laufenden Jahr rechnet Thüros-Geschäftsführer Peter Schneider mit einer zehnprozentigen Absatzsteigerung und einem deutlichen Gewinn. «Für 150 Euro mit der Familie jedes Wochenende ins Restaurant zu gehen», sei nicht für jeden bezahlbar. Daher werde noch mehr gegrillt als früher.

Dennoch hat Thüros nach dem Vorbild der kriselnden Autobranche eine «Abwrackprämie» von zehn Euro für alte Grillgeräte beim Kauf eines neuen Modells ins Leben gerufen. Mit Erfolg: Nach zwei Monaten seien bereits sieben Container mit ausgedienten Grills gefüllt. dpa