HOTELS
11. März 2010

Das Hotel Adlon und der Jagdfeld-Krimi um Fundus in Berlin

Die Rebellen des Adlon Fundus-Fonds proben in Berlin erneut den Aufstand

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Zoff hinter den Kulissen des Berliner Adlon-Hotels: Erneut proben die Anleger des sogenannten Fundus-Fonds 31, dem die Hotelimmobilie gehört, den Aufstand. Dabei geht es aber nicht um den Betrieb der Luxusherberge direkt neben dem Brandenburger Tor, die zur Kempinski-Gruppe gehört.

Die Gesellschafter streiten sich vielmehr mit dem Initiator des Fonds, Anno August Jagdfeld. Dieser bittet die rund 5000 Geldgeber, die einst rund 223 Millionen Euro in das Hotel investierten, zum zweiten Mal um einen Pachtverzicht für die Restaurants der Adlon-Holding auf der Rückseite des Hotels.

Schon im vergangenen Jahr hatte Jagdfeld mit einem ähnlichen Ansinnen heftigen Zorn auf sich gezogen. Nun lädt er am 17. März zu einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung nach Berlin ein.

Pikant ist die Geschichte deswegen, weil Jagdfeld von dem Pachtverzicht profitiert und das auf Kosten eines Fonds, den er selbst aufgelegt hat und dessen Geschäftsführer er ist. Die Adlon Holding, eine Fundus-Tochter, die auf der Rückseite des Hotels die Restaurants Ma, Uma, Gabriele und Felix, einen Luxus-Spa, eine Weinhandlung und einen China-Club betreibt, soll im vergangenen Jahr Verluste von mindestens zwei Millionen Euro geschrieben haben. Eigner dieser Tochter ist die Familie Jagdfelds, sein Sohn Julius leitet das Unternehmen.

Verzicht auf rund 3,6 Millionen Euro

Die Fonds-Anleger will Jagdfeld jetzt zum Verzicht von 2,3 Millionen Euro in diesem und von weiteren 1,3 Millionen Euro im kommenden Jahr auffordern. Schon im vergangenen Jahr sollten sie nach Angaben des Anwalts Thomas Fritsch, der eine Schutzgemeinschaft der Anleger vertritt, auf Einnahmen aus den Jahren 2008 und 2009 in Höhe von insgesamt 3,57 Millionen Euro verzichten.

Nach der Wende hatte der 62-jährige Immobilienunternehmer den Fonds aufgelegt. Mit der Aussicht auf den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten Prachtbaus in Berlins Mitte lockte er Anwälte, Ärzte und Unternehmer. Diese versprachen sich nicht nur hohe Renditen, sondern auch kräftige Steuervorteile.

Doch schon zwei Jahre nach Eröffnung des Adlons 1997 soll die Ausschüttung nicht mehr so hoch gewesen sein wie einst versprochen. Denn gefüllt wird der Topf fast ausschließlich nur noch mit der Pacht von 12 Millionen Euro, die Kempinski jährlich zahlt. Die Hotelgruppe macht auch deutlich, dass zwischen dem Hotelbetrieb und den von der Adlon Holding gepachteten Restaurants und Bars unterschieden werden muss.

Restaurants müssten brummen

Gegen Jagdfeld macht die Schutzgemeinschaft von Adlon-Anlegern jetzt Front. Die Rebellen hatten sich bereits im vergangenen Jahr zusammengetan. Mittlerweile zählt die Vereinigung 120 frustrierte Geldgeber. «Und täglich werden es mehr», sagt Anwalt Fritsch. Für ihn ist das Verhalten Jagdfelds völlig unverständlich. «Gerade die Restaurants müssten eigentlich in der prominenten Lage brummen.» Der Anwalt wirft Jagdfeld zudem vor, nicht nach neuen Mietern zu suchen. Berliner Makler gehen Fritsch zufolge davon aus, dass Pachteinnahmen von bis zu 1,2 Millionen Euro durchaus realistisch seien für die rund 6000 Quadratmeter gastronomische Fläche, um die es geht.

Ärger bereits in Heiligendamm

Bereits im vergangenen Jahr hatte Jagdfeld heftigen Ärger mit einem anderen Fundus-Projekt. Im Herbst kündigte die Kempinski-Gruppe das Management für das Grand Hotel in Heiligendamm. Kempinski begründete den Schritt mit Vertragsbrüchen. Eines der Probleme des Grand Hotels, das durch den G8-Gipfel 2007 weltweit bekannt wurde: Gebäude im direkten Umfeld wurden nicht weitersaniert.

Zur Fundus-Gruppe, die ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Düren hat, gehört in Berlin auch das Gelände des Kunsthauses Tacheles. Zu den aktuellen Vorwürfe will das Unternehmen nichts sagen: «Wir wollen den fairen Weg einhalten und uns vor der Gesellschafterversammlung nicht öffentlich dazu äußern», sagt Sprecher Christian Plöger.

Mit Jagdfeld beschäftigt sich die Justiz auch in anderen Fällen: Ein Anleger hat Strafanzeige bei der Staatsanwalt in Köln gegen ihn wegen Verdachts der Untreue erhoben. Vor dem Landgericht in Aachen wird am 23. März verhandelt.

Denn die Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger hat ein Problem: Sie kann auf Gesellschafterversammlungen keine Mehrheit organisieren. Deshalb will ihr Anwalt jetzt vor Gericht die Offenlegung einer Liste aller Geldgeber erwirken, um weitere Mitstreiter zu gewinnen. «Wir haben da wohl gute Chancen», betont Fritsch. Zu einem ähnlich gelagerten Fall aus München gebe es bereits eine BGH-Urteil, wonach Gesellschafter solcher Fonds kein Anrecht auf Anonymität haben. (Maren Martell, dpa)

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