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09. März 2010

Das neue Verkaufsverbot für Alkohol in Baden-Württemberg

"Achtung! Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr!" in Baden-Württemberg an Tankstellen, Kioske und Lebensmittelgeschäften

Samstagabend, 22.00 Uhr. Nachtschwärmer sind auf dem Weg zu einer schillernden Party, Nachwuchsmanager kommen gerade aus dem Büro, und für schräge Vögel aller Art beginnt jetzt erst der Tag. Eigentlich ein ganz normaler Samstag - wäre da nicht das Schild vor dem Alkoholregal innerstädtischer Tankstellen.

«Achtung! Verkaufsverbot für Alkohol ab 22.00 Uhr!!!» ist dort in großen Lettern zu lesen. Das Schild steht für ein neues Gesetz in Baden-Württemberg. Ein Gesetz, das bundesweit einzigartig ist und mit dem Innenminister Heribert Rech (CDU) «nächtlichen Alkoholgelagen» ein Ende setzen will.

Seit dem 1. März dürfen danach nun Tankstellen, Kioske und Lebensmittelgeschäfte am späten Abend keinen Alkohol mehr verkaufen. Einzige Ausnahme sind Tankstellen, die ein Bistro führen. In Stuttgart sind das sechs von insgesamt 86. Die Landespolitiker wollen so dem übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen und der häufig damit verbundenen Gewalt Herr werden. Das Gesetz ist im vergangenen November mit Stimmen von CDU, FDP und SPD vom Landtag beschlossen worden.

Bei Nachtschwärmern stößt es auf Unverständnis: «Was soll das denn? Ich komme gerade aus dem Büro und wollte noch ein Feierabend- Bier holen», beschwert sich einer der Kunden in einer Tankstelle in der Stuttgarter Innenstadt. Gehört habe er von dem Verkaufsverbot noch nie etwas.

Vergleichbare Szenen wiederholen sich im Laufe des Abends. Obwohl die neue Richtlinie immer wieder auf Unverständnis stößt, bleiben die Kunden meist ruhig. «Nur wegen einer Kundin mussten wir am Freitagabend die Polizei alarmieren», berichtet ein Angestellter. Die schon leicht angetrunkene Dame wollte nach 22.00 Uhr noch eine Flasche Sekt kaufen. Als der Mann sie ihr nicht verkaufen wollte mit Verweis auf das neue Gesetz, öffnete sie kurzerhand die Sektflasche und trank sie einfach im Laden. «Mein Kollege hat dann die Polizei gerufen, die nach einer Stunde hier eintraf und die Frau verwarnte.»

Ähnliches berichtet eine Mitarbeiterin eines Lebensmittelgeschäfts in der Nähe der Stuttgarter Innenstadt: «Manche Gäste sind ganz schön unverschämt und auch böse darüber, dass es nach 22.00 Uhr keinen Alkohol mehr gibt.»

Nach Angaben der Polizei gab es jedoch keine besonderen Vorkommnisse. «Eigentlich waren alle Kunden sehr kooperativ», sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Tankstellenbetreiber protestieren umso lauter. «Das neue Gesetz wird uns noch ganz schön zu schaffen machen», meint ein Angestellter. Der Verkauf von Alkohol sei am Wochenende die Haupteinnahmequelle. Das Verbot würde für große finanzielle Einbußen sorgen.

Es ergeben sich aber auch ungeahnte Einkommensquellen: «Mich haben Kunden schon versucht zu bestechen», berichtet der Mitarbeiter. Natürlich habe er das unmoralische Angebot nicht angenommen. (Briéla Jahn, dpa)